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Die Wahrheit des Wortes

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Wer lebt über seine Verhältnisse?

11. Oktober 2010

Stuttgart 21 bleibt ein, wenn auch nicht im Ansatz das einzige Problem, welches die Bürger sehr beschäftigt. Es geht natürlich auch hierbei um Wandel aber vor allem auch um die Frage nach den Kosten des Wandels. Denn gerade auch die Deutsche Bahn AG steht noch immer unter dem massiven Verdacht auf Kosten der Sicherheit schon einmal gerne zu sparen, was scheinbar verschiedene Pannenserien auch untermauern. Da fragt man sich natürlich schon, wenn ein Unternehmen, welches so schon massiv sparen muss, jetzt auch noch ein Milliardenprojekt, wie zum Beispiel Stuttgart 21 durchzieht, ob man hier nicht über die Verhältnisse kalkuliert. Wenn ein Bürger soweit ist, dass er sich den TÜV für sein Auto nicht mehr leisten kann, wird er wohl kaum auf die Idee kommen sich eine Villa zu bauen, von den Umsetzungsmöglichkeiten einmal ganz zu schweigen. Auf wirtschaftlicher Ebene scheint dies allerdings schon wieder ganz anders auszusehen, wie verschiedene Großprojekte, bei den oft genug auch immer wieder Milliardengräber entstehen, bewiesen haben.

Flaschensammler als Ausbildungsberuf?
Genau solche massiven Fehleinschätzung der Wirtschaft sorgen am Ende des Tages dann auch dafür, dass die Löcher in den Staatshaushalten immer größer werden. Es geht aber natürlich auch immer um Arbeitsplätze, die so natürlich auch massiv gefährdet werden und desto mehr hier von abgebaut werden müssen bzw. das realistische Lohnniveau abgesenkt wird, desto mehr Armut entsteht im Land. Viele dieser Mammutprojekte sind einfach auch nicht auf Nachhaltigkeit ausgelegt, auch wenn man dies immer wieder versucht genauso zu kommunizieren. Es sind noch immer die kurzfristigen Gewinne denen man hier nachläuft. Vielleicht bringt Stuttgart 21 kurzfristig mehr Jobs, wobei man dann auch noch nicht davon geredet hat, ob man davon menschenwürdig leben kann. Man fragt sich an solchen Stellen natürlich, wo die langfristige Planung ist und wenn sie vorhanden ist, wie vertrauenswürdig sie ist, denn große Versprechen gab es auch nach der Wende und man weiß nun ganz genau, was aus ihnen geworden ist. Heute gleichen sich eher manche Städte im Ruhrgebiet den Verhältnissen derer im Osten kurz nach der Wende an, als das man irgendwo im Land von Blühenden Landschaften sprechen könnte.

Wenn man sich in den großen deutschen Städten umschaut, wie viele Menschen mittlerweile Leergut sammeln gehen, um irgendwie zu überleben, zeigt dies doch einiges ganz deutlich auf. Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird Flaschensammler noch ein Ausbildungsberuf in Deutschland, wundern würde auch dies niemanden mehr. So lange es diese stetig anwachsende Masse noch gibt , stellt man sich natürlich die Frage danach, ob man ein Mammutprojekt wie Stuttgart 21 als angemessen bezeichnen kann oder nicht. Die Bürger sollen, wo es nur irgendwie geht, sparen, während ihnen auf der anderen Seite gezeigt wird, dass Geld offenbar bedeutungslos ist und unbegrenzt zur Verfügung steht. Da wundert es keinen, wenn die breite Masse der Bevölkerung da kein Verständnis für hat. Theater, Museen, Spielplätze und Bibliotheken müssen aus Kapitalmangel geschlossen werden aber Geld für das ein oder andere Prestigeobjekt scheint immer in großen Mengen vorhanden zu sein und dies gilt nicht nur für Stuttgart, sondern auch für viele andere Orte und Projekte. Auf dieser Zeitschiene dann auch noch den Hartz-IV-Empfängern Alkohol und Nikotin rauszurechnen, ist an Hohn kaum noch zu toppen.

Sozialpolitik?
Sich dann in solchen Situationen auch noch in der Öffentlichkeit zu altrömischer Dekadenz und anderen unpassenden Aussagen hinreißen zu lassen, fördert natürlich nicht den sozialen Frieden in Deutschland aber der scheint bei Politikern und Wirtschaftsvertretern so oder so nur noch eine ungeordnete Rolle zu spielen. Wenn man schon einen solchen knallharten, raubtierkapitalistischen Weg fährt, bei dem es scheinbar keine Limits mehr gibt, sollte man sich auch endlich zum Ende des Sozialstaates bekennen und nicht so tun als würde an dieser Stelle alles im Sinne der Bürger laufen, denn dem ist ganz und gar nicht so. Was bedeutet denn Sozialpolitik noch, wenn die Bürger immer mehr selber leisten müssen und mit immer höheren und teilweise absurden Steuerideen schlechter gestellt werden. In Essen denkt man jetzt sogar schon darüber nach den Weg ins Solarium zu besteuern, um auch so tiefer in die Taschen der Bürger zu greifen und mit jedem Cent den man auf solchen Wegen abzieht, schwächt man die Kaufkraft im Land und somit natürlich auch die Binnenkonjunktur. Es entsteht immer mehr Armut und so wird der Erhalt des Sozialstaates mehr und mehr schwieriger. Da zum einen die Sozialausgaben bei immer mehr Armut, auch immer mehr ansteigen werden und zum anderen aber Milliardensummen immer fleißig in die Wirtschaft gepumpt werden, zeigt sich hier ein weiterer Spaltungsprozess deutlich ab.

Man muss wohl festhalten, dass in Deutschland sehr wohl eine Unverhältnismäßigkeit im Leben besteht und das auch tatsächlich weit über die Verhältnisse gelebt wird aber dies bezieht sich wohl viel mehr auf die Wirtschaft und die Politik, als auf die breite Masse der Gesellschaft. In sofern ist es natürlich eine riesige Heuchelei, wenn jetzt genau aus diesen Ecken Anmerkungen und Appelle in diesem Kontext an die Bevölkerung gehen. Wie bereits berichtet, haben die Menschen immer weniger Verständnis dafür, was sich in Deutschland abspielt und wie die Gelder und die Macht hier verteilt werden. Es entsteht täglich mehr der Eindruck, dass man nur noch arbeitet, um zu überleben, während sich auf der anderen Seite über Geld kaum realistische Gedanken gemacht wird. Auch hierfür ist Stuttgart 21 ein sehr gutes Beispiel aber auch hier ist man in Stuttgart nicht alleine. Will man nun nicht, dass die negative Stimmung und Wut in der Bevölkerung noch weiter anwächst, sollte man einlenken und sich auf die Bürger zu bewegen und dafür würde sich ein nachhaltiges Zeichen aus Stuttgart natürlich bestens anbieten aber dies wird wohl nicht kommen, wie es trotz Schlichter aussieht.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik · Technik · Wirtschaft

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