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Die Wahrheit des Wortes

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Wie viele Katholiken hat Gott wohl schon verlassen?

1. März 2010

Letzte Woche fand in Freiburg die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) unter dem Vorsitz von Erzbischof Robert Zollitsch statt. Dieses Treffen an sich stand allerdings die ganze Woche nicht wirklich im Mittelpunkt der Schlagzeilen. Es war wohl eher die Missbrauchsdiskussion um die katholische Kirche in Deutschland, die die Schlagzeilen bestimmte. Wenn man sich die Berichte und Fakten anschaut, stellt man sich die Frage, wie viele Katholiken Gott wohl schon verlassen hat, denn das hier gezeigte Verhalten lässt sich wohl kaum als christlich einstufen und dies bezieht sich nicht nur auf die direkten Täter. Es ist richtig, dass es ein paar wenige Rücktritte gab aber die angekündigte lückenlose Aufklärung, die in sich noch nichts über Strafen aussagt, darf mit Spannung abgewartet werden. Man scheint sich von Seiten der katholischen Kirche wohl sehr nah an den juristischen bzw. politischen Fakten zu halten, laut denen das meiste wohl schon verjährt ist. Ethik und Moral sucht man hier oftmals vergeblich und diese sollten wohl kaum verjähren.

Die Zwickmühle der Kirchen
Jetzt muss man einräumen, dass die letzte Woche natürlich gezeigt hat, dass nicht nur die katholische Kirche ein Problem hat. Der Rücktritt von Margot Käßmann nach einer Trunkenheitsfahrt durch die Innenstadt von Hannover, die bis letzte Woche noch Vorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war, hat deutlich gemacht, wie breitgefächert die Probleme sind. Wobei man nun mit Sicherheit nicht den Fehler begehen sollte und diese Probleme in einen direkten Zusammenhang stellen sollte. Es macht viel mehr die Zwickmühle in der die Kirchen stecken sehr deutlich. Setzte man mit Käßmann auf eine weltoffene, geschiedene, sehr interessante Persönlichkeit, die der evangelischen Kirche sehr gut tat und damit wohl dem Christentum im Land im gesamten half, scheint man mit eher konservativen und im alten Denken verhafteten Geistlichen, wie Erzbischof Zollitsch, bei den Katholiken einen auch nicht so guten Kurs gewählt zu haben. Aber wie die letzten Wochen gezeigt haben, haben beide so ihre Probleme in der heutigen Welt. Man fragt sich welcher Weg nun wohl der bessere ist und könnte natürlich so auch die ganze Institution Kirche in Frage stellen.

Das Leben ist nun einmal etwas sehr realistisches und im Kontext von Käßmann hörte man auch immer wieder viel vom Menschlichen, was bis zu einem gewissen Grad auch sehr gut ist, allerdings sollte dieser auch nicht mit 1,54 Promille, wie es der Bluttest von Käßmann aufwies nachdem sie in der niedersächsischen Landeshauptstadt eine rote Ampel überfahren hatte, überschritten werden und hier kommt nun ein weiterer großer Unterschied. Käßmann war so konsequent, wie man sie auch immer schon kannte, und trat von ihren Ämtern zurück. Dieses Zeichen von Stärke, und das ist es letztendlich, schafft Glaubwürdigkeit und genau das ist es was die Kirche braucht und genau das ist es auch, was man auf Seiten der katholischen Kirche, gerade auch in dieser Zeit, so sehr vermisst. Die Gesellschaft befindet sich in Deutschland, wie natürlich auch in Europa und weiten Teilen der Welt, im Wandel und ein solches Verhalten, wie es die katholische Kirche im Kontext ihrer Missbrauchsfälle an den Tag legt, könnte irgendwann auch einmal ihren Untergang bedeuten.

Manche Dinge kann man nicht vergeben
Wenn man manch einen Vertreter der katholischen Kirche in diesen Tagen hört, wie um Vergebung gebeten wird, hat man das Gefühl es ginge um den Diebstahl einiger Brötchen oder ähnliches und man fragt sich unweigerlich, ob diesen Menschen klar ist, dass ihre Glaubensbrüder Leben zerstört haben und die wehrlosesten dieser Welt einfach so missbraucht haben. Wahrscheinlich vertritt man dort auch noch die Meinung, dass diese Menschen, die so etwas nicht vergeben können, auch keine guten Christen sind. Sollte dem so sein, muss man sich fragen, wo der Wert ist Christ zu sein. Viele der Opfer haben sich mittlerweile klar geäußert und wollen zu mindestens mit der katholischen Kirche nichts mehr zu tun haben und dies ist wohl mehr als nachvollziehbar. Aber auch die Katholiken, die nicht zu Opfern wurden, sollten sich natürlich überlegen, ob sie Nachts noch ruhig schlafen können, bei der Gewissheit, was sich in ihrer Glaubensgemeinschaft abgespielt hat. Über diesen Satz kommt man auch direkt zu einer weiteren spannenden Frage und zwar der, inwieweit es überhaupt korrekt ist hier in der Vergangenheitsform zu schreiben, denn wer kann schon mit Sicherheit sagen, dass es nicht auch in der Gegenwart ähnliche Fälle gibt.

Die Gesellschaft will unabhängige Antworten denen man trauen kann und diese würden dann auch beweisen, dass die heutigen Aussagen der katholischen Kirche mehr als pure Heuchelei sind. Heuchelei, Lügen und ähnliches kennt man zur Genüge aus der Wirtschaft und der Politik, da ist es mehr als verständlich, dass die Menschen zu mindestens in ihrer Glaubensgemeinschaft frei davon sein wollen. Aber um noch einmal auf das Treffen in Freiburg vom Anfang dieses Artikels zurückzukommen, zeigt sich, dass die katholische Kirche auch hier wieder eine völlig andere Position vertritt, denn man hat einen Bischof als Missbrauchsbeauftragten bestellt. Dies bedeutet auch weiterhin wird sich die katholische Kirche abschotten und munter selber kontrollieren. Genau dies hat allerdings, wie der aktuelle Skandal zeigt, nicht funktioniert und man darf durchaus davon ausgehen, dass es auch in Zukunft nicht funktionieren wird. Diese Entwicklungen sind alle etwa so erschreckend, wie das Schweigen aus Rom, denn wirklich viel zu diesem Missbrauchsskandal hört man gerade auch von Papst Benedikt XVI. nicht, dabei stammt er immerhin aus Deutschland. `Wir sind Papst` hieß es vor gar nicht langer Zeit noch, diesen Ausspruch sollte man sich in den heutigen Tagen wohl noch einmal ganz genau überlegen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Kultur

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Manfred Vogl // 1. Mrz 2010 at 18:23

    Schon alleine die Aussage “Ich entschuldige mich” ist unchristlich!
    Wer nicht – weil er weiß, daß er aus sich heraus keinen Anspruch auf Schuldbefreiung hat – um Ent-Schuldigung bittet, dem kann nicht vergeben werden. Deswegen brauchen die Katholen auch eine Miterlöserin (Maria) und so viele Heilige usw.
    Daß die Lutheraner, Ex-Lutheraner eigentlich, die Geneinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre ausgerechnet am Reformationstag unterschrieben haben, zeigt auf, daß es mit ihnen auch nicht mehr weit her ist, sondern daß sie es weit gebracht haben – heim ins Reich der Kirchgäng(l)er.
    http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%A4ngelband

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