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Die Wahrheit des Wortes

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Wüstenblut

23. März 2011

Schon wieder gibt es einen weiteren Krieg auf dieser Erde, als ob man mit dem anstehenden Super-GAU im japanischen Atomkraftwerk (AKW) Fukushima nicht schon genug Sorgen hätte. Aber wie schlimm sind Kriege in diesen Tagen noch, wenn man sich die Berichterstattung anschaut, scheint es so, als sei dies alles nicht mehr so schlimm. Man wird manchmal so oder so das Gefühl nicht los, nur noch Propagandavideos zu sehen und dies von allen Seiten. Tatsachen, Fakten, Beweise, Gründe und ähnliches treten immer mehr in den Hintergrund, man will einfach auf allen Seiten nur noch verkaufen, wer die Guten und wer die Bösen sind und dies geht natürlich gerade in einem Land, wie zum Beispiel Libyen, scheinbar ganz einfach. Ein paar Worte wie Terror, Diktator und Verrückter reichen hier wohl aus, um klar zu machen, dass der Westen, der hier einmal mehr ein Land zerbombt, im Recht ist. Woher zum Beispiel der plötzliche Wandel des Westens gegenüber Nordafrika kommt und wieso scheinbar immer mehr Libyer von Muammar al-Gaddafi gekauft wurden und deshalb für ihn demonstrieren, fragt sich kaum einer und schon gar nicht bei den etablierten Massenmedien.

Stimmt die Verhältnismäßigkeit der Mittel?
Es war eigentlich vom Tag X an klar, woher der Hase läuft. Wie zuvor in Tunesien und Ägypten, kamen wie aus dem Nichts plötzlich massive Unruhen auch in Libyen auf. Aber hier sollte alles anders werden. Auch hier versuchte man von westlicher Seite, wie bei den erstgenannten Staaten auch schon, deutlich zu machen, um was für ein Unrechtsregime es sich handelt und was hier für ein brutaler Diktator herrscht, natürlich ohne zu begründen, warum all dies über all die Jahrzehnte niemanden im Westen gestört hatte. Gerade im Fall von Muammar al-Gaddafi ist dies besonders merkwürdig, kennt die Welt ihn doch noch zu gut von dem Attentat auf die Discothek LaBelle in Berlin und dem grausamen Terroranschlag von Lockerbie. Aber spätesten seit Fukushima weiß man, dass selbst schon die jüngere Vergangenheit, wie in diesem Kontext zum Beispiel auch Tschernobyl, bei vielen schon vergessen ist. Im Gegensatz zu den Machthabern von Tunesien und Ägypten, gab der libysche Machthaber aber nicht gleich auf und setzte sich gegen seinen Sturz ein, was den Westen veranlasste Kriegsschiffe vor diesem Teil der Mittelmeerküste aufziehen zu lassen und dies unter dem Vorwand humanitäre Hilfe, denn noch vor einigen Wochen betonten fast alle, so etwas wie eine Flugverbotszone oder gar Angriffe auf Libyen würde es nicht geben.

Dann kamen immer mehr angebliche Beweise auf, die oft genug einfach nicht zu überprüfen sind, die der westlichen Allianz aber ausreichten, um plötzlich doch von einer Flugverbotszone und einem Angriff auf Libyen zu sprechen und plötzlich war der Krieg da und es hagelt Bomben auf Libyen. An dieser Stelle sei nur erwähnt, dass die Resolution, die dieses kriegerisch Vorgehen legitimiert, ausdrücklich keine Bodentruppen erlaubt und man mit Spannung warten darf, wann sich dies auch noch ändert und man wohl von einer weiteren kriegstreiberischen Lüge sprechen muss. Diese ganzen Abläufe kennt man bestens aus dem Irak und Afghanistan und auch das nun wieder Giftgas ins Spiel gebracht wird, ist einfach nichts Neues mehr aber die Menschen, gerade auch die in der westlichen Welt, fallen scheinbar noch immer darauf rein. Es hinterfragt auch kaum einer, ob hier noch die Verhältnismäßigkeit der Mittel gegeben ist. Festzustehend scheint nur, dass mit jeder Bombe, die auf Libyen fällt, auch die Stimmung gegenüber der westlichen Welt fällt. In Libyen sind all diese Stimme von Gaddafi gekauft, so bekommt man zu mindestens den Anschein, wenn man sich Teile der Berichterstattung in der westliche Welt anschaut. Komplexer wird es dann schon wieder, wenn sich die Arabische Liga in diesem Kontext zu Wort meldet. Richtig kompliziert wird es natürlich nun bei der Zusammenarbeit mit der Türkei in der Nato. Denn beide sind mit dem aktuellen Vorgehen der westlichen Welt nicht einverstanden.

