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Die Wahrheit des Wortes

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Wie viele Millionen Euros bekommt Walter Reinarz von der KVB?

9. März 2010

Natürlich ist das Ende der Skandalreihe im Kontext des Kölner U-Bahn-Baus wahrscheinlich noch lange nicht erreicht und es ist damit zu rechnen, dass noch vieles ans Tageslicht kommen wird. Dies wird wahrscheinlich nicht nur die Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB) betreffen aber natürlich muss man hier wohl schon von einer gewissen Hauptlast sprechen, immerhin sprechen wir hier auch von dem Bauherrn. Dies soll bedeuten, selbst wenn es nicht zu einer juristischen Schuldsprechung gegen die KVB kommt, bleibt die moralische Schuld und in Person ist ein gewisser Teil dieser Schuld scheinbar auch beim Technischen Vorstand der KVB Walter Reinarz zu suchen. Letztendlich forderten viele Menschen schon unmittelbar nachdem Einsturz des Kölner Stadtarchivs, vor fast genau einem Jahr, den Rücktritt von Reinarz. Bei genauerer Betrachtung der jüngsten Vergangenheit wird einem klar, dass Reinarz schon einen skandalumwitterten Rücktritt hinter sich hat.

Das besondere Gespür der KVB
Das man ein besonderes Gespür für vieles bei der KVB hat, zeigte sich auch letzte Woche zum Jahrestag des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs. Auch an diesem traurigen Tag konnte man auf vielen Werbelaufbänder die Werbung für den Tag des Archivs im Straßenbahnmuseum der KVB in Köln sehen, der am Wochenende im Stadtteil Thielenbruch zelebriert wurde. Genau ein Jahr nachdem zwei junge Menschen ihr Leben verloren hatten und Kulturgüter von unschätzbaren Wert zerstört bzw. schwer beschädigt wurden, wirkt so etwas auf viele doch sehr zynisch. Wenn man schon einmal beim Zynismus ist, kann man auch behaupten, dass es wohl kaum einem aufgefallen sein dürfte, dass am ersten Jahrestag des Einsturzes  die Bahnen und auch Busse der KVB von 13.58 Uhr an für zwei Minuten stillstanden, denn auch so etwas passiert bei der KVB schon häufiger und wenn man auf den Anzeigen den ganzen Tag Werbung für die genannte Ausstellung macht aber nicht auf den Jahrestag der Katastrophe hinweist, kann man so etwas auch schon einmal für eine normale Störung halten. Wer nun meint, dass man so etwas nicht mehr überbieten kann, wurde am späten Montagabend eines besseren belehrt.

Gestern gegen 12 Uhr trat der Aufsichtsrat der KVB zusammen, um unter anderem auch über die Zukunft des Technik-Vorstandes Walter Reinarz zu reden. Nach stundenlangen Diskussionen, die bis tief in die Abendstunden gingen, teilte der Sprecher des Aufsichtsrats Wilfried Kuckelkorn in nur zehn Minuten sinngemäß mit, dass er eigentlich nichts sagen dürfte, da es sich um eine geheime Sitzung handeln würde. Es drang nur nach außen, dass ein Rauswurf Reinarzs aus aktienrechtlichen Gründen nicht möglich sei, außer man weise ihm eine persönliche Schuld nach, was man bei dem hier vorliegenden Geflecht aus Politik und Wirtschaft wohl für so gut wie ausgeschlossen halten darf. Womit wir natürlich gerade auch im Fall Köln bzw. im Fall von Walter Reinarz noch einmal von etwas ganz besonderem sprechen. Reinarz hatte schon im Jahr 2008 so seine Probleme als Chef der CDU in Köln. Damals ging es um Pensionsansprüche von Hunderttausenden Euros, was ihn dann wohl auch seinen Job bei der CDU kostete. Diese Pensionsansprüche könnten auch jetzt wieder ein großes Thema werden, denn offensichtlich gibt es keine andere Möglichkeit Walter Reinarz los zu werden, als mit ihm einen Aufhebungsvertrag auszuhandeln. Hier sprach man beim WDR am Montag von einer Summe von bis zu 3 Millionen Euro, die dieser Vertrag kosten könnte.

