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Die Wahrheit des Wortes

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Wie fair sind Managergehälter?

14. Juli 2011

Man konnte in den letzten Tagen im Blätterwald wieder deutlich wahrnehmen, die Managergehälter in Deutschland bewegen sich wieder auf einem erneuten Höhenflug. Laut einer DSW-Studie ist die Rede von einer rund 20 Prozent-Erhöhung bei den Manager der im DAX vertretenen Unternehmen. Dies sind Steigerungen über die sich ein Arbeitnehmer bzw. Angestellter niemals Gedanken machen braucht, denn schon Erhöhungen im niedrigen einstelligen Bereich werden von denen, die hier im Schnitt ein Fünftel ihres Verdienstes noch on top bekommen, oftmals schon als nicht realisierbar angesehen. Dies ist natürlich bei den gerade angesprochenen Zuwachsraten auf der anderen seit sehr merkwürdig. Stellt man nun die Frage nach Gerechtigkeit, kommt gleich auch schon das Totschlagargument überhaupt in diesem Kontext und zwar die Verantwortung der Herren, um die es hier geht. Nun erkennt man auch in diesen Tagen, unter anderem auch an stetig ansteigender Armut, wie es um die Weltwirtschaft und damit natürlich auch um die Wirtschaft in Deutschland tatsächlich bestellt ist und dies lässt die These eines verantwortungslosen Handelns in der Wirtschaft durchaus zu. Folgt man dieser These, kann man solche Gehaltsvergütungen wohl kaum erklären. Was sie allerdings durchaus erklären, ist die Tatsache, warum der Rest oftmals nur mit Tariferhöhungen versehen wird, die im besten Fall gerade einmal die Inflationsrate auffangen.

Leichen im Keller?
Manager deutscher DAX-Konzerne werden gerne hochgelobt, es stellt sich nur oft genug die Frage, wofür sie dieses Lob eigentlich bekommen. Antworten auf solche Fragen gibt es natürlich auch immer wieder im politischen Berlin, was nicht wirklich überrascht, feierte doch zum Beispiel der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, schon mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) seinen Geburtstag im Kanzleramt, wen wundert dann noch Lob von dieser Seite. Dem gegenüber stehen natürlich auch immer wieder ganz andere Fakten, wie zum Beispiel der Steuerhinterziehungsskandal des ehemaligen Postchefs Klaus Zumwinkel oder auch die vielen offenen Fragen in Bezug auf Topmanager, wie zum Beispiel Thomas Middelhoff. Folgt man einer gewissen Wahrscheinlichkeit, kommt die Frage auf, wie viele der hochgelobten Herren, welche Leichen im Keller liegen haben. Dies ist natürlich pauschaliert aber mit Pauschalierungen hat man auf anderen Ebenen, wie zum Beispiel bei Hartz-IV-Empfängern auch keine Probleme. Allgemein ist das Thema Verantwortung natürlich auch noch ein sehr interessantes, welches man durchaus näher beleuchten sollte, denn neben einer gewissen kriminellen Energie, die scheinbar in der großen, weiten Welt der Wirtschaft vorhanden ist, gibt es auch im Bereich Verantwortung massive Defizite, wie es scheint.

Verantwortliches Handeln im Rahmen von ethischen und moralischen Grundsätze, die man in einer intakten Gesellschaft als Meßlatte angesetzt wissen will, ist etwas, was man natürlich auch besonders hoch vergüten sollte. Nur wo findet man so etwas in diesen Tagen noch? Auch deutsche Topmanager haben sich auf die Spielregeln des globalisierten Raubtierkapitalismus eingelassen und hier spielen die Grundregeln von Ethik und Moral gar keine Rolle mehr. Da bleibt die Frage offen, womit man tatsächlich unvorstellbare Gehälter, wie die hier besprochenen, rechtfertigen will. Verantwortung scheint in der heutigen Zeit zu bedeuten, dass man im Falle eines Fehlverhaltens, das Unternehmen mit noch mehr Geld wieder verlässt und woanders in der gleichen Art und Weise weitermacht. Eine Marschroute, die man sich in anderen Bereichen des Arbeitsmarktes wohl kaum vorstellen kann, da hier andere Regeln im Kontext von Fehlverhalten gelten. Wenn ein normaler Arbeitnehmer oder Angestellter durch Fehlverhalten das Unternehmen schädigt für welches er tätig ist, ist in den meisten Fällen die Entlassung die Folge, dies allerdings wohl kaum mit einer riesigen Abfindung und wohl auch nicht mit vergrößerten Chancen am Arbeitsmarkt. In vielen Fällen ist dies gar der Beginn eines Absturzes. Man sieht deutlich auch auf dieser Ebene ist es sehr schwer auch nur im Ansatz von Gerechtigkeit zu sprechen.

Darf es ein bisschen mehr sein?
Nun geht es in diesem Artikel aber vor allem um die Frage nach der Angemessenheit der Gehälter im Bereich des Topmanagements bzw. nach der Fairness der aktuellen Erhöhung die es dort gibt. Ein Manager eines DAX-Konzerns verdient im Jahr rund 4,5 Millionen Euro im Durchschnitt, was sich bei den fünf bestbezahlten Managern in Zahlen so liest: Martin Winterkorn (VW) 9,33 Millionen Euro, Josef Ackermann (Deutsche Bank) 8,99 Millionen Euro, Peter Löscher (Siemens) 8,98 Millionen Euro, Dieter Zetsche (Daimler) 8,82 Millionen Euro, Wolfgang Reitzle (Linde) 6,95 Millionen Euro. Nun erwähnt man an dieser Stelle immer wieder gerne das Ende der Weltwirtschaftskrise und wie gut auch gerade die deutsche Wirtschaft durch sie hindurch gekommen ist. Allerdings sollte man hier nicht unterschätzen, dass man von einer Wellenform der Krise ausgehen muss und deshalb, gerade auch im Kontext der bevorstehenden Pleite der USA und dem Untergang des Euros, wohl gerade auf das nächste Tief zu steuert. Außerdem, wenn man 20 Prozent mit dem guten Standing der deutschen Wirtschaft rechtfertigt, stellt sich die Frage, warum dies nicht auch für andere Einkommensbereiche gilt. Es geht hier um Summen, die sich außer ein paar passionierten Lottospielern wohl kaum jemand vorstellen kann und natürlich auch um prozentuale Zugewinne, die einfach undenkbar sind, wenn man sich die Masse der Menschen im Land ansieht, die von dieser Art der Konjunktur gar nichts haben. Dies erklärt auch warum all dies mit Gerechtigkeit ganz offensichtlich überhaupt nichts zu tun hat.

Wie gesagt, die Frage nach der Höhe der Bezüge von Topmanagern ist schon eine sehr spannende, gerade auch wenn man sich anschaut, wie hier zum Teil gearbeitet wird und was dies für den deutschen Arbeitsmarkt bedeutet. Noch spannender sind aber natürlich die 20 Prozent, denn die Krise hat natürlich auch die Armut in Deutschland weiter ansteigen lassen und auf diesem Gebiet sollten man berücksichtigen, dass Deutschland gerade erst von den Vereinten Nationen in diesem Zusammenhang gerügt wurde. Schon seit Jahren wird, natürlich auch im Rahmen der Globalisierung, auch das Lohnniveau in Deutschland kräftigst bearbeitet und genau dies führt natürlich auch mit dazu, dass die soziale Schere immer weiter aufgeht. Ein Plus von 20 Prozent wirkt da natürlich noch einmal, wie ein Turbo und dies kann in der heutigen Zeit nicht förderlich für den Frieden in der Gesellschaft sein. Natürlich ist hier auch ganz klar die Politik gefordert, denn wie diese Zahlen zeigen, gibt es Gebiete, wo es noch etwas zu holen gibt und bevor man die breite Masse der Bevölkerung immer mehr ausnimmt und dies auch noch Eigenverantwortung nennt, sollte man vielleicht, genau in diesem Sinne, auch mehr Eigenverantwortung von diesen Menschen verlangen, denn dies wäre nur gerecht und Gerechtigkeit ist etwas, was gerade auch im Bereich der Arbeitswelt immer mehr verloren geht. Hier muss man natürlich auch klar hinterfragen, ob nicht die Gewerkschaften auch schon seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten versagt haben und wie es zu diesem kollektiven Versagen in der Politik und bei den Gewerkschaften kommen konnte.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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