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Die Wahrheit des Wortes

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Wunderland Deutschland

26. Oktober 2010

In der letzten Woche gab Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) eine Wirtschaftsprognose für Deutschland ab, die es in sich hatte und es war auch hier einmal wieder sehr wichtig, genau hinzuhören. Es ist immer wieder die Rede von einem Wunder, davon wie grandios die Erholung der Wirtschaft auf allen Ebenen inklusive des Arbeitsmarktes ist. Der Aufschwung ist massiver als gedacht und die Bundesregierung geht mit ihren Schätzungen teilweise noch weiter, als es manch Wirtschaftsexperte tut. All dies klingt nach einem wirklichen Traum, danach als würde sich in Deutschland nun endlich etwas in die richtige Richtung bewegen. Hätte man all dies nur nicht schon so oft gehört und wäre dann doch immer wieder negativ überrascht worden. Dies hat nichts mit Pessimismus zu tun, sondern einfach nur mit einer engen Verbundenheit zur Realität, schließlich wird in Deutschland oft der Fehler gemacht und Realität und Pessimismus miteinander verwechselt und dies sollte man gerade auch an dieser Stelle nicht tun.

Weniger Arbeitslose
Das Lohnniveau in Deutschland steigt und das gleichermaßen brutto, wie auch netto, was natürlich gerade einen FDP-Politiker, wie den Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), sehr freut, kann man doch so endlich Regierungserfolge verkünden. Ganz allgemein klang es so, als wollte man die erreichten Regierungsziele gleich dutzendweise herunterbeten, natürlich rhetorisch großartig, nicht ohne dabei an die Bürger zu denken. So wurden die Menschen im Land, die durch ihre Arbeit all dies erst möglich gemacht haben, immer wieder in den Vordergrund gestellt. Nicht das man den Eindruck bekommen würde die Politik würde sich hier einmal mehr selber feiern. Deutschland als Motor für die Wirtschaft in Europa, unter 3 Millionen Arbeitslose, die Liste der Freude scheint einfach endlos zu sein. Deutschland ist endlich wieder wer, scheint die Kernaussage zu sein, was ein bisschen fehlte, ist die Erklärung, wie all dies geschafft wurde und wie man nachhaltig gedenkt mit den unzähligen Milliarden umzugehen, die all das bis zum heutigen Tage gekostet hat.

Man fragt sich natürlich auch, was sich so kurzfristig verändert haben soll, dass es auf einmal, wie von Zauberhand, so steil aufwärts geht. Schaut man sich im Land der Leergutsammler um, hat man oft das Gefühl, dass hier wirtschaftliche Prognosen und die Realität nicht wirklich viel gemeinsam haben. Man fühlte sich zum Teil an die viel zitierte Geschichte mit den Blühenden Landschaften erinnert. In den Medien scheute man sich auch nicht gleich Bildmaterial des Nachkriegswirtschaftswunder aus den Archiven zu kramen. Hörte man dieser Erklärung des Wirtschaftsministers Brüderle (FDP) zu, konnte man das Gefühl bekommen, als kämen wirklich unvorstellbar gute Zeiten auf Deutschland zu und dies scheinbar nur weil hier so großartige und fleißige Menschen leben. Wie bereits erwähnt, bleibt allerdings doch auch ein großes Maß an Skepsis, denn vielleicht haben all diese Prognosen in Wirklichkeit einen ganz anderen Hintergrund, den man erst später bemerken sollte. Denn man könnte dies auch alles als Wahlkampfauftakt ansehen.

Im Land von Stuttgart 21
Wie groß die Probleme in Deutschland tatsächlich sind und wie schwer es dadurch die Bundesregierung und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat, zeigt sich in diesen Tagen so gut wie täglich von Stuttgart bis Gorleben. Der Unmut in Deutschland macht sich vom Ländle bis ins Wendland immer mehr Luft und Stuttgart 21, oder viel mehr der Protest dagegen, wie auch die Castortransport bieten sich im Moment scheinbar bestens als Ventil an. Genau dies scheint man langsam auch endlich einmal im politischen Berlin begriffen zu haben und möchte nun wohl, egal auf welcher Ebene, punkten, schließlich stehen im nächsten Jahr in Baden-Württemberg Wahlen an und da muss man natürlich sehen, wie man sich nun langsam gut positioniert. Da man natürlich nichts gegen die Castortransporte tun kann und sich scheinbar auch nicht gegen die Deutsche Bahn und ihren Chef Rüdiger Grube durchsetzen kann, kommen da solche Wirtschaftsprognosen, wie gerufen, um zu versuchen die Stimmung im Land im großen Stil aufzuhellen.

Man kann an dieser Stelle nur hoffen, dass diese Vermutung nicht stimmt und hier nicht der Versuch unternommen wird mit nicht einzuhaltenden Prognosen, die gereizte Stimmung im Land in den Griff zu bekommen und gleich auch noch Landtagswahlen zu gewinnen, denn sollte dem so sein, dürfte die Stimmung schlagartig in dem Moment kippen, in dem die Wahrheit ans Tageslicht kommt und die Bürger begreifen, dass sie ein weiteres Mal von der Politik hinters Licht geführt wurden. Man sollte auch nicht vergessen, dass nicht nur die Stimmung in Deutschland sehr gereizt ist, wie zum Beispiel auch die Proteste der letzten Woche in Großbritannien und Frankreich gezeigt haben. Gerade auch in der Europäischen Union (EU) sind die Menschen die Politik der letzten Jahre und Jahrzehnte satt und wollen endlich wieder solide leben und wirtschaften können. Diesen gemeinsamen Tenor kann man in Europa ganz klar benennen und nichts anderes hat Wirtschaftsminister Brüderle (FDP) versprochen, also sollte man hoffen, dass er die Wahrheit gesagt hat und man ausnahmsweise der Politik in diesem Land einmal Glauben schenken darf.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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