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Die Wahrheit des Wortes

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Zensus 2011 – Ein Land verzählt sich

12. August 2010

Zensus 2011 ist die Bezeichnung der ersten gemeinsamen Volkszählung in der Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung, denn die letzten beiden Volkszählungen fanden jeweils 1981 in Ostdeutschland und 1987 in Westdeutschland statt. Nun versichert die zuständige Abteilungsleiterin beim Statistischen Bundesamt, Sabine Bechtold, es sei alles nicht so schlimm, denn letztendlich würden nur 10 Prozent der Bevölkerung tatsächlich befragt, als eine Art Stichprobe. Trotzdem bleibt es ein Vorgang, der viele Menschen nicht gerade mit aller größter Freude erfüllt. Dies erklärt denn auch, dass es schon zwei Verfassungsbeschwerde gegen dieses Vorhaben gibt, denn es besteht Auskunftspflicht und es werden massiv verschiedene Quellen und ihre Informationen miteinander vernetzt. Ein weiterer Schritt um die Bürger gläserner und damit natürlich auch besser durchschaubar zu machen, was letztendlich gut für ihre Überwachung durch den Staat ist.

Dafür ist natürlich noch Geld da
Wie gesagt, nur etwa 10 Prozent der Einwohner sollen tatsächlich befragt werden, der Rest wird dann über verschiedene Melderegister und ähnliches quasi quer erfasst.  Nun sollte man aber nicht glauben, dass es dieses Projekt zum Nulltarif gibt. Über 700 Millionen Euro wird es den Steuerzahler am Ende des Tages kosten. Jetzt mag man natürlich in einer Zeit in der unzählige Hunderte Milliarden Euro für Banken oder ähnliches bereitgestellt werden, die tatsächliche Größe des Betrages unterschätzen aber diesen massiven Fehler darf man nicht begehen, denn auch dieses Geld wird natürlich an anderer Stelle auch wieder fehlen. Auch so etwas sind Gelder, die irgendwann in der Kultur oder der Bildung fehlen und dann wird in Berlin wieder behauptet die Bürger würden über ihre Verhältnisse leben. Der Vorteil, man weiß dann ganz genau wie viele Bürger über ihre Verhältnisse leben. Das dies natürlich alles wieder zu Unzufriedenheit führt, dürfte hinlänglich bekannt sein.

Aber auch gegen diese Frustration oder viel mehr deren mögliche Folgen könnte die Volkszählung direkt helfen, denn ein gläserner Bürger ist ein gut zu überwachender Bürger. An dieser Stelle merkt man einmal wieder sehr schön, wie absurd das Leben in der Berliner Republik mittlerweile geworden ist. Es werden Gelder für mehr als fragwürdige Projekte ausgegeben, die wahrscheinlich am Ende vorne und hinten wieder nicht ausreichen, denn auch das letzte große Überwachungsprojekt ELENA ist zu einer riesigen, unrentablen Kostenfalle geworden, wie sich erst zuletzt zeigte. Dann muss selbstverständlich gespart werden und dies tut man natürlich mit Vorliebe bei den Schwachen dieser Gesellschaft und mit dem so entstehenden Unmut wird dann später wieder mehr Überwachung gerechtfertigt. Vielleicht sollte man einfach einmal die Finanzpolitik etwas mehr an die tatsächlichen Bedürfnisse der Bürger anpassen aber gerade im Moment, mit einem Ex-Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) als jetzigen Bundesfinanzminister, dürfte dies Wunschdenken bleiben.

Europa und der chinesische Weg
Man darf auch jetzt schon davon ausgehen, dass sollte der Widerstand im Land weiter anwachsen, man sich, wie man es in solchen Fällen immer wieder gerne tut, auf die Europäische Union (EU) und den europäischen Gedanken berufen wird. In solchen Fällen greift man eben gerne zum argumentativen Hammer Europa, denn wenn alle Argumente ausgehen, sagt man halt, was alle in Europa machen, kann nicht schlecht sein. Ein Blick zurück in die deutsche Geschichte zeigt übrigens, dass weder alles gut sein muss, was eine Masse befürwortet, noch das Größenwahn in Europa jemals zu etwas geführt hätte aber auch so etwas spielt an dieser Stelle keine Rolle, Hauptsache die Massen sind überwacht und die vermeintlichen Eliten können schalten und walten, wie sie gerade mögen. Demokratie scheint die Vergangenheit zu sein, ein einheitliches gut auf Kurs gebrachtes Europa die Zukunft. Das viel Masse es bringt, machen uns die Chinesen jeden Tag vor, also warum sollte dies nicht auch in Europa funktionieren. Wer braucht denn schon Freiheit oder Menschenrechte, wenn nur der Aufschwung stimmt.

Persönlich erinnert man sich in der Redaktion hier in Köln noch sehr gut an die Volkszählung in Westdeutschland und die heftigen Diskussionen und den Widerstand den es gab, all dies hält sich bislang noch in klaren Grenzen und so lange Menschen, wie Frau Bechtold, so etwas verharmlosen und man letztendlich von jedem Supermarkt scheinbar schon mehr Überwachung gewohnt ist, wird es wohl auch so bleiben. Es scheint als wären die eben angesprochenen vermeintlichen Eliten in den letzten 23 Jahren ihrem Ziel wieder ein riesiges Stück näher gekommen. Die Menschen werden so sehr eingelullt, dass sie das Wesentliche oftmals übersehen oder für nicht mehr relevant halten. In vielen kleinen Schritten entfernt man sich auch in Berlin und dem restliche Land immer weiter von den Grundsätzen, die dieses Land nach dem Zweiten Weltkrieg soweit nach vorne gebracht haben und dies bezieht sich sowohl auf die Wirtschaft, wie auch auf die Freiheit. In der heutigen Zeit, wo selbst die Kirche moralisch versagt, ist es da ein Einfaches den Menschen all dies wieder abzunehmen. Aber was passiert, wenn sie genau dies realisieren?

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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