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Die Wahrheit des Wortes

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Wie Barack Obama zum Held wurde

6. Mai 2011

Im Verlauf dieser Woche wurden immer mehr Details über die Ermordung des Topterroristen Osama bin Laden bekannt und man darf davon ausgehen, dass dieser Trend noch etwas anhält. Dieser Einsatz eines US-Killerkommandos auf fremden Territorium sollte Barack Obama wieder zu dem Superhelden machen, als den man ihn im Vorfeld schon gesehen hatte. Hatte er ökonomisch versagt, war seine Gesundheitsreform, ähnlich wie die des Bundesgesundheitsministers Philipp Rösler (FDP), ein großer Reinfall, so überwogen ganz allgemein die Negativschlagzeilen nach seiner Amtsübernahme, denn es lief noch viel mehr nicht so, wie man es erwartet hatte. Die von BP verursachte Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zeigte, wer im Land wirklich die Macht hat und auch, dass er sein Versprechen, das Gefangenenlager Guantanamo zu schließen, nicht einhielt, zeigte immer deutlicher sein wahres Gesicht. Kosmetik wurde zwar zum Beispiel auch durch den Erhalt des Friedensnobelpreises geleistet aber in der Masse versagte er doch auf den meisten Gebieten. Dann der Wandel, Barack Obama schafft es den größten Staatsfeind zu vernichten, was ihn ganz weit im Ranking der Beliebtheit brachte. Da ist er wieder, der strahlende Superheld, den Amerika schon kurz nach der Wahl feierte.

Ein kurzer Sieg?
Man wird nun bald sehen, ob dieser Sieg über ausreichend Nachhaltigkeit verfügt, denn nach der ersten großen Euphorie kommen nun immer mehr Fragen auf und es dürfte sehr schwer werden diese ausreichend zu beantworten. Entweder es war einmal mehr nichts so, wie es für die breite Öffentlichkeit dargestellt wurde, was bedeuten würde, die ganze Ermordungsgeschichte stimmt nicht. Hierfür würde sprechen, dass man eine Beweislage geschaffen hat, die eine wirkliche Klärung so oder so niemals zu lassen würde und das man wohl auch kein Bildmaterial veröffentlichen will. Die andere Möglichkeit wäre, dass ein von Barack Obama beauftragtes US-Killerkommando, eine Eliteeinheit der Navy Seals, den unbewaffneten Osama bin Laden tatsächlich erschossen hat, was nicht nur im Rahmen des internationalen Völkerrechts viele Fragen mit sich bringen dürfte. Welchen Blickwinkel man auch wählt, sieht es unterm Strich wieder einmal gar nicht so gut für den US-Präsidenten aus und es bleibt abzuwarten, wie lange es dauert bis dies auch die breite Masse der amerikanischen Bürger begriffen haben. Wobei natürlich, wie auch schon im Wahlkampf, von einem gewissen Teil der etablierten Massenmedien hier ein passendes Superheldenbild aufgebaut wird, was viele unkritische Menschen wahrscheinlich auch erst einmal so hinnehmen werden. Sollte sich dieses Blatt auch noch wenden, könnte es düster werden. Sollte es so bleiben, wie es in den ersten Stunden und Tagen nach dieser Nachricht, die man schon als Nachricht des Jahres deklarierte, war, könnte es natürlich auch zu seinem totalen Triumph werden.

Auch in Deutschland wurden die Stimme der Kritik, vor allem an der Freude über den Tod Osama bin Ladens, immer lauter und bringen nicht nur die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Bedrängnis. Barack Obama war schon vor seiner Wahl mehr ein Showstar, als ein Vollblutpolitiker, was ihm erst einmal wahnsinnige Vorteile brachte, ihm aber auch ganz schnell seine Grenze aufzeigte und mit denen hat er nun schon länger zu kämpfen. Show alleine reicht vielen Amerikaner auch nicht mehr aus, gerade auch nicht, wenn es um die eben angesprochenen Probleme von den Finanzen bis Guantanamo geht. In diese Show passt natürlich die spektakulär dargestellte Tötung der größten Hassfigur der westlichen Welt bestens hinein aber man fragt sich eben auch, wie geht es nun weiter. Das die Probleme, gerade auch die der westlichen Welt, durch den Tod von Osama bin Laden nicht weniger geworden sind, dürfte mittlerweile auch jedem klar geworden sein. Man sieht schon sehr deutlich, wie tief der Graben, den man am 11. September 2001 aufgemacht, mittlerweile geworden ist und hier spielen alle Beteiligten ihre eigene Rolle. Wo all dies in den nächsten Tagen und Wochen noch hinführen soll, wird sich zeigen und in diesem Kontext sollte man auch weiterhin, dass im Auge behalten, was sich aktuell in Nordafrika abspielt, denn es wirkt doch so, als hätten all diese Tatsachen, vom Tode Osama bin Ladens bis eben zum Krieg in Libyen, einen gemeinsamen Nenner.

