fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Woche mit Weltgeschichte-Potenzial

31. März 2009

Nun ist der Termin da: am 02. April 2009 findet in London der G20-Gipfel statt. Systemwechsel und globale Rettung vor dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft ist seitens der Zivilgesellschaft gefordert. Die beteiligten Staaten verfolgen jedoch unterschiedliche Interessen. Mehr in die Pflicht genommen werden soll die EU seitens der USA, doch man scheint hier neue Fronten zu schaffen. Paris-Berlin präsentiert sich als “Achse der Besonnenen und Mahner” gegenüber London-New York, die “Achse der Finanzwirtschaft”. Auch die Euphorie gegenüber Barack Obama scheint zu schwinden, denn er ruft zur Pflichterfüllung seitens der EU auf.

Kritische Zivilgesellschaft. In den letzten Wochen hat die Österreich-Redaktion zahlreiche Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen geführt. Arbeiter waren dabei, aber auch Angestellte und Akademiker. Manche von ihnen meinten, sie wollen von Krise nichts hören, es mache ihnen Angst. Andere zeigten sich von der planerischen Seite. Da werden Lebensmittel eingelagert und man bereitet sich auf Schlimmeres vor. Einer der Gesprächspartner eröffnete fairschreiben eine ganz eigene Version der Krise: “Der Zusammenbruch kommt erst mit Ende März. Dann werden renommierte Unternehmen pleite sein. Dann wird es erst richtig losgehen, und wir werden es alle spüren.” Heute liest man in der Presse von einer Liste mit 283 Unternehmen, die vor der Pleite stehen – es ist Ende März 2009.

Vor der Pleite stehen folgende Unternehmen: GM, Chrysler, Ford, Hawker Beechcraft, Sportartikelproduzent Quiksilver, Reader´s Digest, AMD (Chiphersteller), Freescale (Chips für die Autoindustrie, früher Halbleiterlieferant für Motorola), MGM Mirage (Kasinobetreiber), Kodak, Chiquita Brands und Dole Food, AirTran, Jetblue, US Airways, AMR – die letzten sind Fluglinien.

Streit statt Kompromiss. Gleichzeitig wird in österreichischen Medien offen darüber berichtet, dass man mit Ende des Jahres in Österreich rund 500 000 Arbeitslose haben wird. Und man zweifelt an der Wirksamkeit des G20-Gipfels in London. Dazu wird der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy zitiert, der konkrete Ergebnisse für den Finanzmarkt will. Notfalls würde er den Gipfel verlassen und Streit wäre besser als ein fauler Kompromiss. Das klingt radikal und könnte durchaus die Fronten verhärten. Wir erinnern, wir haben vor einiger Zeit darüber geschrieben dass eine Verschiebung der globalen Interessen hin zu den nationalen beim G20-Gipfel zu erwarten sein wird. Ist das schon ihre Ankündigung? Und wir wollen seitens der Österreich-Redaktion politisch dazu eine Meinung abgeben, die wir als unsere moralische Verantwortung sehen. Wenn jemand der “Achse London-New York” mit einem Verbündeten die “Stirn bieten” will, dann machen wir darauf aufmerksam, dass man mit dem Feuer spielt. Hier wird polarisiert und auch seitens der USA wurde in den letzten Wochen immer wieder versucht ein marodes Bild der EU zu erzeugen. Man würde zuwenig gegen die Krise tun, man müsse jetzt zusammen halten, man habe eine gemeinsame Aufgabe, Osteuropa sei nicht gut fürs EU-Kreditgeschäft,….. Keiner der Medienpartner, die wir im Zuge dieser Meldungen lasen, wies darauf hin, dass hier gar Meinung gebildet wird, um Unfrieden in die Eurozone zu bringen. Überspitzt formuliert könnte man damit “Zündeln für einen möglichen Krieg” sehen, denn wenn jemand droht, vom G20-Gipfel aufzustehen und diesen zu verlassen und den Streit vorzieht, statt das Gespräch zu suchen, dann ist das Zündeln. Und nichts anderes. Genauso wie die USA zündeln und die EU aus der Reserve locken: Guantanamo-Häftlinge aufnehmen, mehr tun gegen die Krise, mehr Geld hinein pumpen, genauso wie es die USA gerne sehen würden.

ATTAC Demo in Wien. Am Wochenende fand in Wien die Demonstration “Wir zahlen nicht für eure Krise” der ATTAC statt. Rund 20 000 Teilnehmer zogen durch die Mariahilferstraße unter größten Sicherheitsvorkehrungen der Polizei. fairschreiben war vor Ort und meint, dass die kolportierten 6000 Demonstranten weit untertrieben waren. Wohl eher mögen die Angaben der Veranstalter stimmen. Wir sprachen auch mit teilnehmenden Demonstranten, die jedoch die “Krise noch nicht spüren”. Solidarität ließ diese teilnehmen. Wie sehr ist also die Krise hausgemacht und wird erst transportiert – durch Medien und Zurückhaltung jener, welche die Wirtschaft bis jetzt am Laufen hielten, nämlich der Banken? Und kann man mit Geldflüssen zu den Banken diesen Motor wieder zum Laufen bringen? Globalisierungsgegner meinen, es müsse zu einem völlig neuen Wirtschaftssystem kommen. Und die zeitweise Einführung von Regionalwährungen würden zumindest regionale Wirtschaftskreisläufe am Laufen halten. Auf den G20-Gipfel und seine Ergebnisse zu hoffen, halten zumindest die Kritiker für verlorene Liebesmüh.

AMW

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu