fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Wie weit ist Deutschland von Griechenland entfernt?

12. Mai 2010

Um die in der Überschrift gestellte Frage direkt zu beantworten, laut einem große Routenplaner im Internet, beträgt die Distanz zwischen der Redaktion hier in Köln und der griechischen Hauptstadt Athen exakt 2.612,21 Kilometer und ist in etwas mehr als 30 Stunden zu überwinden. Dieser Plan gilt für die Fahrt mit dem Auto, da bei der momentanen Vulkanlage von Eyjafjallajökull und vielleicht bald schon der Katla Flüge nun einmal etwas schwerer zu planen sind. Das Positive ist, dass Deutschland wohl weit mehr als 30 Stunden von einer wirtschaftlichen Lage, wie der in Griechenland, entfernt ist aber in diesem Artikel soll es natürlich schon etwas genauer eingegrenzt werden und da hilft neben der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), jetzt auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) fleißig mit. Man kann in diesen Tagen mit Spannung verfolgen, wie aus weitentfernten Zusagen, Kreditbürgschaften und ähnlichem immer konkretere Belastungen für den deutschen Steuerzahler erwachsen.

Die Banken haben den Anfang gemacht
Jeder dürfte sich noch gut daran erinnern, wie damals, zu Beginn der noch immer tobenden Weltwirtschaftskrise, die Bankenwelt gerettet werden musste. Es hieß auch damals, dass es eigentlich eher um `gefühltes´ Geld, als um reale Belastungen für den Steuerzahler gehen würde, ganz überraschend, so versuchte man es zu mindestens häufig in einem Großteil der etablierten Medien zu verkaufen, wurde es dann doch ganz reelles Steuergeld und eine Bank, wie zum Beispiel die Hypo Real Estate (HRE), ist bis zum heutigen Tag nicht einmal im Ansatz über den Berg. Man wollte so schwere Auswirkungen auf die Realwirtschaft vermeiden, wenn man sich nun die anstehenden Steuermindereinnahmen der letzten Steuerschätzung ansieht oder sich einmal in der Tiefe mit den Arbeitslosenzahlen auseinandersetzt, ist dieser Plan scheinbar auch nicht wirklich aufgegangen. Gerade bei den Arbeitslosenzahlen gilt es zu berücksichtigen, dass diese vor allem auch deshalb noch immer nicht drastisch angestiegen sind, da der Staat große Massen an Arbeitnehmern im Moment mit Kurzarbeitergeld versorgt und so aus der Statistik fernhält.

Nun war all dies, wie man mittlerweile weiß, nur der zarte Anfang einer Entwicklung die noch viel weitreichendere Folgen haben sollte. Denn nach dem Zocker nun mit dem Sektor der Finanzwelt einen ganzen Bereich der Wirtschaft angegriffen hatten und sehen konnten, dass man gegen die Zockerei einfach mit Milliarden an Steuergeldern vorging aber keinerlei nachhaltigen Gesetze gegen so etwas verfasste, suchte man sich offensichtlich neue `Arbeitsfelder` und versuchte sich als nächstes an ganzen Volkswirtschaften. Man sieht hier deutlich, was es für Folgen hatte, dass die Politik nur monetär reagierte aber auf gesetzgebender Seite bis zum heutigen Tage, wie gelähmt wirkte und wirkt. Man kann scheinbar sogar soweit gehen und vermuten, dass der erste Angriff auf den Bankensektor nur ein Versuchsballon war, der übrigens im Verhältnis zu dem was nun geschieht noch wirklich preiswert war. Denn auch nach den ersten Angriffen auf ganze Volkswirtschaften in der Europäischen Union (EU) verhielten sich die Staaten nach dem gleichen Muster und schossen wieder Milliarden Euros, für die der Steuerzahler bürgt, in die Märkte, anstatt auch nur im Ansatz gegen die Verantwortlichen vorzugehen. Der Steuerzahler sollte sich immer vor Augen halten, dass der Euro gerettet werden soll, kostet es was es wolle. Eine sehr klare Ansage an jeden Bürger der EU.

Jetzt gibt es wohl auch hier bald weitere soziale Einschnitte
Spätestens an dieser Stelle gab es für die Spekulationshaie, die großen Protagonisten des Raubtierkapitalismus, kein Halten mehr und sie versuchten sich direkt einmal an der europäischen Währungsunion im Ganzen. Laut Medienberichten reden wir in den USA von einem Spieleinsatz und mehr scheint es für manchen einen Spekulanten schon lange nicht mehr zu sein, von 3 Billionen Dollar täglich. Dem setzte Europa nun erst einmal weitere 750 Milliarden Euro entgegen, was vor allem die Aktienmärkte und hier im speziellen die Banken-und Versicherungstitel beflügelte, der Euro selbst war nach einer kleinen Delle nach oben bald schon wieder fast auf dem Niveau vor dem Hilfsangebot zurück. Schön das die Staatengemeinschaft einmal wieder mit Steuergeldern für ein Kursfeuerwerk im Finanzsektor gesorgt haben, da dürfte sich manch einer schon wieder große Bonifikationen gesichert haben. Aber man hört auch immer wieder überall, es geht bei alldem nicht um tatsächliches Geld der Bundesbürger, sondern um den Schutz der Währung, wie Kanzlerin Merkel(CDU) immer wieder wiederholt. Erstaunlich nur, dass die Kanzlerin, als sie verkünden musste, dass es mindesten bis 2013 zu keiner steuerlichen Entlastung für die Bürger kommen würde, auch die Staatsgarantien als Grund ansprach. Dies wirft die Frage auf, ob Frau Merkel (CDU) sich eigentlich noch selber traut.

Der hessischen Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der in letzter Zeit auch immer wieder als nächster Finanzminister gehandelt wurde, geht sogar noch einen Schritt weiter und fragt ganz offen, ob man nicht Projekte, wie zum Beispiel die staatliche Betreuungspflicht für unter Dreijährige, welche so oder so als schwer umsetzbar einzustufen ist, ganz auf die Streichliste setzen sollte. Wenn man nun all diesen Gedankenspielen folgt und sich die heutige Situation von den Schäden, die der Winter in vielen Strassen hinterließ, bis hin zur Schließung kultureller Einrichtungen vor Augen hält, sieht man, dass sich Deutschland mit riesigen Schritten auf griechische Verhältnisse zu bewegt. Desto größer diese Schritte natürlich in Zukunft noch werden und manchmal hat man das Gefühl, dass die deutsche Politik sehr wohl über die zukünftige Schrittlänge im Bilde ist, desto schneller überbrückt man natürlich auch die Distanzen zu Griechenland und den dortigen Verhältnissen. Von Freitag bis Montag hat sich allein der Betrag für den der deutsche Steuerzahler im Notfall haften muss, schon wieder vom zweistelligen Milliardenbereich, in den dreistelligen Milliardenbereich verabschiedet. Eine kaum vorstellbare Dimension. Hält man sich dann noch vor Augen, dass es jetzt schon wieder Stimmen gibt, die meinen, dass auch die gerade in Brüssel diskutierten 750 Milliarden Euro nicht ausreichen könnten, kann einem schon einmal Angst und Bange werden.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Europa · Kultur · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu