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Die Wahrheit des Wortes

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Wie sichert man sich vor der Krise

18. Dezember 2008

Jetzt ist es offensichtlich. All jene, die zwischen den Zeilen zu lesen vermögen, erkennen, das ist heute keine Krise mehr. Nein, wir stehen direkt vor dem Abgrund. Da äußert sich ein Bundeskanzler Feymann darüber, ob er als Politiker Sicherheiten geben kann. Seine Antwort sinngemäß: Sicherheiten gibt es erst, wenn die Wirtschaft wieder wächst. Darf man das als politisches Zugeständnis verstehen, dass selbst jene “Beamten” in Wien nicht mehr wissen, was sie tun? Dem folgte eine Runde von Managern der Automobil-Branche in der  ORF-Sendung “im ZENTRUM” am vergangenen Sonntag. Fazit: Auch die sind sich der Fakten nur wenig bewusst. Da fordert man Finanzhilfen und Maßnahmen seitens des Staates. Konkrete Vorschläge gibt es keine. Vielleicht weil auch diese hochbezahlten Manager – übrigens alles Männer in der Runde mit Ausnahme der Moderatorin Ingrid Thurnher – bereits ihre Grenzen erreicht haben.

Neue Lösungen und Strategien sind gefordert. Manch ein Politiker bezeichnet das als “Innovation”. Doch worum geht es im Grunde? Ist nicht die Sicherung der Grundbedürfnisse – zur Erinnerung an Maslow das ist Wohnen, Essen, Schlafen – und die Garantie eines erfüllten Sicherheitsbedürfnisses  die Grundlage einer demokratischen Gesellschaft? Oder anders ausgedrückt: sind die körperlichen Bedürfnisse gesichert, beginnen wir uns um geistige und seelische Bedürfnisse zu kümmern. Kann es also sein, dass wir jetzt angesichts der prekären wirtschaftlichen Gesamtsituation ein paar Stufen tiefer steigen dürfen. Diese paar Stufen tiefer, um die körperlichen Bedürfnisse zu garantieren?

Im Szenario gedacht kann das bedeuten, dass unsere mitteleuropäische Wohlstandsgesellschaft jegliches Bedürfnis nach Bildung und Selbstverwirklichung in den nächsten Monaten über den Haufen werfen wird, wenn die körperlichen Grundbedürfnisse nicht gesichert sind. Motto: Wenn ich nicht weiß, ob etwas auf dem Teller ist, dann ist mir Bildung auf gut österreichisch gesagt “wurst”. Denken wir doch an die Dreißiger Jahre zurück. Bildung und Akademisches war nichts mehr Wert. Schaufel und Krampen anpacken hieß es um die Leute vom Demonstrieren weg zu bekommen. Das war wichtig. Und liest man die Parteiprogramme  der österreichischen Großparteien, findet sich dort nur wenig Bewusstsein für den Hausverstand: Hat der Mensch keine Arbeit, dann gehts dem Rechtsstaat an den Kragen. Was passieren kann, hat Argentinien 2001 gezeigt. Und vor einer drohenden Deflation wird ebenfalls seit Wochen gewarnt. Vor allem, wenn Inflation durch Deflation – zB. Arbeitslosigkeit, Preisverfall von Grundnahrungsmitteln etc. – ausgelöst wird.

Arbeit ist also ein Fundament der Demokratie. Und damit ist die Arbeit für den Mittelstand gemeint. Nicht für jene, die sich im Fall des Falles schnell mal nach Dubai vertschüssen können – haben sich die Leserinnen und Leser hier übrigens schon mal gefragt, warum dort von Krise nichts zu bemerken ist? Der Mittelstand trägt die Gesellschaft, nicht die Oberen Zehntausend. Und damit sind auch die vielen kleinen Selbständigen gemeint, und nicht die großen Konzerne. Doch wer fordert Finanzhilfe? Der Große fordert es. Übrigens deren Managerposten wackeln nicht. Im Management wird niemals eingespart. Glücklich sind jene, die das früh genug erkannt haben und ihren Kindern die Managerlaufbahn aufzwangen: gesicherter Job, was immer auch passiert! Also die Großen sollen das Geld bekommen, der Mittelstand geht auf Kurzarbeit oder gar in Frühpension – wie der 43-jährige Servicetechniker von der Telekom, der letzte Woche im Büro der Redakteurin das neue Modem installierte. Fakt ist: Aus ist es ab dem Frühjahr 2009 und Tausende werden auf der Straße stehen. Das AMS rechnet mit guten 42 000 Arbeitslosen mehr ab kommendem Jahr.

