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Die Wahrheit des Wortes

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Wer ist eigentlich Deutschland?

19. Dezember 2007

Seit einigen Tagen stellt sich mir die Frage, was man mir mit der aktuellen PR-Kampagne `Du bist Deutschland` eigentlich verkaufen will. In der heutigen Zeit muss man Dinge die einem verkauft werden sollen, schließlich genau unter die Lupe nehmen. Denn wie man weiß sind die Taschen leer, was schon merkwürdig genug ist, da die Inflation ja nur gefühlt ist, wie es uns die Medien scheinbar suggerieren wollen. Nachdem heute auch noch der Ifo-Geschäftsklimaindex weiterhin Pessimismus verbreitete und unerwartet stark auf 103 Punkte von 104,2 Punkten im Vormonat sank, bleibt es abzuwarten, wie gut die `Ware` Deutschland ist und sich entwickelt. Wie gut diese Ware ist, will uns die ‘Du bist Deutschland GmbH’ zeigen, denn diese steckt hinter der Kampagne und es ist die Fortsetzung der vor zwei Jahren begonnen größten Social-Marketing-Kampagne in der Mediengeschichte Deutschlands.

Konservierungsmittel eines Märchens

Gehen wir also ein Stück zurück in die Vergangenheit. Denn man muss auch die deutschen Highlights, die wir über und über feiern auf der Agenda haben, um all dies zu verstehen. Alles begann mit der Fußballweltmeisterschaft 2006 im eigenen Land, die wir bekanntermaßen nicht gewonnen haben aber zu mindestens, wie so oft wenn man nicht gewinnt, Meister der Herzen wurden. Nun gut im Vorfeld fiel die Republik durch `No-go-areas` auf, Australien warnte gar vor Reisen nach Deutschland und die oben genannte Kampagne nahm ihren Anfang. Die Fußballweltmeisterschaft wurde dann noch ein Sommermärchen. Es gab sogar noch den passenden Film von Sönke Wortmann, quasi so etwas wie das Konservierungsmittel für dieses Sommermärchen.

Aber es sollte ja weiter gehen, denn schon im darauf folgenden Winter, genauer gesagt im Februar diesen Jahres, folgte das passende Wintermärchen. Wieder eine Weltmeisterschaft im eigenen Land, dies Mal im Handball und dies Mal klappte es auch endlich mit der Weltmeisterschaft. Ein Segen für die Nation. Verwunderlich nur das die im September diesen Jahres gewonnene Damenfußballweltmeisterschaft nicht noch zu einem Herbstmärchen wurde. Aber dafür haben wir ja kurz darauf schon wieder Stoff für ein neues Märchen bekommen. Die Damenfußballweltmeisterschaft im eigenen Land 2011.

Und die Realität?

Das ist doch schon fast wie bei den Gebrüdern Grimm, ein Märchen folgt dem nächsten. Das Problem ist aber, es sind halt alles nur Märchen, auch wenn man positiv betrachtet davon ausgehen kann, dass diese immer gut ausgehen, bleiben es Märchen und die Realität sieht etwas anders aus.

Wir haben es endlich geschafft, den Aufschwung. Sah es im Februar 2005 mit dem erstmaligen erreichen der über 5 Millionen Arbeitslosen noch eher duster aus, haben wir heute mehr als 1,8 Millionen weniger Arbeitslose. Das sind doch mal positive Fakten, zu mindestens auf den ersten Blick. Genau an dieser Stelle lohnt sich allerdings noch ein zweiter Blick.

Bleiben wir also bei den Fakten und schieben direkt einen anderen Fakt hinter her. Es gibt mittlerweile in diesem Land laut DGB-Aussage 1,3 Millionen so genannter Aufstocker, dies sind Menschen, die trotz Arbeit, auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Man könnte den Anschein bekommen, dass man von Arbeit in gewissen Bereichen nicht Leben können soll. Und was bedeutet schon soziale Marktwirtschaft? Man darf es alles nicht so schwarzsehen, man sollte es eher schwarzrot sehen. Es bleibt also festzuhalten, dass circa 500.000 Menschen mehr Arbeit haben und davon Leben können, als im Februar 2005. Das nennt man dann wohl durchschlagenden Aufschwung.

Kinderwerbung

Die aktuelle `Du bis Deutschland` Kampagne interpretiere ich als einen Aufruf mehr Kinder in die Welt zu setzen. Auch dies ist erst ein Mal sehr positiv gedacht aber was tut die Regierung eigentlich für nachhaltige Bildung, für nachhaltige Arbeitsmarktreformen und letztendlich für nachhaltigen Kinderschutz? Es ist immer wieder die Rede davon, dass gesellschaftlich Bessergestellte, gerade auch Akademiker, weniger Kinder bekommen, als die am Rande der Gesellschaft und vielleicht liegt es gar nicht immer so sehr an der viel beschriebenen Karrieresucht dieser Menschen, sondern an einem gewissen Weitblick, was die dauerhaften Chancen in diesem Land angeht, dass genau diese Personengruppe oftmals auf Kinder verzichtet.

Aber außer der `Du bist Deutschland` Kampagne habe ich auch noch den Satz `Fördern und Fordern` im Ohr. Auch hier kommt es allerdings zu einem breiten Unterschied zwischen dem was einem verkauft werden soll und dem was passiert, denn im Fordern sind unsere Politiker Spitze, im Fördern belegen sie eher hintere Ränge, könnte man meinen, wenn man sich gerade auch die heutige Sozialpolitik in dieser Republik ansieht. Natürlich würden sie gerne mehr fördern aber es gibt immer wieder Unwägbarkeiten, die dies verhindern. Mal fehlt das Geld, mal die Mehrheiten, manchmal sogar beides.

Zeit sich zu bewegen

Meine persönliche Einschätzung und ich bin immerhin auch Deutschland, ist das sich in diesem Land schleunigst etwas bewegen muss und zwar nicht um des Bewegens willen, sondern einfach um nicht alles völlig aus dem Ruder laufen zu lassen. Nur sieht es danach erst ein Mal wieder nicht aus, denn uns stehen wieder die ermüdenden Zeiten der Landtagswahlkämpfe, d. h. die große Zeit des Taktierens ohne sich zu bewegen, bevor. Also, ein Mal mehr Stillstand. Denn schließlich geht es um Machterhalt und nicht um Inhalte, wie es mir scheint. Vielleicht sollte die Regierung ein Mal mehr darüber nachdenken, dass sie auch Deutschland ist oder haben sie das etwa schon vergessen?

Zur Kampagne `Du bist Deutschland` bleibt abschließend zu sagen, würde sich in diesem Land endlich Mal etwas bewegen, bräuchte man auch nicht immer wieder solche Kampagnen, die einem krampfhaft versuchen klarzumachen, wie toll es hier ist. Außerdem empfinde ich es als sehr bedenklich, dass Deutschland scheinbar eine solche Kampagne wirklich benötigt, so lobenswert sie auch immer sein mag.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Stephan // 20. Dez 2007 at 23:38

    Und dass solche Kampagnen moeglich sind… Bertelsmann ruft und die vereinigten Medien folgen. Bei der WM fand ich es noch einigermassen nachvollyiehbar: von wegen Gastgeber und so. Aber dieser relaunch macht mir schon Angst. Was ist, wenn einem in ein paar Jahren nur bestimmte Meinungen Deutschland sind?

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