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Die Wahrheit des Wortes

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Wieder ein Super-GAU?

14. März 2011

Ende letzter Woche war es wieder soweit und ein Seebeben der Stärke 8,9 auf der nach oben offenen Richterskala sorgte für eine nie da gewesen Katastrophe in Japan. Bislang sprach man, wenn man vom Erdbebenhorror in Japan sprach, vom Hanshin-Erdbeben aus dem Jahr 1995, welches gerade auch die Großstadt Kobe traf. Dies ist seit Freitag traurige Geschichte, denn im Meer vor Sendai ereignete sich eines dieser scheinbar immer stärker werdenden Beben und löste neben einem Mega-Erdbeben auch einen unvorstellbaren Tsunami mit bis zu zehn Metern hohen Wellen aus. Auch zum Beginn dieser Woche ist es noch viel zu früh die Schäden und Opfer auch nur im Ansatz zu beziffern, wobei diese Katastrophe sogar auch Auswirkungen auf die Atompolitik, weit über die Grenzen Japans hinaus hat und sich jeder fragen sollte, was dies für die Menschheit ganz allgemein bedeutet, denn der Super-GAU von Tschernobyl jährt sich in diesem Jahr zum 25. Mal und scheinbar hat die Menschheit nicht wirklich viel daraus gelernt, denn ähnliche Probleme sind auch durch dieses Beben erneut entstanden. Auffällig ist natürlich auch, dass man mit Beben doch immer häufiger sehr nahe an die 9, auf der nach oben offenen Richterskala kommt und dies ist in verschiedensten Kontexten mehr als beunruhigend.

Völliger Surrealismus
So zynisch es klingen mag, muss man einräumen, dass es auf der einen Seite ein großes Glück war, dass dieses Katastrophe ein so hoch zivilisiertes Land, wie Japan getroffen hat. Ein Land in dem man auch sehr gut auf Erdbeben vorbreitet ist, allerdings scheinen die größer werdenden Stärken der Beben auch hier zu einem Problem zu führen. Was sich hier am Freitag letzter Woche abspielte, ist durchaus als surreal zu bezeichnen. Die Bilder, die man aus Japan sah, erinnerten an ein Kriegsgebiet. Die Bilder der Flutwelle, die selbst riesige Schiffe wie Spielzeuge in der Badewanne wirken ließ, konnte man kaum fassen. Man spricht hier von Naturgewalten, die man sich wohl kaum vorstellen kann und eigentlich auch niemals erleben will. Genau diese Kräfte, die hier walten, haben natürlich fatale Folgen, so kann es noch immer zu einem Super-GAU kommen, da es akute Probleme mit der Kühlung in den Atomkraftwerken (AKW) Fukushima 1 und 2 gibt. Ein Vierteljahrhundert nach Tschernobyl, tut man zum Teil aber fast so, als würde man hier von einem kleinen industriellen Unfall sprechen und dies ist, wie Tschernobyl gezeigt hat, ein Kardinalfehler. Ständig wachsende Krebserkrankungen, die kaum einer wirklich erklären kann oder will, könnte man auch auf genau solche Katastrophen verbuchen. Es ist auch unfassbar, wie die Medien zum Teil über diese Katastrophe berichten.

Auch hier kann man durchaus von einem gewissen Surrealismus sprechen, denn die Folgen solcher Katastrophen, werden immer schlimmer und in den Medien wird es oftmals heruntergespielt. Entweder trifft es Gebiete auf dieser Erde, wie zuletzt noch Haiti, die zu den Armenhäusern dieser Welt zählen und auf so etwas gar nicht vorbereitet sind und man dann unvorstellbare Opferzahlen hat oder aber man spricht von Ländern, wie Japan, die finanziell und damit natürlich auch infrastrukturell und technisch ganz anders aufgestellt sind, was aber eben zu den genannten anderen Problemen, wie die mit den AKWs, führt. Es hat den Anschein, dass sich diese Welt gerade auch im Kontext von Naturkatastrophen verändert und es kaum anständige Lösungsansätze der angeblich so lösungsorientierten, globalisierten, raubtierkapitalistischen Welt gibt. Was hier in Japan zerstört wurde, ist auch wieder einfach nur als surreal zu deklarieren. Völlig abgesehen von dem unvorstellbaren Leid, welches diese Katastrophe in unzählige Familien brachte, kann man es auch finanziell kaum fassen. Die Opferzahlen, wie auch die Zahlen im Bereich der Wirtschaft werden auch in den nächsten Tagen immer weiter ansteigen und die weltweiten Folgen dieser Katastrophe kann man im Moment wohl kaum auch nur im Ansatz erkennen.

