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Die Wahrheit des Wortes

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Zeit ist Geld – Geldvermögen contra Einkommen

23. Februar 2009

Zeit ist Geld – jeder kennt diesen Spruch. Und vielleicht versteckt sich dahinter ein dezenter Hinweis, woran unser Wirtschafts- und Finanzsystem krankt. Der Blick hinter die Kulisse darf auf die Schere zwischen Einkommen und Geldvermögen gerichtet werden, die durch “time is money”-Mentalität entstanden ist. In kurzer Zeit so viel wie möglich cashen, das war das Motto der letzten Jahre. In beiden Staaten, Österreich und Deutschland, stieg dabei das Geldvermögen unverhältnismäßig proportional zu den Gehältern und Löhnen an. Was viele Statistiken nicht zeigen ist, dass das BIP (Bruttoinlandsprodukt) nur gering mit dem Geldvermögen des Staates mitwachsen konnte. Diese Schere geht seit den 70er Jahren eklatant auseinander.

Motor BIP. Mit dem BIP beschreiben wir das Wirtschaftswachstum eines Staates. Wie darf man dieses in Bezug zum Geld sehen? Indem man vergegenwärtigt, dass Arbeit Geld erzeugt. Arbeit gegen Geld, so lautet die vereinfachte Formel. Womit hat jedoch in den letzten fünfzehn Jahren der Gewitzte sein Geld verdient? Doch wohl nicht mit realer und vielmehr mit fiktiver Arbeit. Da wurden Spekulationsgeschäfte verkauft, auf fallende Kurse gesetzt, und mit guten Zinserträgen fast alles finanziert. Der Aktienfond sollte das Auto, das Haus, den Weinkeller, die Urlaubsreise und sogar die Pension finanzieren. “Lass das Geld für dich arbeiten!” hieß es mit Sternchen in den Augen. Und in kurzer Zeit machte mancher ein Vermögen. Zeit ist Geld und BIP ist Wurst.

Geldvermögen verdoppelt. In Österreich verdoppelte sich in den letzten zehn Jahren genau dieses Geldvermögen auf 2.155 Mrd. Euro. Den Großteil davon besitzen mit 1.298 Mrd. Euro die Finanzwirtschaft, gefolgt von der Wirtschaft. Fazit: “Kleine Einkommen stiegen schwach, hohe Einkommen stark.” Kleine Einkommen stiegen im selben Zeitraum um nur neun Prozent, hohe Einkommen dagegen um vierzig Prozent.

Und genau darin liegt die Crux. Wirtschaft, die vergessen hat, woraus Geld entsteht, basiert auf Luftblasen. Geld kann nur durch Arbeit entstehen. Entsteht und vermehrt es sich durch Zinsen, dann lässt man zwar das Geld für sich in einem bestimmten Zeitraum arbeiten. Aber wo Zinsen gezahlt werden, muss man sie an anderer Stelle “verdienen”, sprich wegnehmen. Also werden Kredite vergeben, die, wenn sie nicht mehr bedient werden können, mit anderen Krediten abgedeckt werden müssen… dieses System haben die USA ja eindrücklich vorgezeigt. Und jener, der am Beginn dieser Einkommenskette steht, verdient am meisten. Bert Brecht würde sagen: Warum einen Kredit verkaufen, wenn man eine Bank bauen kann. Denn dieses Kapital trägt Zinsen, wirft etwas ab. Wenn du kein Kapital sondern nur Schulden hast, dann zahlst du dein Leben lang, und bist von diesem System abhängig, das  sich nur stabil hält, indem es wächst. Die Produktion wächst, die Kreditgeschäfte wachsen, der Konsum wächst dadurch – wohin? Wohl nicht ins Nirwana? Dieses Geld ist von der Realwirtschaft und damit vom BIP völlig entkoppelt und dessen Vermehrung funktioniert unabhängig von der realen Arbeitsleistung.

Paradigmenwechsel Geldsystem. Ernsthafte Überlegungen seitens der Wirtschaftsmathematik  finden bereits statt, hier nach Kontrolle zu rufen. Nicht das Wirtschaftssystem ist marode, sondern das Finanzsystem ist es. Geld darf wieder an reale Arbeitsleistung gebunden werden. Dann kann sich BIP und Geldvermögen die Waage halten. Und sein Horten darf eingeschränkt sein – Schwundgeld nannten wir das 1932 in Wörgl, Tirol. Ein langsamer Übergang in ein solches neues Wirtschaftssystem ist gefragt, eine Art Paradigmenwechsel. Würde dieser abrupt erfolgen, kann das schon den Zusammenbruch des gesamten Weltfinanz- und Weltwirtschaftssystems bedeuten, liest man in der Humane Wirtschaft Ausgabe 1/2009. Angesichts der täglichen Zusammenbrüche in der Industrie und Bankenwelt, dürfen wir gespannt sein: Paradigmenwechsel von heute auf morgen, oder doch sanft. Aber vielleicht gilt auch hier die Tatsache, dass der Mensch sich erst verändert, wenn er in eine Notsituation gerät. Auf österreichisch formuliert: Erst wenn dir mit dem Stellwagen ins Gesicht gefahren wird, hebst deinen A…. auf und tust was.

AMW

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Kategorie: Gesellschaft · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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