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Die Wahrheit des Wortes

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Zeigt der westliche Blick auf den Iran die Wahrheit?

16. Juni 2009

Die Massenproteste im Iran gehen weiter. Gestern gab es wohl bis zu sieben Tote und der Oppositionsführer Mirhossein Mussawi zeigte sich und erklärte es solle weiter demonstriert werden, bis es Neuwahlen geben würde. Ajatollah Ali Chamenei, der wohl größte Machthaber im Iran, räumte nun ein, dass das Wahlergebnis geprüft würde. Viele dieser Fakten verdanken wir einer veränderten Nachrichtenlage, denn die strenge des Regimes gegen die Medienvertreter weicht scheinbar etwas auf, so darf seitdem gestrigen Tag auch wieder Halim Hosny für das ZDF berichten, da sein Berichtsverbot wieder aufgehoben wurde. Ob dies auch mit den Protesten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu tun hat, bleibt erst einmal offen. Neben der offiziellen Versorgung mit Nachrichten boomt allerdings, wie so oft in solchen Krisen, auch der inoffizielle Nachrichtenverkehr im Internet von Twitter bis YouTube wieder sehr massiv. Aber was ist nun die Wahrheit?

Was der Westen will

Am gestrigen Tag gingen viele Menschen in Teheran auf die Strasse, dass ist ein Fakt. Es werden wohl einige Hunderttausende gewesen sein, wobei die Spekulationen, auch großer westlicher Medien, von einer oder gar zwei Millionen Menschen reden, was man erst einmal für eine ziemliche Masse halten darf. Außerdem sollen sich die Demonstrationen auch auf verschiedene weitere Städte im gesamten Iran ausgeweitet haben. Dies wird dann allerdings nur noch mit unscharfen Filmchen von Handykameras, die im Internet im Umlauf sind belegt. Genau hier wird der Weg des guten Journalismus verlassen, denn diese Quellen sind in den allermeisten Fällen nicht zu überprüfen und oft genug hat sich herausgestellt, dass vermeintliche Videos aus Krisengebieten oder Kriegsgebieten entweder aus völlig anderen Ecken stammten oder gar nur inszeniert wurden, um gewissen Interessen zu dienen. Umso erschreckender ist, dass sich auch immer mehr Massenmedien auf diese fraglichen Quellen stützen. Aber warum geschieht dies? Zum einen weil man durch die verschiedensten Gründe keine anderen Quellen mehr hat, zum Teil aber ganz offensichtlich auch, weil das auf diesen Plattformen gezeigte Bildmaterial, westlichen Interessen sehr dienlich ist. Man darf wohl als Fakt festhalten, dass man es in der westlichen Welt nur zu gerne sehen würde, wenn Mahmud Ahmadinedschad gestürzt würde und dabei ist Demokratie scheinbar erst einmal zweitrangig.

Nehmen wir die größte Zahl, die im Zusammenhang mit den Demonstrationen in Teheran genannt wurde, dann reden wir von circa zwei Millionen Iranern und das ist bei einer Bevölkerungszahl von über 70 Millionen Einwohnern gerade einmal eine Minderheit und selbst in Bezug auf Teheran, mit seinen gut 16 Millionen Einwohnern, ist man von einer Mehrheit weit entfernt. Aber diese Minderheit wird gerne groß dargestellt, da sie eben scheinbar die Interessen der westlichen Welt vertritt. Man muss berücksichtigen, dass wir natürlich wenn wir von Teheran sprechen, auch nicht unbedingt von der oftmals weniger gebildeten Landbevölkerung sprechen und gerade hier hat Ahmadinedschad großen Rückhalt. Zum Teil weicht im Moment aber auch der Begriff der Wahlfälschung bzw. des Wahlbetrugs mehr dem Begriff der Wahlmanipulation. Wirklich unabhängig wäre es nun erst einmal abzuwarten, was die Prüfung durch den Wächterrat, der sich aus sechs geistlichen und sechs weltlichen Juristen zusammensetzt, ergibt und nicht direkt blind dem Weg Mussawis zu folgen, der scheinbar Neuwahlen um jeden Preis will. Der Westen, und dieser wird nun einmal zu einem großen Teil durch die USA und damit durch Barack Obama gesteuert, will einen Wechsel im Iran. Dies machte auch noch einmal das Statement von Obama vom gestrigen Tag klar, mit dem er sich doch auch in gewisser Weise gegen das Regime von Ahmadinedschad stellte. Man darf jetzt aber nicht glauben, dass es hierbei wirklich um die Bevölkerung im Iran geht. Es geht um das Atomprogramm im Land und natürlich, wie so oft in solchen Konflikten, um die Interessen der Wirtschaft und dies bedeutet in dieser Region, es geht um Öl.

Manipulation ist relativ

Nun hat der Ajatollah Ali Chamenei dafür gesorgt, dass das Wahlergebnis geprüft wird, wobei auch diese Nachricht relativ ist, denn es gibt auch Aussagen die besagen, dass das Wahlergebnis binnen fünf bis sieben Tagen so oder so vom Wächterrat überprüft würde. Mit Spannung darf man nun abwarten, was diese Prüfung ergeben wird. Sollte sie den jetzigen Wahlsieger Mahmud Ahmadinedschad bestätigen, wird man wohl auch diese Prüfung anzweifeln bzw. nur noch von Wahlmanipulation sprechen. Ein weiterer sehr interessanter Aspekt, denn es ist die Rede davon, dass Ahmadinedschad gerade auch die Landbevölkerung mit Lebensmitteln und Kapital unterstützt hat, umso an ihre Wählerstimmen zu kommen. Welch ein Skandal, mag manch einer meinen. Keineswegs, so etwas ist normale Politik. In Deutschland versucht man an Wählerstimmen zu kommen in dem man den Menschen verspricht, dass sie weniger Steuern zahlen müssen. In den USA war der Gesundheitsschutz für die ärmeren Bevölkerungsschichten ein großer Erfolg für Obama. In solchen Fällen würde niemand auf den Einfall kommen und von Wahlmanipulation sprechen, in der westlichen Welt nennt sich genau dies, Wahlkampf mit Wahlgeschenken. Natürlich ist die Islamische Republik Iran keine Demokratie, wie man sie aus dem Westen kennt oder sie dort mag. Ganz im Gegenteil reden wir von einem islamischen Gottesstaat, der laut Expertenmeinung Atomwaffen bauen kann oder längst über solche verfügt aber deshalb nun alles zu verteufeln, kann auch nicht der richtige Weg sein. Man kann versuchen auf den Iran einzuwirken aber dann bitte auch auf einer demokratischen und rechtsstaatlichen Basis und mit fairen Mitteln.

Sieben Todesopfer auf über 70 Millionen Einwohner, darüber regt man sich auf. Allerdings fehlt die Aufregung, wenn in der ARD sinngemäß erklärt wird, dass eine blutige Niederschlagung dieser Bewegung im Iran den Demonstranten helfen könnte, denn dann käme es sehr wahrscheinlich zu einem Bürgerkrieg und dieser würde dann vielleicht zu Neuwahlen führen. Natürlich kann man dieser These folgen. Vielleicht finden viele westlich Vertreter aus Politik und Wirtschaft sie auch gut, denn vielleicht würde ein Bürgerkrieg wirklich zu einer Neuordnung im Iran und damit in der gesamten arabischen Welt führen. Natürlich wäre da erst einmal das Leid in der iranischen Gesellschaft aber das scheint bei solchen Thesen irrelevant zu sein. Die weltweite Terrorgefahr würde sich wahrscheinlich noch einmal drastisch erhöhen aber auch das nimmt man heute schon an einigen anderen Punkten in Kauf. Vielleicht löst es aber auch einen Flächenbrand in der Region aus, der direkt in den Dritten Weltkrieg führt, dann hätten wohl alle Menschen ein Problem und der westliche Blick wäre vielleicht plötzlich nicht mehr der einzig wahre. So religiös ausgerichtet auch immer die Politik im Iran sein mag, so kapitalistisch ist auch der Blick der westlichen Welt ausgerichtet und das auch dieser Blick nicht immer der allerbeste ist, zeigt sich weltweit in der Weltwirtschaftskrise. Vielleicht sollten alle, von den Medien über Vertreter der Religionen bis hin zur Wirtschaft und Politik, einfach einmal nach einer positiven Kompromisslösung suchen, anstatt es einmal mehr hinzunehmen, dass Teile dieser Erde in Schutt und Asche gelegt werden, nur damit religiöse oder wirtschaftliche Interessen vorangetrieben werden können.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 bushistweg // 17. Jun 2009 at 22:33

    es würde mich nicht wundern wenn die Demonstranten von den USA gesteuert sind! Den Amis traue ich alles zu !

  • 2 Martina J. // 22. Jun 2009 at 10:23

    danke für deinen bericht. ich denke, dass das bild von presse, internetforen … natürlich nicht der wahrheit entsprechen kann. jeder manipuliert überall herum, um eigene interessen und ansichten zu vertreten – das ist das system, die absicht und die wirkung des digitalen zeitalters. die suche nach der absoluten wahrheit muss es für mich nicht geben, da sie nicht wirklich ist. dennoch mache ich mir mein eigenes bild einer (hier politischen) situation – aus presse, diskussionen, literatur, kontakten zu unmittelbar betroffenen – kurzum, ich nutze auch alles, um mehr zu erfahren. ich beziehe auch vorsichtig stellung, aber bestimmt nicht aus einer emotion heraus. also ein schwerer weg zur entscheidung. im falle iran bin ich noch zurückhaltend, da habe ich noch zu viele informationen, die zu verwirrend sind – aber die frage nach demokratie, manipulation durch beteiligte kräfte (im iran und auch global) zeigen die grenzen und möglichkeiten des internetzeitalter – bei mir immer ein thema.

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