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Die Wahrheit des Wortes

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Wie der Krieg Pakistan erreicht

8. Oktober 2010

Seit einigen Tagen wird AfPak wieder zu einem ganz großen Thema. AfPak ist die Abkürzung und Verschmelzung der beiden Länder Afghanistan und Pakistan und signalisiert in diesem Verbund, wie groß die Krisenregion dort unten tatsächlich ist. In dieser Woche konnte man sehr stark erkennen, wie sich der Krieg in Afghanistan scheinbar immer mehr seinen Weg nach Pakistan ebnet. Etliche Versorgungskonvois der NATO gingen in dieser Woche in Pakistan in Flammen auf. Auf diesem Wege versucht man die Nachschubwege, gerade auch im Bereich der Treibstoffversorgung, abzuschneiden, denn diese Versorgung geschieht zum größten Teil auf dem Landweg über Pakistan. Natürlich ist Pakistan aber auch ansonsten, eben nach Afghanistan, das größte Problem dort unten und die Situation wird auch massiv dadurch beeinflusst, dass Pakistan eine Atommacht ist. Dies erklärt natürlich auch, dass Al Qaida und die Taliban ein Interesse an der Destabilisierung des Landes haben, wie auch die Bemühungen der Stabilisierung durch die USA. Hier beginnen nun aber die wirklichen Probleme.

Dürfen die USA alles?
Durchaus als Antwort, auf die Angriffe auf die NATO-Konvois, kann man wohl die aktuellen Dronenangriffe der USA in Pakistan verstehen. Das Komplexe an der Thematik ist nur, dass hier letztendlich weitere kriegerische Handlungen in einem Land durchgeführt werden, welches man eher als ein verbündetes Land ansehen dürfte. Wenn man sich dann noch überlegt, dass bei diesen Angriffen, wohlgemerkt auf pakistanischem Territorium, auch deutsche Staatsbürger getötete wurden, fragt man sich, warum kein Aufschrei durch die Politik geht. Eine Vermutung wäre die, dass man darauf verzichtet, da es sich bei den Toten ganz offensichtlich um Menschen mit Migrationshintergrund handelt und zu denen hat man in Deutschland nicht erst seit den Thesen von Thilo Sarrazin (SPD) scheinbar ein ganz besonderes Verhältnis. Auch wenn es sich bei den Opfern um Terroristen handelt, fragt man sich, ob es in Ordnung ist, dass die USA einfach so auf fremden Territorium Menschen töten dürfen.

Spannend ist in diesem Kontext natürlich vor allem auch, dass letztendlich auch für dies der amerikanische Präsident, Barack Obama die Verantwortung trägt, also genau der Mensch, der vor noch gar nicht allzu langer Zeit den Friedensnobelpreis erhielt. Hier fragt man sich natürlich schon, wie es soweit kommen konnte, dass ein Mann, der auf fremden Hoheitsgebieten, Menschen ohne Prozess exekutieren lässt, diesen Preis erhalten konnte. Es ist scheinbar die altbekannte Arroganz der USA zu meinen, in der ganzen Welt schalten und walten zu können, wie es den eigenen Interessen gerade am besten reinspielt. Es zeigt aber auch, dass bei Obama der Colt genauso locker hängt, wie bei seinem Vorgänger George W. Bush, wo eine solche Aktion wahrscheinlich schon wieder für große Negativschlagzeilen gesorgt hätte. Außerdem belegt es, dass die ursprüngliche Afghanistanpolitik von Obama nicht im Ansatz aufgehen wird und man sieht, wie zu mindestens an dieser Stelle, seine Träume und Visionen, wie Seifenblasen zerplatzen und dies ist natürlich wieder sehr spannenden im Kontext der gerade erwähnten Vergabe des Friedensnobelpreises an ihn.

Terror in Berlin?
Aber der Krieg in Afghanistan ist vom ersten Tag an nun einmal ein weltumspannender Konflikt gewesen, den letztendlich wohl niemand wirklich beurteilen kann, da doch sehr viel im Nebel von Geheimdiensten und auch geheimen Operationen feststeckt. Da wirken auch die aktuellen Terrorwarnungen aus den USA, wie eine ritualisierte Rechtfertigungsstrategie dessen, was dort unten geschieht. Es scheint so, als will man sagen, seht her, auch ihr werdet bedroht und wir beschützen euch mit unseren Maßnahmen. Denn die von einem großen amerikanischen TV-Sender in Umlauf gebrachten Drohungen gegen den Fernsehturm, den Hauptbahnhof und das Hotel Adlon in Berlin, verbreiten natürlich erst einmal wieder Angst und Schrecken in Deutschland und dem Rest der Welt. Wer nun hofft durch deutsche Politiker Klarheit zu bekommen, wird an dieser Stelle, wie auch an so vielen anderen in der deutschen Politik, enttäuscht, denn die Äußerungen von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zu diesem Thema sind so verschlüsselt, dass er sie wahrscheinlich selbst nicht einmal versteht. So bleibt auch hier erst einmal alles offen und man hilft so natürlich den USA.

Eine ständige Terrorgefahr ist aber vor allem für die USA von existenzieller Bedeutung, denn nur wenn sie vorhanden ist, können sie in Afghanistan und mittlerweile eben auch mehr und mehr in Pakistan, schalten und walten wie sie wollen. Man sollte auch nicht vergessen, dass natürlich auch bei diesem Konflikt geopolitische Gedanken eine große Rolle spielen dürften, denn auch hier spricht man am Ende des Tages über die Macht über erhebliche Bodenschätze. Man erinnert sich noch gut an den Irakkrieg, wo Angst und Schrecken auch dadurch in Deutschland verbreitet wurde, dass Saddam Hussein angeblich auch Deutschland mit Giftgas angreifen wollte, dieses Bedrohungsszenario war erst vom Tisch, als die Ölfelder und der Einfluss über sie gesichert war. Man muss diese neue Art der Kriegsführung einfach begreifen und sich genau damit beschäftigen was dahinter stecken könnte, dann begreift man sehr schnell die Ausweitung des Konflikts und natürlich auch woher die ständige Terrorgefahr kommt. Ganz nebenbei dürften sich gerade auch die westlichen Staaten darüber freuen, so eine scheinbare Legitimation zu erhalten, ihre eigenen Bürger immer engmaschiger zu überwachen.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Stefan Braun // 9. Okt 2010 at 21:04

    Im Vietnamkrieg war es ähnlich: Der Vietcong kam über Kambodscha also ging die US Army nach Kambodscha rein. In gewisser Weise nachvollziehbar, wenn das entsprechende Land nichts unternimmt. Offensichtlich ist Pakistan nicht in der Lage oder nicht willens die Nato-Transporte zu schützen und die Taliban in Pakistan in Schach zu halten.
    Ob es deshalb richtig ist? Wer definiert das? Wie würde man sich selbst verhalten?
    Angriffe mit Drohnen sind allerdings, soweit ich weiß, mit Pakistan abgestimmt.

    Obama seinen Friedensnobelpreis vorzuhalten halte ich nicht für ganz fair, er hat ihn ja fast aufgedrängt bekommen. Man sollte eher das Kommitee fragen, was es sich bei der Vergabe gedacht hat. Das war schon ein zweischneidiges “Geschenk”.

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