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Die Wahrheit des Wortes

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Wie satt ist diese Gesellschaft?

17. Juni 2011

Fukushima, Libyen, EHEC, viele Dinge zeichnen sich schon in der ersten Jahreshälfte 2011 ab, die eigentlich für Angst und Schrecken sorgen sollten aber scheinbar ist dem nicht so. Zu mindestens gibt es einen Unterschied zur Vergangenheit, wie man in der heutigen Zeit mit solchen Fakten umgeht. Wo sind die Intellektuellen die Front machen? Wo sind die großen Protestbewegungen, die sich gegen all diese unfassbaren Entwicklungen stellen? Man sucht all dies scheinbar vergebens, also muss man sich natürlich fragen, wie sich die Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Dies ist natürlich eine Frage, die sich letztendlich von Generation zu Generation stellt aber dies darf natürlich kein Grund sein, sie nicht trotzdem immer wieder zu stellen. Fakt ist, dass man den Eindruck gewinnen kann, dass die Gesellschaft, gerade auch in Deutschland, völlig satt ist, abgefüttert auf allen Ebenen und in so etwas, wie ein großes Fresskoma verfallen. Diese Lethargie nutzt dann natürlich all denen, die solch betäubte Massen schamlos ausnutzen wollen, um ihre Ziele zu erreichen. An dieser Stelle muss sich dann jeder selbst fragen, ob er eigentlich gerne ein Teil dieser Masse ist.

Protestsongs
Nehmen wir den Super-GAU im japanischen Atomkraftwerk (AKW) von Fukushima. Es ist erschreckend, wie schnell das Interesse und vor allem auch die Berichterstattung darüber wieder vorbei war. Die dadurch geschaffene Energiewende, die nun so viele loben, darf durchaus auch erst einmal kritisch beäugt werden und man darf abwarten, wie nachhaltig sie wirklich ist und ob nicht doch wieder die Energiewirtschaft am Ende des Tages die Nase vorn hat und der Umweltschutz weit abgeschlagen hinterherläuft, wie es in all den letzten Jahrzehnten auch der Fall war. Es ist gerade einmal 25 Jahre her, dass die letzte dieser Katastrophen die Welt in Atem hielt. Damals gab es zu mindestens neben großen Protesten auch noch so etwas, wie Protestsongs, damals noch unter Federführung von Wolf Maahn. So etwas sucht man in der heutigen Zeit vergebens, was auch nicht wirklich überraschend ist, schaut man sich die durch die Musikindustrie gesteuerten Formate, wie zum Beispiel Deutschland sucht den Superstar (DSDS) oder ähnliche an. Hier, wo scheinbar Sternchen am Fließband geklont werden, ist so etwas wie Protest natürlich nicht erwünscht. Nun mag man natürlich sagen, dass es auch in der heutigen Generation von Musikern auch noch so etwas wie Protest geben mag aber dann muss man auch sagen, dass dieser Protest doch auch direkt politisch in einer sehr fraglichen Form daher kommt und es auch hier an Nachhaltigkeit mangelt.

Spricht man in der heutigen Zeit von Protestsongs, denkt man vor allem zum Beispiel an Pink und ihren Einsatz gegen George W. Bush. Letztendlich wurde dieser Song aber vor allem auch dazu genutzt, Barack Obama zur Macht zu verhelfen. Entweder es war so gewollt oder man hätte sich ausführlich in den Medien dagegen äußern können. Nun ist Obama an der Macht und die Kriege gehen weiter, genauso wie die Wirtschaft am Boden liegt. Ein guter Zeitpunkt für Menschen, wie zum Beispiel Pink oder auch Bono Vox von U2, die sich auch so stark für Obama gemacht haben, zu beweisen, dass es ihnen wirklich um die Sache geht und nicht nur um PR und Verkaufszahlen. Was ist mit der Antikriegsbewegung? So etwas scheint mit den Protesten gegen den Golfkrieg ausgestorben zu sein. Natürlich kann man einen Grund darin sehen, dass es angeblich so gut wie keine Kriege mehr gibt. Die Schlachten am Hindukusch werden eher als bewaffneter Konflikt deklariert, als dass man von Krieg sprechen mag und die Bomben die auf Libyen fallen, sind auch nur zum Schutz der Bevölkerung gedacht. Da fragt man sich, warum sich die Massen entweder so einfach täuschen lassen oder warum sie nicht dagegen protestieren, wenn sie begriffen haben, was hier wirklich läuft.

