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Die Wahrheit des Wortes

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Wirklich nichts gelernt

22. Juni 2011

Es kam angeblich ziemlich überraschend, das Ende des Nationalspielers Michael Ballack. Das Aus sollte noch vor seinem 100. Länderspiel kommen und so brach, unter anderem auch aus diesem Grund, eine große Diskussion los, in der es vor allem um Stilfragen ging. Dabei übersieht man aber scheinbar ganz andere, sehr wichtige Fragen, die nicht nur den Profifußball betreffen. Man sollte sich eigentlich die Frage stellen, warum die Diskussion ausgerechnet jetzt stattfindet und die Antwort scheint eine ganz einfache zu sein. Es ist die kurze fußballlose Zeit zwischen der Auslosung der 1. Runde des DFB-Pokals 2011 / 2012 und dem Auftakt zur Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland am Wochenende. Von daher liegt die Vermutung nahe, dass man für diese Nachricht schon einen bestimmten Termin gewählt hat, denn auch im Fußball redet man schon lange von einem festen Bereich der Wirtschaft und hier ist Werbung alles. Genau hier ist man bei einem großen Grundproblem, der Sport rückt immer mehr in den Hintergrund, es geht um Einschaltquoten, um Werbegelder und die persönlichen, wie vor allem auch die gesellschaftlichen Belange werden immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Hier muss man, gerade auch im Fußball, ganz klar die Frage nach der Heuchelei stellen, wenn man sich diese Trennungsgeschichte in all ihren Facetten im Kontext einer gewissen Vorbildfunktion, die diese Sport haben soll, betrachtet. Außerdem fragt man sich natürlich, ob der Selbstmord von Robert Enke schon vergessen ist.

Sollte sich nicht alles ändern?
Auch die Protagonisten des aktuellen Schauspiels um die Nationalmannschaft von Joachim Löw bis Michael Ballack zeigten sich im November 2009 schwer schockiert, als sich ihr Kollege Robert Enke mit nur 32 Jahren vor einen Zug warf und seinem Leben so ein Ende setzte. Es ging um Depressionen, um Leistungsdruck aber vor allem auch darum, was in diesem Sport falsch läuft, dass so etwas passieren kann ohne das es die Kollegen mitbekommen. Man erinnert sich noch gut daran, was sich alles im Umfeld des DFB verändern sollte. Nun hat man einen Nationalspieler dessen Karriere, vor allem auch verletzungsbedingt, in letzter Zeit sicherlich nicht so verlief, wie er es sich selbst vorgestellt hatte und damit geriet er in die Klauen einer Gesellschaft in der eben nur noch Leistung zählt. Damit ist man dann wieder bei der Vorbildfunktion dieses Sports. Was sagt den Menschen, die Fußball mit Leidenschaft Woche für Woche verfolgen, so etwas, wie der Rauswurf von Michael Ballack? Es zeigt ihnen, dass man nur einen Platz ganz oben verdient hat, wenn man permanent den Ansprüchen der Leistungsgesellschaft gerecht wird, kann man dies nicht, und hier spielen die Gründe, wie das aktuelle Beispiel gezeigt hat, keine Rolle, ist man ganz schnell ausgemustert und dies im Notfall auch kurz vor dem 100. Länderspieleinsatz. Man erkennt schnell, dass leider auch der tragische Tod von Robert Enke an dieser Situation nichts verändert hat.

Fußball ist in den letzten Jahrzehnten immer mehr zu einer Ware geworden, zu etwas, was vor allem rentabel sein muss. Längst werden die Arena nicht mehr nach Menschen benannt, die Großes für die Vereine geleistet haben, sondern nach den Konzernen, die das Geld geben, um immer höhere Gehälter und Ablösesummen zu bezahlen. Was die Fans wollen, ist mehr als zweitrangig geworden, was man sehr schön an den endlosen Diskussionen über Spieltermine in den Topligen sieht. Hier geht es längst schon nicht mehr um die Fans, um die, die diesen Sport so groß gemacht haben, sondern um die Einschaltquoten und Vermarktungsmöglichkeiten von TV-Sendern. Es geht aber noch weiter, denn auch in diesem Bereich des Sports ist schon längst die Globalisierung angekommen und da Europa im klassischen Sinn schon weitgehend abgegrast zu sein scheint, leistet man fußballerische Entwicklungshilfe in Ländern, wie zum Beispiel Kasachstan und Aserbaidschan und lässt diese dann natürlich auch im großen europäischen Fußballzirkus, wie bei der Qualifikation zur Euro 2012 in Polen und der Ukraine antreten. Neue Märkte scheinen auch hier das Stichwort zu sein. Man reißt dem Fußball so natürlich mehr und mehr das Herz heraus aber dies spielt in einer rein auf völlige Gewinnmaximierung ausgerichteten Welt eben keinerlei Rolle mehr, so lange nur der Rubel rollt. Man sieht auch auf diesem Gebiet hat der völlige Ausverkauf, der meist vor dem völligen Bankrott kommt, schon längst begonnen.

