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Die Wahrheit des Wortes

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Zumwinkel Kieber und das Eichhörnchen

22. Januar 2009

Heute beginnt vor dem Landgericht Bochum der Prozess gegen den Ex-Chef der Deutschen Post Klaus Zumwinkel. Ihm wird Steuerhinterziehung vorgeworfen, die durch einen Datenträger eines Informanten der sich Henry nannte aufgeflogen war. Im Kontext dieses, für zwei Tage angesetzten, Verfahrens werden wieder viele Fragen zur Moral aufkommen. Denn die Moral scheint immer weiter zu sinken und dies gilt nicht nur für die Steuermoral. Denn auch die Fälle von Mitarbeiterüberwachung bis hin zur Bespitzelung beschäftigen die Gesellschaft in diesen Tagen immer wieder. So kam nun ans Tageslicht, dass wohl auch die Deutsche Bahn (DB) Mitarbeiter ohne ihr Wissen überprüft hat. Bei all diesem Verhalten, welches einem grade im Bereich der Wirtschaft vorgelebt wird, darf man sich über negative Entwicklungen in einer Gesellschaft nicht wundern.

Täter unter sich

Es ist fast ein Jahr her, dass die Steuerfahndung Klaus Zumwinkel, einer der meist angesehensten Wirtschaftsbosse dieses Landes, ins Visier nahm und somit eine Steuerfahndungswelle auslöste. Damals schwärmte man noch von riesigen Erfolgen, hochrangigen Namen, die nun nach und nach auftauchen würden. Bislang blieb es aber beim Ex-Postchef. Dies legt die Vermutung nahe, dass man mit solchen gestreuten Nachrichten, eine plausible Antwort auf die Frage finden wollte, warum der Bundesnachrichtendienst (BND) diese Steuerdaten von Henry für einen Millionenbetrag eingekauft hat. Henry, von dem man mittlerweile weiß, dass es sich um Heinrich Kieber, einen ehemaligen EDV-Spezialisten der liechtensteinschen LGT Treuhand AG handelt, hatte unzählige Datensätze weltweiter Steuerhinterzieher gestohlen und diese unter anderem an den BND verkauft. Nun ist er seit längerer Zeit untergetaucht und es ist nicht zu erwarten, dass er jemals wieder aus seiner Tarnung auftaucht.

Sind doch viele Menschen negativ berührt, wenn sie jetzt hören, dass der Prozess gegen Zumwinkel, den Kieber auslöste, gerade ein Mal auf zwei Verhandlungstage angesetzt ist und man mit einer Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe rechnet, muss man dies verstehen und akzeptieren. Gerade im Zusammenhang mit den aufgekommen Gerüchten, dass das Urteil schon im Vorfeld ausgehandelt worden sei, bleibt ein fader Beigeschmack, denn bei einem zu erwartenden Höchststrafmaß von fünf Jahren Haft, wäre das angesprochene Urteil mehr als moderat. Es wird aber wohl immerhin dazuführen, dass Zumwinkel ein Täter ist. Gleiches gilt im übrigen auch für Heinrich Kieber, denn die Datenübergabe an die verschiedenen Strafverfolgungsbehörden, war keine Wohltätigkeitsveranstaltung, sondern ein lukratives und vor allem illegales Geschäft. Wobei Kieber nun ganz andere Sorgen als Zumwinkel hat, denn nicht nur das er per internationalen Haftbefehl von Interpol gejagt wird, sind auch einige derer, die er verraten hat, hinter ihm her. Dies geht soweit, dass wohl ein Kopfgeld von zehn Millionen Euro auf ihn ausgesetzt wurde.

Operation Eichhörnchen

Als würde der Fall Zumwinkel nicht schon alleine ausreichen, um negative Schatten auf die Wirtschaft dieses Landes und dessen Moral zu werfen, geht es bei der DB gleich munter weiter. Hier erfuhr das Magazin Stern, dass gut 1.000 Mitarbeiter, unter dem Decknamen `Operation Eichhörnchen`, ohne ihr Wissen überprüft wurden. Da kommen gleich die bekannten Bespitzelungsgedanken auf. Diesen Vorwurf wehrte die Bahn allerdings direkt, mit dem Hinweis eines Antikorruptionsfeldzuges, ab. Es bleibt allerdings gerade auch nach den Vorfällen der Bespitzelungsaffären bei Lidl und der Deutschen Telekom, auch hier ein fader Beigeschmack. Denn es erscheint einem oftmals so, als würde sich zwanzig Jahre nachdem Ende der DDR, hier ein neues Stasi-System aufbauen bzw. etablieren. Wobei dieser Begriff, an dieser Stelle nur bedingt zutrifft, da es nicht um eine Überwachung durch den Staat, sondern durch die Wirtschaft geht. Schaut man sich allerdings an, wie weit der Staat in den Unternehmen mit involviert ist und sich dieser staatliche Einfluss momentan gerade wieder massiv ausweitet, könnte es am Ende des Tages doch wieder eine Art Stasi sein.

Wenn sich große Unternehmen und Konzerne so verhalten, wenn sich eine Elite vor Gericht zu verantworten hat, da sie sich nicht an die Regeln halten, die in diesem Staat gelten, darf man sich nicht darüber wundern, wenn sich dieser moralische Verfall auch auf den Rest der Gesellschaft ausweitet. Ein Herr Zumwinkel verdient laut ARD-Angaben drei Millionen Euro im Jahr. Wenn ein solcher Mensch im großen Rahmen Steuern hinterzieht und dafür wahrscheinlich noch nicht ein Mal ins Gefängnis gehen muss, ist es schwer einem Normalverdiener plausibel zu erklären, warum er sich mit seinen Steuern für das Gemeinwohl einsetzen soll. Krankenhäuser, die Polizei etc. sind Posten für die wir alle mit Steuergeldern zahlen sollen, allerdings lassen genau diese Positionen immer mehr zu wünschen übrig, denn die polizeiliche und medizinische Versorgungslage wird immer schlechter. Die Eliten gehen ganz einfach in Privatkliniken und oder bedienen sich privater Sicherheitsdienste. Ein solches Ungleichgewicht sorgt für Zorn in der Gesellschaft. Wenn dann noch Milliarden dieser Gelder dafür verwendet werden, die Fehler der gerade angesprochenen Konzerne und Eliten auszugleichen, anstatt für eine bessere medizinische und sicherheitstechnische Lage zu sorgen, kann dieser Zorn ein System sogar irgendwann ein Mal gefährden.

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Kategorie: Gesellschaft · Wirtschaft

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