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Die Wahrheit des Wortes

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Wer macht denn schon Urlaub in Pakistan?

20. August 2010

Diese Frage mag im Kontext von gut 20 Millionen Obdachlosen zynischen klingen und das ist sie auch, denn an dieser Stelle zeigt sich wieder, wie zynisch unsere heutige Zeit ist. Wenn Katastrophen in den Armenhäusern dieser Welt geschehen, haben sie scheinbar am Ende des Tages nur noch zwei Hoffnungen. Die eine ist, dass das Land über interessante Bodenschätze verfügt oder aber touristisch interessant ist. In Pakistan muss man festhalten, dass beides nicht gegeben ist und man außerdem noch in unmittelbarer Nähe des heftigsten Krisenherdes dieses Jahrzehnts, wenn nicht gar Jahrhunderts ist, da hält sich die Hilfe dann doch in klaren Grenzen. Man sieht, selbst wenn Menschen vom Tod bedroht sind, greifen die Mechanismen des Raubtierkapitalismus. Pakistan hat der Welt ganz offensichtlich zu wenig zu bieten, als das man hier großes Geld investieren würde, dann sterben die Menschen eben, auch dies ist eine Realität unserer heutigen Zeit. Wer da noch von Ethik und Moral spricht ist ein Heuchler.

Die besseren Menschen
20 Millionen Obdachlose entsprechen ziemlich genau einem Viertel der Einwohner der Bundesrepublik Deutschland, nur um einmal eine Vorstellung zu bekommen über wie viele Menschen man hier spricht. Um es noch plastischer zu machen, muss man sich vorstellen, dass plötzlich alle Einwohner Bremens, Hamburgs und ganz Nordrhein-Westfalens obdachlos wären, man mag sich kaum vorstellen was dies bedeuten würde. Natürlich meint man nun, dass Deutschland etwas ganz anderes wäre aber dies würde bedeuten, dass Menschen in Deutschland mehr Wert hätten als in Pakistan, womit wir wieder beim Zynismus vom Beginn wären. Man sollte niemals so denken, denn wer weiß schon wo Deutschland in 20, 30 oder 40 Jahren steht und vielleicht gibt es auch dann Menschen, die meinen irgendein Leben sei wertvoller als ein deutsches Leben. Der Weg der sich durch diese Katastrophe abzeichnet ist menschenverachtend und deckelt sich allerdings mit anderen interessanten Fakten unserer Zeit.

In dieser Woche konnte man hören, wie einer dieser vermeintlichen Experten einer hochangesehen Hochschule im Bankenzentrum Deutschlands darüber philosophierte, dass mittlerweile sogar schon Grundwasser ein Spekulationsgut ist. Laut seiner Kostennutzenrechnung passte hier alles, denn steigt der Preis droht eine Verknappung und man kann frühzeitig helfen, dies soll der Vorteil sein. Man tut gerade so als würde in diesen Tagen noch mit fairen Mitteln spekuliert und die Weltwirtschaftskrise sei nur ein böser Traum gewesen. Immerhin widmete man sich auch den Nachteilen, zum Beispiel, dass solche Güter natürlich im Preis steigen und dann einmal mehr für viele Menschen nicht mehr zugänglich wären aber da überwiegt dann doch der gerade genannte Nutzen. Wer ein solches Gedankengut vertritt und verbreitet verhält sich im höchsten Maße gegen jegliche ethische und moralische Norm und darf sich dann aber bitte auch nicht wundern, wenn Hass und Gewalt die Antwort sind, denn dann plötzlich den Joker der Unmenschlichkeit zu ziehen, wäre einfach nur noch lächerlich.

Die Taliban werden es richten
Noch mehr Armut in Pakistan oder wo auch immer auf dieser Erde hervorzurufen, weil man mit Grundwasser spekulieren möchte oder meint Menschen, die in den Augen der raubtierkapitalistischen Protagonisten nichts zu bieten haben, nicht helfen zu müssen, könnte sich irgendwann im Leben böse rächen. Denn es gibt andere die genau in solchen Situationen helfen, den Menschen etwas Gutes tun und sie so ganz nebenbei auch noch von ihrer Sache überzeugen. Dies ist zum Beispiel ein Weg, wie die Taliban ihr Personal rekrutiert. Wenn man also nun das Feld diesen Menschen überlässt, weil man meint in Frankfurt oder London sei man so sicher und Pakistan sei so weit entfernt, könnte man auch an dieser Stelle daneben liegen. Man darf nicht vergessen, dass zum Beispiel Pakistan eine Atommacht ist, fällt dieses Land in die falschen Hände sieht es ganz plötzlich mit der gesamten Sicherheitslage weltweit ganz anders aus und die Terrorangst die manch einer in diesen Tagen verspürt, wäre dagegen nur noch ein Witz. Genau solche Szenarien sollten sich aber nicht nur die Menschen machen, die meinen zu einer vermeintlichen Elite zu gehören.

Jeder kann helfen, auch dies ist ein Fakt. Somit kann jeder die Armut auf dieser Welt mit Spenden bekämpfen und so Extremisten den Nährboden entziehen. Eine andere Möglichkeit, die völlig unabhängig von der persönlichen finanziellen Situation ist, ist die Demonstrationsfreiheit besser zu nutzen. Die Menschen haben sich scheinbar von all den Soaps und ähnlichen, doch eher als fragwürdig einzustufenden Formaten, so einlullen lassen, dass sie meinen gar nichts mehr machen zu können und genau diese Einstellung ist grundlegend falsch. Denn auf der einen Seite muss man bedenken, dass dies genau das ist, was die Protagonisten der raubtierkapitalistischen Globalisierung wollen und auf der anderen Seite macht man sich mitverantwortlich, wenn man einfach auf der Couch liegt, dies alles etwas bedauert und meint es würde irgendwann von alleine schon wieder besser. Nur weil der Kalte Krieg zu Ende ist und es das Blockdenken nicht mehr gibt, bedeutet dies nicht das alles in Ordnung ist, ganz im Gegenteil, phasenweise scheint es so als würden die Probleme langsam erst beginnen.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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