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Die Wahrheit des Wortes

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Wie die Politik den Fußball nutzen will

12. Oktober 2010

Heute spielt Deutschland gegen Kasachstan und man darf annehmen, dass es um Fußball gehen wird, wie es auch sein sollte. Beim letzten EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei war dies noch etwas anders, denn da versuchte man das Spiel massiv zu politisieren. Wer sich an die Diskussionen um Stuttgart 21 erinnert, weiß das nicht einfach alles politisiert werden darf, dies gilt aber scheinbar nicht für Fußballspiele. Allgemein versucht man natürlich immer wieder gerne erfolgreiche Menschen mit Migrationshintergrund, wie zum Beispiel Mesut Özil, Miroslav Klose oder auch Lukas `Poldi` Podolski als Normalität zu deklarieren und dies ist genauso falsch, wie die extremen Ausreißer auf der anderen Seite zu verallgemeinern. Denn, wenn man solche Versuche startet muss man natürlich auch mit den Antworten klar kommen, wie es sie am Wochenende in Berlin gab und auch das ist Realität. Deshalb sprach man nachdem Spiel wohl auch lieber über das Spielergebnis, als über die Buhrufe und Pfeifkonzerte gegen den Deutschtürken Mesut Özil, was wohl nicht im Interesse der Bundeskanzlerin gewesen sein dürfte.

Berlin Hauptstadt der Türkei?
In Berlin gab es ein Heimspiel für Deutschland in der Qualifikation zur Euro 2012 in Polen und der Ukraine, da es gegen die Türkei ging, war man sich nicht nur beim ZDF darüber einig, dass es ein Heimspiel für die Türkei gewesen sei, was ganz nebenbei die Vermutung zu lassen würde, dass Berlin die Hauptstadt der Türkei ist aber so ist es dann halt wohl in einer völlig globalisierten Welt. Aber zurück zur Realität, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan machten vor dem Länderspiel noch einmal deutlich, wie harmonisch das Verhältnis beider Länder doch sei und das es da keinerlei Schwierigkeiten geben würde. Im Spielverlauf selbst kamen dann doch einige Fragen in diesem Kontext auf. Positiv ist natürlich, dass es keine schweren Ausschreitungen gab, dass war es dann aber auch schon, denn jedes Mal wenn Mesut Özil am Ball war, ertönte im größten Teil des Stadions ein gellendes Pfeifkonzert gepaart mit unzähligen Buhrufen. So sieht man es scheinbar aus Sicht der türkischen Gemeinde in Deutschland, wenn Menschen mit Migrationshintergrund für die deutsche Nationalmannschaft spielen und man darf voraussetzen, dass der Großteil der türkischen Fans bei diesem Spiel ebenfalls einen Migrationshintergrund hatte.

Natürlich darf man diese Reaktionen auch nicht überwerten und sollte auch an dieser Stelle erwähnen, dass so etwas zum Fußball gehört, wie Currywurst und Bier aber die hohe Politik meinte sich dieses Spielfeld auszuwählen, also sollte man nun auch darüber reden, was natürlich aller Wahrscheinlichkeit nach wieder ausbleibt, was wiederum die Oberflächlichkeit des politischen Berlins deutlich macht und auch wieder ein Beweis für die polarisierende Ader von Erdogan ist. Die Politik in Europa, aber auch auf dem Rest der Welt, versucht immer mehr durch die Polarisierung der Massen Macht zu erlangen oder auszubauen und lässt dabei offensichtlich die negativen Seiten, die diese Art des Politikstils mit sich bringt, völlig links liegen. Ein Tanz auf dem Vulkan, denn auch an diesem Wochenende zeigte sich auf verschiedenen Demonstrationen, dass die Menschen nicht im Ansatz so dumm sind, wie die Regierungen sie scheinbar gerne hätten. Die Menschen verstehen von Stuttgart 21 bis zum Atommüllendlager Gorleben immer mehr, was sich in diesem Land tut. Auch das sich hier mit Unwahrheiten Wählerstimmen erschlichen werden, um später die gegenteilige Politik zu machen, um sich dann auf die Legitimation der Massen zu berufen, wird immer mehr Menschen klar.

Zufälle oder eiskalte Lügen?
Das der Sport, in diesem Fall speziell der Fußball, auch von der Politik genutzt werden soll, ist zum einen geschichtlich nichts wirklich Neues, zum anderen passt es aber auch zum raubtierkapitalistischen Systemwandel, der sich im Moment auch in Deutschland abspielt. Die Politik folgt auch hier einfach nur den Verhaltensmustern der Wirtschaft, nicht umsonst läuft gerade in Bochum der Prozess im Kontext des großen Fußballwettskandal. Auch eines dieser Leuchtfeuer, die klar und deutlich machen, dass es im Fußball aber auch in anderen Sportarten, wie zum Beispiel im Radsport, scheinbar schon lange nicht mehr in erster Linie um die sportlichen Aspekte geht, sondern die des Kapitals Überhand gewonnen haben. Natürlich ist es traurig mit anzusehen, wie, nachdem die Wirtschaft den Sports völlig eingenommen hat, nun auch ganz offensichtlich mehr und mehr eine Politisierung auf diesem Gebiet stattfindet aber es zeigt auch wieder die klaren Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Politik auf, die man aus anderen Lebensbereichen schon zu gut kennt. Natürlich kann man auch im Sport etwas gegen diese Fakten, die wie ein Zufall daher kommen, tun und mit Demonstrationen versuchen all diese Lügen aufzudecken und das auch im Fußball demonstriert werden kann, zeigte sich auch an diesem Wochenende.

Wie zu Beginn dieses Artikels erwähnt, gab es an diesem Wochenende einiges an Demonstrationen, so auch die gerade genannte Demo im Kontext zum Fußball und genau so sollte es noch viel häufiger sein. Noch sind die Fußballstadien meist nach Großkonzernen benannt aber man wäre nicht überrascht, irgendwann einmal die CDU-Arena oder das FDP- Stadion vorzufinden. Es ist allerdings genau diese Entwicklung, die das Leben, auch für den großen Teil der Fußballfans in Deutschland, etwas anders werden lassen. Deshalb wird sich wohl auch hier mehr und mehr eine Protestfront formieren, wie es schon in Gorleben und Stuttgart der Fall ist, denn die Menschen wollen im Sport keine großartigen wirtschaftlichen Einflüsse und schon gar keine politischen. Auch hier wird natürlich deutlich, wie sich auch in Deutschland mehr und mehr eine Gesamtheit des Protestes zusammenfindet und sich Luft macht. Dies ist eigentlich eine Entwicklung, die man auch im politischen Berlin mitbekommen haben sollte und auf diese weiterhin mit völliger Ignoranz, die sich scheinbar aus einer gewissen Arroganz gegenüber dem Volk heraus ergeben hat, welches den Politikern erst die Macht gab, zu reagieren, könnte ein wirklich folgenschwerer Fehler sein.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Sport · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Der BALLacker » Die Arroganz im fernen Kasachstan // 3. Apr 2014 at 14:19

    [...] beim öffentlich-rechtlichen Bezahlfernsehen die Pfiffe und Buhrufe gegen Mesut Özil im Türkeispiel nicht wirklich verarbeitet bekommen. Dieses Spiel hat aber vor allem gezeigt, dass sich Müller [...]

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