Ein Gedankenexperiment wurde in öffentlichen Diskussionen noch nicht angedacht. Das des Grundeinkommens. Anstatt die Finanzspritzen in die Großkonzerne zu pumpen, könnte man das Geld zur Sicherung eines bedingungslosen Grundeinkommens verwenden. Dieses ergibt sich aus der Tatsache, dass wir in einer Zeit leben, in der ausnahmslos JEDER von Arbeitslosigkeit bedroht ist, egal ob Akademiker oder Ungelernter. Wir dürfen uns darauf einstellen, dass während unseres Arbeitslebens Zeiten von “ohne Arbeit sein”  auf uns zukommen. Und derzeit steuern wir in eine derartige Situation hinein, die einen großen Teil der Bevölkerung betreffen wird. Ist jedoch Arbeit gesichert und noch dazu Arbeit, die dem Einzelnen Sinn macht, schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Man sichert die Grundbedürfnisse mittels Sinngebung. Denn Burnout und “Ich will nicht mehr Haltung” sind im Vormarsch in allen Branchen. Die Sinnhaftigkeit der Arbeit ist vielen verloren gegangen. Und wenn beides verloren geht, dann Gute Nacht.

Sichern wir also ein Grundeinkommen – und dafür hat die Politik zu sorgen -, dann kann der Konsum des Mittelstandes aufrecht erhalten werden. Natürlich ändert sich damit das Konsumverhalten auf im Alltag Notwendiges und weg vom Luxus, doch die Wirtschaftsbereiche rund um körperliche Bedürfnisse sind vorerst einmal abgesichert. Ist dies der Fall, wird der Mittelstand wieder zur geistig seelischen Bedürfnissicherung greifen und gleichzeitig auch die restliche Wirtschaft ankurbeln. Warum wird so etwas nicht diskutiert? Vielleicht weil das den Oberen Zehntausend nicht passt und sie auf ihrem Luxus sitzen bleiben?

Rechnen wir also zusammen: das Grundeinkommen sichert die Wirtschaft auf im Alltag Notwendiges. Arbeitsplätze, die damit gesichert werden sind Arbeitsplätze, bei denen ihr Sinn direkt erfahrbar und erlebbar ist. Arbeit macht Sinn und ist vorhanden, das Grundeinkommen kurbelt die Wirtschaft an und schafft damit neue Arbeit. Wieder Arbeit im Sinn stiftenden Bereich. Großkonzerne können sich daran beteiligen, indem nicht bisherige Renditen eingestreift werden (solange der Konzern noch “gesund” ist), sondern indem sie am unternehmerischen Mittelstand anteilig partizipieren. Mikrokredite von Großen an die Kleinen zeigen schon den Weg. Und diese Form der Finanzierung wird für Europa attraktiv, weil nämlich die Pfandleihgeschäfte in den letzten Jahren rasant zunahmen, ebenso wie die Privatkonkurse und die Insolvenzen kleiner Unternehmen.

Denken wir also über den Tellerrand hinaus und haben wir Mut zum Bekenntnis, sämtliche derzeitigen Lösungsstrategien einmal zu verlassen. Denn diese Zeit benötigt ein Anpacken der Krise mit Herz und Verstand.

AMW

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 der-reporter // 11. Jan 2009 at 19:06

    Wie am besten Geld in Sicherheit bringen? Ganz einfach: OLDTIMER! Garage statt Depot. Oldtimer sind längst kein Luxusspielzeug mehr. Sogar Fondsmanager entdecken das Thema. Das Interesse an alten Autos wächst stetig. Einige Modelle sind in den vergangenen Jahren bis zu 50 Prozent im Wert gestiegen. Unerfahrene Neueinsteiger sollten sich jedoch bei einem Profi informieren, damit sie nicht Schrott investieren.

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