Methadon des Fußballs?
Ähnlich scheint es sich auch mit dem Frauenfußball zu verhalten, man hat hier oft genug das Gefühl, dass es kaum um die Sache geht, sondern viel mehr um die finanziellen Belange im Hintergrund. Mit aller Macht wird hier etwas etabliert oder zu mindestens der Versuch unternommen, noch mehr Fußball zu bieten. Bestes Beispiel ist die nun anstehende Frauenfußballweltmeister schafft. Schaut man sich an mit welcher geballten wirtschaftlichen Macht hier agiert wird, was wohl kaum in einem Verhältnis zu den Interessierten steht, sieht man, dass hier einfach auch ein neuer Markt geschaffen werden soll und dies scheinbar um jeden Preis. 2011 ist ein Jahr in dem es eigentlich kein großes Turnier geben würde, denn im letzten Jahr stand die WM in Südafrika auf dem Plan und die nächste EM gibt es, wie bereits gesagt, erst im nächsten Jahr. Nun scheint man aber für diese sonst so fußballleere Zeit so etwas, wie ein Ersatzdroge entwickeln zu wollen, man könnte fast sagen, dass die anstehende WM der Frauen so etwas, wie das Methadon der Fußballwelt darstellt. Es geht hier nicht darum Frauenfußball schlecht zu machen oder um die grundsätzlichen Diskussionen, die es zu diesem Bereich des Sports gibt, es geht einfach um die Frage, wie hier vorgegangen wird. Warum muss man jetzt auch hier beginnen werbewirksame Stars und Sternchen zu schaffen, dies hat wohl kaum etwas mit den Menschen zu tun, die einfach diese Sportart lieben, es geht wohl auch hier wieder nur um noch mehr Gewinnmaximierung und wenn man bei der Begrifflichkeit bleibt, dass Fußball eine Droge ist, ist der DFB wirklich einer der Topdealer.

In einer Gesellschaft in der sich immer mehr der Verantwortung entzogen wird, was man nicht nur im Bereich der Politik und der Wirtschaft feststellen kann, sondern auch von den Kirchen bis zu den Gewerkschaften, ist es umso schlimmer, wenn man mehr und mehr feststellen muss, dass es auch im Bereich des Sports und hier vor allem in der Volkssportart, die die meisten Menschen im Land fasziniert, auch nur noch ums Geld geht und die Menschlichkeit verloren geht. Hier schließt sich der Kreis nun wieder zum Rauswurf von Michael Ballack, denn auch hier zeigt sich in gewisser Weise, wie sehr sich die Umgangsformen in diesem Sport verändert haben. Hier geht es hart zur Sache aber eben nicht nur auf dem Platz, sondern weit davon entfernt und dies kann kein gutes Vorbild für eine Gesellschaft sein, die so oder so im Moment an Fakten, wie zum Beispiel steigender Armut, immer mehr zerbricht. Wenn man schon dem Geld so hinterherläuft, wie es beim DFB den Anschein erweckt, sollte man vielleicht auch so fair sein und es den Fans, die mit immer weiter steigenden Ticketpreisen auch sehr viel mitfinanzieren, klar und deutlich zeigen und vielleicht gleich die DFB AG gründen, dann wäre jedem auch in der Außendarstellung gleich klar, wo der Hase langläuft. Natürlich würde man so vielen Fans vor den Kopf stoßen aber bei den heutigen Entwicklungen sind Fans scheinbar so oder so oft genug nur noch eine reine Einnahmequelle und dies spiegelt in gewisser Weise sehr gut den Weg wider, auf dem sich diese Gesellschaft ganz allgemein befindet.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Politik · Sport · Wirtschaft

Bis jetzt 6 Kommentare ↓

  • 1 Der BALLacker » Der etwas andere Kick // 25. Jun 2011 at 07:33

    [...] nicht die Massen bewegt, wie es in der 1. Bundesliga der Herren der Fall ist oder wenn die Jungs von Joachim Löw antreten. Gerade auch diese WM 2011 ist ein guter Beweis dafür, dass man auch alles dafür [...]

  • 2 Der BALLacker » Frankfurt – Tritte am Main // 1. Jul 2011 at 08:08

    [...] ist die erste Woche der Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland schon fast abgelaufen und die Spielerinnen von Silvia Neid haben [...]

  • 3 Der BALLacker » Überzeugungsarbeit // 5. Sep 2011 at 05:21

    [...] war es vor allem auch endlich einmal eine wirklich überzeugende Leistung der Mannen unter Joachim Löw. Gut aussehende Ergebnis gab es in der Qualifikation immer wieder aber oft fehlte etwas. Man muss [...]

  • 4 Der BALLacker » Der Spieltag der Trainer // 26. Sep 2011 at 04:50

    [...] was wieder zu großen Diskussion in der Fußballwelt führte. Was von all dem Gequatsche zu halten ist, weiß man seit dem Selbstmord von Robert Enke vor gut zwei Jahren, denn all [...]

  • 5 Der BALLacker » Dutt vs. Ballack // 30. Jan 2012 at 09:58

    [...] Dutt, führt zu immer mehr Unmut. Da kommt aus Sicht des Vereins der plötzliche Stress mit Michael Ballack perfekt zum Ablenken. Fakt sollte aber bleiben, dass hier nicht der Capitano das Hauptproblem ist. [...]

  • 6 Der BALLacker » Ein Klassiker zum Auftakt // 29. Feb 2012 at 09:03

    [...] denn dann geht es zum ersten wirklichen Test und alle Ausreden haben keine Bedeutung mehr. Die LÖWenherzen haben die Möglichkeit ein erstes, so wichtiges Zeichen im Jahr der großen Erwartungen zu [...]

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