Wirklich die Nachricht des Jahres?
Es wurde eben schon angesprochen, dass die Erschießung Osama bin Ladens in vielen Teilen der etablierten Massenmedien zur Nachricht des Jahres gekürt wurde, wobei man sagen muss, dass noch nicht einmal die erste Jahreshälfte vorbei ist und es immerhin schon so etwas, wie einen Super-GAU im japanischen Atomkraftwerk (AKW) Fukushima gab und dieser noch immer die Umwelt aufs Schwerste schädigt. Es ist nun acht Wochen her, dass diese nicht abschätzbare Katastrophe ihren Lauf nahm. Gerade erst gab die Betreibergesellschaft Tepco bekannt, dass die radioaktive Belastung des Meeresboden im Katastrophengebiet bis zum 1.000-fachen erhöht sei. Da man mittlerweile weiß, wie sehr man sich auf die Zahlen von Tepco verlassen kann, darf man durchaus vermuten, dass es in der Realität noch viel schlimmer ist. Man kann sich nun allein schon an diesen beiden Nachrichten überlegen, was wohl die wirkliche Nachricht des Jahres bislang war, der merkwürdige Tod eines Topterroristen, der wohl sehr schnell ersetzt ist und von dem man schon sehr lange nichts greifbares mehr mitbekommen hatte oder aber eine Katastrophe für die gesamte Menschheit, deren Ausmaß man nicht erfassen kann und die es vielleicht im Ansatz könnten, es nicht tun. Man sieht auch hier, wie wichtig es gerade in diesen Stunden ist, nicht den Überblick zu verlieren und die verschiedenen, immer größer werdenden Krisenherde dieser Welt im Auge zu behalten.

Wenn man gerade einmal dabei ist die ganz aktuellen Krisenherde aufzuzählen, muss man auch berücksichtigen, dass sich bei der politischen Neuausrichtung in Nordafrika noch immer vieles bewegt. Dies zeigt sich natürlich am offensichtlichsten im eben angesprochenen Krieg in Libyen aber auch in Ägypten herrscht noch immer das Militär und auch in Tunesien ist die Lage alles andere als geklärt. Vor allem aber bleibt bis jetzt die Frage offen, woher dieser plötzlich Umschwung kam und welche Rolle die westliche Welt hier wirklich spielt und hier schließt sich natürlich der Kreis zur Erschießung von Osama bin Laden wieder, denn man kann durchaus annehmen, dass die Welt gerade Zeuge einer weiteren, bahnbrechenden Wende nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wird. Ging es vor mehr als 20 Jahren mehr um politisch geprägte Systemfragen, geht es diesmal auch massiv um religiös geprägte Fragen. All dies, völlig unabhängig ob politisch oder religiös geprägt, hat natürlich vor allem auch wirtschaftliche Aspekte, denn man sieht auch eine weitere Ausbreitung des eigentlich auch als gescheitert anzusehenden globalisierten Raubtierkapitalismus. Vielleicht mag man dieses Scheitern mit einer weiteren Verbreitung, auf Biegen und Brechen, kaschieren. Sollte dies gelingen, was für die Mehrheit der Menschen auf dieser Erde nichts Gutes bedeuten würde, könnte Barack Obama noch in einer ganz anderen Form in die Geschichtsbücher eingehen, allerdings dann wohl auch nicht als Held.

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Wirtschaft

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