Von den Kirchen bis zu den Gewerkschaften
Nun ist es nicht zwingend hinderlich, wenn Protest eine gewisse Struktur hat und hier sieht es in diesen Tagen auch ganz schlecht aus. Da diese Gesellschaft zu einem sehr großen Teil scheinbar nur noch von Egoismus geprägt ist und jeder nur versucht seinen eigenen Schnitt zu machen, findet man auch kaum noch so etwas, wie Solidarität, als einen wichtigen Grundpfeiler in einer erfolgreichen Protestbewegung. Früher übernahmen solche Aufgaben auch gerne die Kirchen und die Gewerkschaften, wobei auch hier das letzte große Beispiel mit den Protesten in der DDR, die im Fall der Mauer gipfelten, gut 20 Jahre zurückliegt. Heute ist man lieber schwammig und hält sich alles offen oder man arbeitet an seiner eigenen Karriere und will dies auch nur nicht durch irgendwelche Auffälligkeiten in Gefahr bringen. Die Atomkraftgegner und andere Umweltaktivsten bekommen kleinste Brocken hingeschmissen, die dann durch die etablierten Massenmedien oftmals noch als große Würfe propagiert werden und schon zeigt man sich auf Seiten der Protestler glücklich und zufrieden und meint das Maximum erreicht zu haben. In diesem Kontext gilt es sich zu überlegen, wie die Antiatomproteste noch kurz nachdem Super-GAU in Japan aussahen und was man jetzt in diesem Kontext noch erlebt. Geändert hat sich, dass man nun eine Energiewende hat, die ihre Nachhaltigkeit, wie bereits erwähnt, noch lange nicht unter Beweis gestellt und einen Weg der vor allem die Kohle wieder hoffähig machen soll. Da kann man nicht wirklich von einem Erfolg für die Umwelt sprechen.

Natürlich kommen an diesen Stellen schnell die Argumente auf, dass die Zeit immer schnelllebiger und stressiger geworden ist, was auch alles soweit richtig ist aber die andere Seite hat sich auch verändert und so gibt es in dieser Zeit auch ganz andere Möglichkeiten des Protestes, die es vor Jahren und Jahrzehnten noch gar nicht gegeben hat. Jammern wäre an dieser Stelle also völlig unangebracht. Womit man beim Thema Jammern direkt bei einem weiteren spannenden Bereich wäre, denn auch dieses ständige Gejammer an Stammtischen und ähnlichen zeigt paradoxerweise doch nur, wie satt diese Gesellschaft ist. Würde es den Menschen wirklich schlecht gehen, hätten sie ein ernsthaftes Problem mit den Zuständen in diesem Land, mit dem Weg der Wirtschaft oder dem was täglich im politischen Berlin gemacht wird, würden sie nicht irgendwo bei einem Bier darüber klagen, wie darüber wenn der Lieblingsverein verliert, sondern versuchen diese Zustände wirklich zu verändern. So lange dies aber nicht im großen Stil geschieht, wirkt diese ganze Jammerei auch immer etwas unglaubwürdig, denn noch hat man in der Bundesrepublik Deutschland genug legale Möglichkeiten seinem Unmut Luft zu machen, unterlässt man dies und unternimmt nichts dagegen, außer, wie gesagt beim Feierabendbier ein paar jammernde Kommentare abzulassen, sollte man eigentlich auch dies unterlassen, denn so schlimm kann es dann natürlich nicht sein. In diesem Sinne sollten die Menschen darüber nachdenken, wo sie stehen und wo sie in Zukunft stehen möchte und sich dann auch bitte dementsprechend verhalten.

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Umwelt · Wirtschaft

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