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Die Wahrheit des Wortes

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Wofür stand Winnenden?

11. März 2011

Nachdem in dieser Woche schon über einen traurigen Jahrestag berichtet wurde, gilt dies auch für den heutigen Tag, denn genau vor zwei Jahren ereignete sich der schreckliche Amoklauf von Winnenden. Damals noch waren die Menschen schockiert, zu tiefst betroffen von dieser grausamen Bluttat, mittlerweile ist die Tat schon bei vielen Menschen in Vergessenheit geraten, was zeigt, wie man in unserer heutigen Zeit wirklich mit so etwas umgeht. Noch viel erschreckender, als dieser Fakt, ist allerdings, dass sich seitdem an den Ursachen solcher Taten nichts verändert hat, schlimmer noch, diese Ursachen werden täglich weiter forciert, so dass man wohl eher von einem glücklichen Zufall sprechen muss, dass sich in den letzten zwei Jahren in Deutschland nichts wirklich Vergleichbares wiederholt hat. Man hatte auch damals versucht die Schuld bei der Waffenlobby oder den Herstellern von so genannten Ballerspielen zu suchen aber diese Ablenkungsmanöver ist man nun leider auch schon gewöhnt und es ist traurig, dass sie zum Teil noch immer funktionieren. Es gilt noch immer der Fakt, dass nicht Waffen töten, sondern Menschen.

Was bedeutet schon Ethik und Moral?
In einer Gesellschaft in der man ständig vorgelebt bekommt, dass es wesentlich Wichtigeres als ethische und moralische Regeln gibt. In einer Zeit in der Profitgier und Gewinnmaximierung über allem anderen steht und selbst die Bundesregierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrer Ministerin für Arbeit und Soziales Ursula von der Leyen (CDU) den vom Ex-Kanzler und Genossen der Bosse Gerhard Schröder (SPD) eingeführten Kahlschlag des Sozialstaates in radikalisierter Form fortsetzen, sollen Menschen noch Halt finden? Das ist wohl kaum möglich, wie immer mehr psychosomatische Erkrankungen und ähnliches auch belegen. Ein Amoklauf, wie der von Winnenden, ist ein lauter Aufschrei, der einer Gesellschaft zeigen sollte, dass sie auf dem falschen Weg ist aber es gilt auch die kleinen Zeichen zu realisieren, die jeder in seinem Umfeld kennt. Der Druck der in der heutigen Zeit gerade auch durch die Arbeit im Kontext der Entlohnung entsteht, macht immer mehr Menschen unzufrieden bis hin zu krank. Wer hier noch von Einzelfällen spricht, die nicht Schritt halten können, lügt einfach nur. Die Taktung ist die falsche und das ist ein weiteres großes Problem unserer heutigen Gesellschaft.

Die Medien zeigen einem jeden Tag, wie man sein Leben zu gestalten hat und dies basiert natürlich vor allem auf Konsum, denn sollte dieser abreißen, würde sich der aktuelle Kollaps des Systems noch viel schneller vollziehen. Konsum benötigt aber natürlich finanzielle Mittel und diese bezieht man eben über Arbeit und bei einem immer mehr durch Leiharbeit und ähnlichen Faktoren aus dem Ruder laufendem Lohnniveau, wird es eben immer schwieriger mit den vermeintlichen Anforderungen dieser Gesellschaft mitzuhalten. Alkohol und andere Drogen gehören immer mehr zum Alltag vieler Menschen, um diese Spiel auch nur irgendwie zu meistern, auch dies spricht natürlich nicht im Ansatz für eine intakte Gesellschaft. Wichtige Grundwerte, wie zum Beispiel der Familienzusammenhalt, werden Attributen wie Flexibilität am Arbeitsmarkt geopfert und anstatt über eine nachhaltige Familienpolitik zu diskutieren, diskutiert man im politischen Berlin lieber darüber, wie viele Euros denn eine warme Mahlzeit für Kinder sozialschwacher Familien in der Schule kosten darf. Es geht schon gar nicht mehr darum, dass man den Ansatz hätte, Eltern könnten sich persönlich um ihren Nachwuchs kümmern, auch hier scheint das Leitmotiv Outsourcing zu sein.

Was ist die Rolle der Kirchen?
Spricht man von sozialen Problemen in Deutschland ist man auch immer ganz schnell beim Thema Migrationshintergrund und Islam, auch hier kommt der zweite Schritt ganz offensichtlich vor dem ersten. Denn bevor man sich in der Tiefe um andere Religionen kümmert, als das, trotz Missbrauchsskandalen, einem schweigenden Papst Benedikt XVI. und merkwürdig, heimlich angesparten Vermögen so hochgelobte Christentum, verurteilt man diese lieber erst einmal. Außerdem hat es den Anschein, als öffnen die Kirchen ihr Pforten besonders weit, wenn es einmal wieder zu einer Tragödie, wie dieser, die sich nun zum zweiten Mal jährt, kommt aber nachhaltige Antworten auf die tiefen gesellschaftlichen Probleme die dahinter stecken, hat man entweder nicht oder man möchte sie nicht kommunizieren. Es gäbe ausreichend Möglichkeiten für die Kirchen in breiter Front Gesellschaftskritik zu üben aber man hat wohl das Problem, aus gutem Grund, nicht den ersten Stein zu werfen. Mit genau diesem Verhalten schwächen sich die Kirchen natürlich immer weiter selbst und desto mehr auch auf diesem Wege das Christentum in Deutschland geschwächt wird, desto mehr Nährboden finden natürlich auch andere Religionen, wie zum Beispiel der Islam. Daran wird man auch nichts ändern, in dem man ihn immer wieder mit Terrorismus in Verbindung bringt.

Auch hier lenkt man am Ende des Tages einfach nur von eigenen Schwächen ab, wie es die Politik auch gerne im Kontext von Amokläufen tut, wenn es um Schützenvereine oder Computerspiele geht. Der Terror, der in Deutschland jeden Tag von der Wirtschaft ausgeht, dürfte wesentlich massiver sein und auch mehr Opfer fordern, als es die Form des Terrorismus tut, den man auch immer wieder mit dem Islam verknüpft. Man mag gar nicht wissen, wie viele Menschen sich das Leben nehmen, weil sie mit den Spielregeln des sich alltäglich ausweitenden globalisierten Raubtierkapitalismus nicht mehr klar kommen. Ähnlich dürfte es sich auch im Bereich der so genannten Beziehungstaten darstellen und auch hier erfährt die breite Öffentlichkeit meist kaum die Hintergründe im Detail. Es ist wichtig, dass man auch in Deutschland versteht, dass eine Spaltung und Zersetzung der Gesellschaft zwar im besten Fall zu einer kurzfristig verbesserten Marktsituation führen wird aber langfristig zu schwersten Problemen in ganz andern Bereichen führen wird. Diese Zusammenhänge im Ganzen zu erkennen, wird immer wichtiger, um Schlimmeres zu verhindern. Die schrecklich Bluttat von Winnenden, das jährlich Gedenken an die Opfer und auch ein gezielterer Blick auf den Täter sollten dafür sorgen, dass man sich in der Politik aber auch bei den Kirchen, endlich einmal für einen nachhaltigen, positiven Systemwechsel einsetzt.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Wirtschaft

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