Wie die Wirtschaft trauert
Mit Spannung konnte man schon von Freitag an die internationalen Folgen beobachten. Da gilt es natürlich die Finanzwelt und hier im speziellen die Rückversicherer zu benennen, denen die Tränen in die Augen schossen, da auf sie nun Milliarden zu kommen. Eine Trauer die man nicht unbedingt teilen muss, denn, so unverständlich es scheinbar auch für einige Vertreter der Versicherungsbranche ist, gehören Schäden hier zum unternehmerischen Risiko. Das man so etwas nicht haben möchte, da es sich doch außerordentlich negativ auf die Rentabilität auswirkt, ist natürlich klar aber nur Beiträge einzunehmen und Gewinne abzugreifen, kann nicht das Hauptziel dieser Branche sein oder man legt es darauf an, sich völlig unglaubwürdig zu machen. Man muss auch berücksichtigen, solche Schäden werden letztendlich an den Endverbraucher weitergegeben, denn nach solchen Katastrophen, kann man durchaus von Beitragserhöhungen ausgeben, die am Ende des Tages vom Kunden bezahlt werden, da es die Preise erhöht. So sieht der Wirtschaftszynismus unserer Zeit aus und auch dieser ist durch aus als völlig surreal einzustufen und sollte nicht im Ansatz für Trauer sorgen, denn, wie gesagt, wir reden über ein unternehmerisches Risiko, welches gerade auch in Japan klar kalkulierbar war, denn hier verschieben sich ständig vier tektonische Platten und auch dies ist kein Geheimnis.

Außer der Wirtschaft wird hier aber natürlich auch die Politik auf den Plan gerufen und dies nicht nur in Japan. Denn gerade die angesprochenen Probleme mit den AKWs führen auch in Deutschland zu einer Diskussion über die Sicherheit der AKWs. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), der gerade erst seinen Offenbarungseid im Kontext der Einführung des E10-Kraftstoffes geleistet hatte, brilliert auch hier wieder auf seine ganz eigene Art. So sprach er wieder das Thema an, dass Atompolitik nur noch einen Brückentechnologie sei. Wie spätestens seit der Laufzeitverlängerung für deutsche AKWs durch die Bundesregierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) jeder begriffen haben dürfte, reden wir hier von einer Brücke in die Unendlichkeit. Man sieht auch hier wieder sehr schön, natürlich weit über die Grenzen Deutschlands hinaus, was wirklich noch zählt und da sind Menschenleben, scheinbar im Ranking nicht ganz so hoch, denn die Schäden an der Infrastruktur sind wesentlich teuerer und da Finanzen alles sind, wird deutlich, wie hier die Gewichtung ist. Diese Katastrophe, die man im Moment in Japan erlebt, sollte weltweit für jeden der nicht völlig suizidal veranlagt ist, ein Grund sein auf die Strasse zu gehen, denn es geht um Menschenleben, was ein wenig untergeht. Man sieht, dass die Sicherheit der Bürger und Wähler, auch hier in Deutschland, scheinbar erst nach den Interessen der Wirtschaft kommt und dies ist natürlich die falsche Reihenfolge.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 3 Kommentare ↓

  • 1 Mann-im-Mond // 14. Mrz 2011 at 13:48

    An sich ist die ganze Entwicklung an Ironie kaum zu übertreffen.

    Da gesteht man erst vor wenigen Monaten der Atomlobby längere Laufzeiten zu und lässt die Bundesländer außen vor. Jetzt werden die Bundesländer zum Atomgipfel gerufen, da sie ja für die Sicherheit der jeweiligen Atommeiler zuständig sind.

    Da kauft ein Ministerpräsident Mappus ohne Beteiligung des Parlaments die Mehrheitsanteile an EnBW und macht sich somit selbst zum Betreiber der Kernkraftwerke. Jetzt muss er Rede und Antwort stehen, warum gerade die alten Meiler noch am Netz sind.

    Absurder kann Politik wahrlich nicht mehr sein…

  • 2 taten // 20. Mrz 2011 at 22:11

    supergau japan….ideenschmiede ? lösungsansätze ? taten ? —-wo? —-webseite wo?—-viele meinungen auswerten und weiterleiten…..wer?——anfang: mit internationaler hilfe einen hohen wall aus beton und blei um die kraftwerke legen.dieses becken dann mit wasser fluten. .durch umleiten eines flusses …….weitermachen!—weiterleiten

  • 3 nextstopjupiter // 27. Mrz 2011 at 00:40

    Ich hätte gern mal gewusst was an einem GAU (Grösster Anzunehmender Unfall) so super sein soll, leider ist die Qualität dieses ansonsten wichtigen Artikels durch diesen Sprach-GAU gemindert.

Schreib was dazu