Es war einmal Moral
Es ist aber auch ein Zeichen unserer Zeit, dass solche Menschen nicht gehen, sondern auch da noch versuchen ihren guten Schnitt zu machen. Verantwortungsbewusstsein oder aber Moral sucht man hier scheinbar völlig vergebens. Das genau ein solches Verhalten den Zorn in der Gesellschaft auf solche Menschen sehr, sehr groß werden lässt, dürfte selbstverständlich sein. Auf der anderen Seite wundert einen hier in Köln wohl gar nichts mehr. Reinarz verglich auch schon die explodierenden Kosten des Kölner U-Bahn-Baus mit Bauarbeiten in seinem Badezimmer. Hier ist nicht bekannt, wie hoch die Kosten für sein Badezimmer waren aber bei der U-Bahn sprechen die Medien nun schon von Kosten die über 1 Milliarde Euro liegen könnten. All diese Vorfälle scheinen weder Walter Reinarz auch nur im Ansatz über eine Rücktritt nachdenken zu lassen, noch ist scheinbar der Aufsichtsrat in der Lage sich ohne eine Millionenzahlung von einem solchen Menschen zu trennen. Nebenbei scheint auch der Streit zwischen der KVB und dem am Bau maßgeblich beteiligten Baugiganten Bilfinger Berger zu eskalieren. Hierbei geht es in der Hauptsache um 19 illegal gebohrte Brunnen aber auch noch immer um den fehlenden Stahl, wobei hier eine Bandbreite von einem Prozent bis hin zu 83 Prozent möglich zu seien scheint.

Während all den Schuldverschiebereien und Verhandlungen über Millionen Euros bleiben die Leidtragenden der Katastrophe, also die Angehörigen der Toten und die Anwohner der Baustellen, etwas auf der Strecke. Hierbei reden wir nicht nur von den direkt geschädigten Personen an der Severinstraße, sondern auch von den Anwohner am Heumarkt oder anderen Baustellen der KVB, denn Risse in Wänden gibt es an vielen Stellen in Köln. Genau dies zeigt aber auch, wie es in diesem System in Deutschland läuft und da ist Köln nur ein Beispiel. Ein Herr Reinarz verhandelt nun wohl über den Millionenbetrag für den er bereit wäre zu gehen, während einige Kilometer weiter in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf, die dortige SPD-Chefin Hannelore Kraft (SPD) verkündet, dass sie dafür ist, dass auch kranke Hartz-IV-Empfänger zum Beispiel für Jobs wie Straßenreinigung eingesetzt werden könnten. Nur am Rande sei erwähnt, was dies für die Jobs bzw. das Lohnniveau in dieser Branche bedeuten würde. Bei solchen Fakten, ist es eigentlich nur erstaunlich, wie ruhig es in diesem Land im Moment noch ist. In anderen Teilen Europas, wie zum Beispiel in Ungarn oder auch in Griechenland, sieht es da schon anders aus und man kann den Protagonisten hier in Deutschland nur den Tipp geben, den Bogen nicht zu überspannen.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Technik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Andrea Bondi // 9. Mrz 2010 at 11:55

    Ganz offensichtlich muss der Bogen wirklich überspannt werden, um die Leidensfähigkeit der zahlenden Massen bis zum Letzten auszureizen. Von alleine werden Herrschaften wie ein Herr Reinarz und Konsorten sich ganz sicher nicht ihrer Verantwortung stellen, geschweige denn moralische Gedankenansätze auch nur im entferntesten in Erwägung zu ziehen.
    Wir müssen uns endlich aus der Opferrolle entlassen und Verantwortung übernehmen. Solange wir uns immer mehr Katastrophen gefallen lassen und ertragen und dieser herrschenden Klasse nicht ihre Grenzen aufzeigen, wird sich nichts bewegen. Es ist Zeit für eine Renaissance der Résistance!

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