Beginnt hier ein Flächenbrand?
Man fragt sich bei der enormen Härte mit der hier vorgegangen wird, warum es nicht so viele Bilder gibt, wie man es sonst gewohnt ist. Es gibt immer nur Bilder, die beweisen sollen, dass der Westen einmal mehr im Recht ist. Aber auch wenn er es nicht wäre, würde dies wohl keine Rolle spielen, wie die Giftgas-Lüge aus dem Irakkrieg gezeigt hat. Weiter fragt man sich auch, warum in den westlichen Medien, die so stolz auf ihre Unabhängigkeit sind, nicht einmal der Fragen nachgegangen wird, welche Gründe, all das, was man im Moment in der Region sieht, noch haben könnte. Hier und da redet man manchmal vom Öl aber eigentlich auch nur, wenn man erklären muss, warum wohl bald die Preise auch in diesem Bereich wieder nach oben schnellen werden. Wie bedeutsam die Region zum Bespiel im Kontext der aktuellen Pläne der Solarenergiegewinnung ist, fragt auch wieder kaum jemand. Man könnte der Behauptung nachgehen, dass diese zwanghafte Ausbreitung der Demokratien nach westlichem Vorbild in diesem Bereich der Welt zum Beispiel Desertec wohl sehr entgegen kommen dürften. Stattdessen wird in diesem Kontext auch so gut wie gar nichts hinterfragt. Ein O-Ton eines Konsortiumsvertreters wird eingespielt, der behauptet, dass man mit der aktuellen Situation sehr unzufrieden sei, da man doch so gut mit den bisherigen Partnern in der Region klar gekommen wäre.

Dies ist übrigens sehr spannend, denn entweder will man so eine Stimmung in der Richtung, kein Blut für Solarenergie, verhindern oder man hat vorher mit den schrecklichen Regimes, die nun überall verurteilt werden, bestens kooperiert, was am Ende des Tages auch nicht besser wäre. Auch die Kirchen sind im Angesicht dieses neuen Krieges und ein Krieg bringt immer Leid mit sich, auch sehr zurückhaltend, was gerade im Bereich der katholischen Kirche unter dem Oberhirten Papst Benedikt XVI. auch nur bedingt überrascht, da das Schweigen in allen wichtigen gesellschaftlichen Fragen scheinbar, dass vom Papst gelebte und vorgegebene Leitmotiv ist. Es scheint nur festzustehen, dass sich hier in einer ganzen Region etwas verändert, was, wenn es gelingen sollte, am Ende des Tages vor allem die westliche Welt und ihren globalisierten Raubtierkapitalismus voranbringt und da überrascht es auch nicht, dass immer wieder die Rede von Geheimdiensten und Geheimkommandos in diesem Zusammenhang ist. Sollte all dies in der Form daneben gehen, wie in Afghanistan und sich hier ein nicht überschaubarer Flächenbrand entwickeln, könnte es fatale Folgen für die westliche Welt haben und dies in einer Zeit, in der man mit Japan und der Schädigung des dortigen Wirtschaftssystem durch Beben und Tsunami schon Sorgen genug haben sollte, von dem Ausblick auf einen Super-GAU und dessen Folgen, gerade auch für die Wirtschaftsmetropole Tokio, ganz zu schweigen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Bruder Klaus // 23. Mrz 2011 at 18:19

    Die armen Amerikaner – fast können sie einem leidtun. Da gelobt Präsident Obama die islamische Welt ernst zu nehmen und sich auch dort für Frieden und Freiheit zu engagieren. Dann tut er nichts und wird kritisiert – siehe Tunesien, Ägypten, Bahrain. Dann entschließt er sich trotz des hohen politischen Risikos für eine Intervention in Libyen – und erfährt ebenfalls nur Kritik, Hohn und Spott. Und die journalistischen Klugschwätzer aus der Bimbesrepublik Täuschland könnten sich wieder viel Arbeit sparen wenn sie nur ihr Mantra wiederholen würden: egal was passiert, die Amis sind schuld! Das ist übrigens nur wenig intelligenter als die Vorgangsweise der Arabischen Liga, die sich jetzt wundert, dass Bomben und Raketen beim Einschlag auch Schaden anrichten. Krieg führen: ja, aber bitte nicht so laut. Glücklicherweise weiss auch die Islamische Welt, wer im Zweifelsfall immer schuld ist: nämlich die anderen!

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