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Die Wahrheit des Wortes

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Zivilcourage in Zeiten des Wahlkampfes

24. September 2009

Zivilcourage, dieses große Wort, welches spätestens seitdem tödlichen Prügelexzess gegen einen 50 Jahre alten Geschäftsmann an einer Münchener S-Bahn-Haltestelle in aller Munde ist, fehlt in unserer Gesellschaft sehr häufig und es scheint auch klare Gründe dafür zu geben. Denn Zivilcourage hat auch sehr viel mit Verantwortung zu tun und genau die möchten immer weniger Menschen übernehmen. Der Mut für etwas einzustehen, mögen die Folgen auch noch so negativ sein, wie zum Beispiel im Fall von München und negativer, schrecklicher könnten die Folgen nicht sein, ist vielfach abhanden gekommen ist. Erschreckenderweise gilt dies scheinbar auch immer mehr in der Politik, also für genau die Menschen, die gerade auch in diesen Tagen predigen, wie wichtig Zivilcourage sei. Politiker könnten gerade im Moment sehr wohl Zivilcourage zeigen und vor den Wahlen den Menschen detailliert klar machen, was zukünftig alles auf sie zu kommen wird, allerdings würde dies auch vielfach Macht und Einfluss gefährden und dieses Risiko möchte man wohl nicht eingehen. So stellt man sich natürlich nicht als gutes Vorbild dar.

Der pure Zynismus

Natürlich ist es sehr zynisch, wenn Politiker mehr Zivilcourage fordern, obwohl es scheinbar genau an dieser Stelle bei vielen selbst ein Defizit gibt. Es gibt aber noch einen weiteren Punkt, der die Sachlage noch zynischer macht, denn es stellt sich die Frage, warum es in der heutigen Zeit so wichtig ist, dass immer mehr Menschen Zivilcourage zeigen. Nehmen wir die Polizei, die scheinbar immer mehr an chronischer Unterbesetzung leidet und somit natürlich auch nicht mehr ganz so präsent sein kann. Hierdurch entsteht natürlich auch wieder mehr Gefahr auf den Straßen in Deutschland, um hier nun wieder für mehr Sicherheit bzw. für ein höheres Sicherheitsempfinden zu sorgen, sollen die Menschen nun Leib und Leben riskieren? Das kann nicht der Weg sein. Der Bürger soll mehr Verantwortung übernehmen und das in einer Zeit, wo die scheinbar nicht vorhandenen Gelder zu Milliarden in die Wirtschaft abfließen. So löblich Zivilcourage auch ist, kann sich ein Staat nicht auf diesen Baustein stützen bzw. ihn voraussetzen, denn der Verdacht liegt in der Luft, dass hier gezielt eine weitere Umschichtung in unserer Gesellschaft passiert.

Ein weiterer Fakt, der all dies so fragwürdig macht ist, dass es keine Entlastung für die Bürger gibt. Nun ist es fair, dass der Staat, wenn es ihm richtig schlecht geht, auch auf die Unterstützung der Gesellschaft baut aber nicht wenn im Gegenzug auch noch die Belastungen für jeden einzelnen immer größer werden, während riesige Beträge in die Wirtschaft geschossen werden. Unabhängig vom Thema Zivilcourage, hört man immer wieder davon, dass die Bevölkerung mehr in die Pflicht genommen werden soll, da es dem Staat nicht gut geht. Aber warum geht es dem Staat so schlecht, warum mangelnd es überall an Kapital? Die Antwort kann man entweder in einer völligen Fehlentwicklung in der Wirtschaft suchen oder in der Unfähigkeit der Politik dieser Entwicklung ausreichend entgegen zu wirken. Genau in diesen beiden Bereichen, werden allerdings zum Teil schwindelerregende Vergütungen bezahlt. Hierbei beruft man sich dann aber gerne auf die große Verantwortung, die diese Menschen auf sich nehmen. Paradoxer geht es wohl kaum. Man kann sich nicht für eine Verantwortung entlohnen lassen, die man in dem Moment wo sie greifen würde auf Dritte abschiebt.

Wenn helfen teuer wird

Welche Verantwortung trägt denn ein Politiker? Welche Verantwortung trägt denn ein Manager? Man wird abgefunden und sieht sich nach neuen Herausforderungen um. Vielen da draußen, die helfen, die Zivilcourage zeigen und damit ernsthafte Verantwortung übernehmen, steht allerdings eine andere Realität bevor. Wir berichteten hier zu letzt schon über den Helfer von Köln, der auf einem Teil seiner Arztkosten sitzen geblieben ist. Gestern hörte man in den Medien von einem weiteren Fall aus Bayern, wo sich ein Mann gegen Jugendliche einsetzte und dadurch so schwer verletzt wurde, dass er seiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann und jetzt 28.000 Euro Schulden hat und auch noch im Begriff ist seine Wohnung zu verlieren. So sieht es scheinbar aus, wenn normale Bürger für ihre Verantwortung entlohnt werden. Wenn ein Manager unzählige Arbeitsplätze oder gar ganze Unternehmen gefährdet oder vernichtet, sieht die Situation etwas differenzierter aus, denn entweder bleibt er im Unternehmen und bezieht trotz seiner Fehler weiterhin sein Geld oder er muss tatsächlich gehen und dies dann sehr häufig mit einer Sorgenfrei-Abfindung. All dies motiviert nicht gerade dazu ein hohes Maß an Zivilcourage zu zeigen.

Die wirtschaftlichen Eliten aber auch die Experten aus der Politik haben natürlich auch eine Vorbildfunktion in der Gesellschaft  aber auch dieser kommen sie scheinbar nur selten bis gar nicht nach. Auch hier wird eine weitere massive Fehlentwicklung in der Gesellschaft sehr deutlich. Wenn Manager Fehler begehen, sollten sie auch noch so schwerwiegend sein, ist es offensichtlich oftmals sehr schwer, sie für diese juristisch zu belangen. Auch hier sieht es auf der Straße etwas anders aus. So konnte man in dieser Woche im WDR den Fall eines Mannes sehen, der einen Jugendlichen an einem Bahnhof in Weilerswist vor den Übergriffen von Jungendlichen beschützte. Der Helfer erzählte, dass er vor Jahren schon einmal einem jungen Ehepaar in einer ähnlichen Situation geholfen hätte, allerdings kam es damals zu einer tätlichen Auseinandersetzung in dessen Folge er einem der Aggressoren das Nasenbein gebrochen hatte. Dies sieht juristisch dann schon viel klarer aus und brachte ihm eine Strafanzeige wegen Körperverletzung und eine Verurteilung zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro. So lange in diesem Staat diese Entwicklungen weiterhin soweit auseinandergehen, darf man sich über immer weniger Zivilcourage und eine weitere Verrohung der Gesellschaft nicht wundern.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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