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Die Wahrheit des Wortes

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Zwei Leichen im Niemandsland

16. Juli 2008

Der Bundesnachrichtendienst (BND) war laut Medienangaben maßgeblich an dem aktuellen Gefangenenaustausch zwischen der israelischen Regierung und der radikalschiitischen Hisbollah beteiligt. Laut der heute in den Medien zu sehenden Bildern, muss man aber wohl von einem Eklat sprechen. Die beiden israelischen Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev wurden vor gut zwei Jahren von der Hisbollah entführt, was unter anderem auch zu einem Krieg zwischen Israel und der Hisbollah führte, von dem auch weite Teile des Libanons betroffen waren. Die meisten Beteiligten gingen schon seit längerem davon aus, dass die beiden Soldaten Tod seien aber es gab nun ein Mal bis zum heutigen Tag keine Gewissheit und der ein oder andere rechnete doch noch damit, dass die beiden Soldaten lebend nach Israel zurückkehren würden. Dies ist nun nicht der Fall und die Frage nachdem Preis wird immer mehr diskutiert.

Misserfolg des BND?

Denn der offensichtlich vom BND eingefädelte Gefangenenaustausch sah im Gegenzug für die beiden israelischen Soldaten die Freilassung von fünf Terroristen der Hisbollah vor, sowie die Übergabe von 199 Leichen von Kämpfern der Hisbollah. Unter den angesprochenen fünf Terroristen ist auch der libanesische Topterrorist Samir Qantar der 1979 fünf Israelis tötete. Für diese grausame Tat, bei der auch zwei Kinder starben, wurde er in Israel zu lebenslanger Haft verurteilt. Normalerweise werden die Leichen der getöteten Personen die ausgetauscht werden sollen in geschlossenen LKW des Roten Kreuzes übergeben. Anders im Fall der beiden getöteten israelischen Soldaten. Ihre schmucklosen Särge wurden medienwirksam vor laufenden Kameras im Niemandsland zwischen Israel und dem Libanon abgelegt. Dies wurde in Israel vielfach als offener Schlag ins Gesicht gewertet, der an Zynismus kaum noch zu übertreffen war. Genau mit diesem Schritt wollte Hassan Nasrallah der Führer der Hisbollah seine Macht noch ein Mal unterstreichen.

Natürlich werden jetzt die Stimmen derer immer lauter, die noch gehofft hatten, dass die beiden Soldaten Goldwasser und Regev noch leben würden. Denn für sie stellt sich nun die Frage, ob die ausgehandelte Gefangenenübergabe so überhaupt noch einen Sinn macht. Die Menschen denen klar war, dass Goldwasser und Regev nicht mehr leben würden, hatten von vorne herein diese Frage gestellt. Denn dadurch das Israel einen sehr hohen Preis für diese zwei Leichen bezahlte, stellt sich natürlich auch die Frage, wo zukünftig die Motivation sein sollte, Geiseln am Leben zu lassen. Denn scheinbar ist in Israel die Leiche eines Soldaten genauso viel Wert, wie ein lebender Soldat. In erster Linie mag dies sehr lobenswert klingen, bringt aber eben die Gefahr mit sich, dass Geiseln zukünftig schneller getötet werden. Sollte der BND tatsächlich federführend an diesem Austausch auf dem Pulverfass Naher Osten beteiligt gewesen sein, kann man dies wohl nicht als Erfolg verbuchen.

Eine EU bis zum Nahen Osten als Lösung?

Diese gesamte Situation zeigt aber auch auf, wie instabil die Lage im Nahen Osten ist und beweist ein Mal mehr, dass wir hier noch immer von einem Pulverfass sprechen müssen, welches jederzeit explodieren könnte. Der Jahrzehnte andauernde Konflikt mit der Hisbollah ist zu dem nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Portfolio der Probleme des Nahen Osten. Wie es in solchen Konflikten leider üblich ist, hat sich auch dies Mal wieder gezeigt, wie viel Zynismus, wie viel Mangel an Moral hier im Spiel ist. Genau dieser Aspekt wirkt natürlich noch ein Mal schwerwiegend negativ auf alle internationalen Bemühungen, die das Ziel verfolgen den Nahen Osten zu befrieden. Auch dieser Fakt zeigt auf, warum man sehr behutsam mit all seinen Bemühungen sein sollte und das politische Schnellschüsse hier zu nichts führen. Es darf auch als sehr fraglich angesehen werden, ob neue Bündnisse, wie zum Beispiel die gerade in Paris von über 40 Regierungschefs beschlossen Mittelmeerunion hilfreich sein werden.

Seit gut 13 Jahren verhandelt man auf Basis der Vereinbarung von Barcelona über eine erweiterte Zusammenarbeit mit den südlichen Staaten des Mittelmeerraumes. Hierzu zählen zum Beispiel auch Ägypten, Syrien und die Türkei aber eben auch Israel. Unter der französischen Präsidentschaft in der EU ist das gerade angesprochene Bündnis entstanden, welches historisch etwas wirkt, wie der Grundstein für eine völlig neue EU, die dann vom Polarmeer bis nach Nordafrika reichen würde und mit Europa, Asien und Afrika drei Kontinente umfassen würde. Außer ehrgeiziger Infrastrukturprojekte, wie zum Beispiel eine Autobahn die ganz Nordafrika verbinden soll, steht eben unter anderem auch die Befriedung des Nahen Osten auf der Agenda, um solche Zwischenfälle wie heute, erst gar nicht mehr entstehen zu lassen. Hier muss man allerdings auch im Kontext zu den Staaten des ehemaligen Jugoslawien beachten, dass die EU selbst auf Ihrem ureigensten Kontinent schon mehr als an ihre Grenzen stößt und es somit fraglich ist, ob die angestrebten Erweiterungen und Ziele überhaupt jemals realisierbar sind.

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Kategorie: Europa · Medien · Politik

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