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Die Wahrheit des Wortes

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Wer hat die Aufsicht?

12. April 2010

Auch wenn immer wieder versucht wird mit kurzfristigen und nicht nachhaltigen Hochs von der Weltwirtschaftskrise abzulenken, steckt die Welt noch ganz tief in ihr fest. Da Nachhaltigkeit aber scheinbar so oder so nicht mehr gewünscht ist, sondern es um eine ständige Erhöhung der Geschwindigkeit von Produktion und Konsum zu gehen scheint, was natürlich in vielen Fällen auch zum Nachteil der Qualität geschieht, führt auch dies zu weiteren Verwerfungen am Markt. Letztendlich scheinen die Produkte auch nicht mehr ganz oben auf der Agenda zu stehen, sondern nur noch die Gewinnquoten. Eigentlich sollte man denken, dass nun interne Mechanismen der Wirtschaft greifen oder aber, wenn auch diese versagen, die Politik eingreift, um die Bevölkerung vor den schwerwiegenden, negativen Folgen solcher Auswüchse zu beschützen. Betrachtet man sich nun allerdings die Geschehnisse der letzten Monate, um nicht zu sagen Jahre oder gar Jahrzehnte, stellt man schnell fest, dass dem schon seit langer Zeit nicht mehr so ist.

Der Club der Krähen
Es stellt sich natürlich die Frage danach, wer die Verantwortung für die aktuelle Krise trägt. Geht man dieser Frage nach, wird man Spannenderweise kaum auf Namen stoßen. Es scheint als sei es ein Systemproblem. Dieses Ablenkungsmanöver hat auch zum Teil funktioniert aber eben nur zum Teil, denn bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass auch dieses System nur aus Menschen besteht. Also müsste man bei einem Systemversagen, wie es in den letzten Monaten immer wieder der Fall war, davon ausgehen, dass alle Entscheidungsträger bzw. die Person, die zu deren Kontrolle zur Seite gestellt worden sind, versagt haben. Damit die Vorstände der großen Konzerne in Deutschland nicht völlig kontrollfrei walten und schalten können wie sie wollen, ist in Deutschland per Gesetz vorgeschrieben, dass die Vorstände von Aufsichtsräten kontrolliert werden müssen. Dies bedeutet, kommt es zu verhängnisvollen Fehlentscheidungen durch einen Vorstand, sollte man glauben, dass diese Fehler verhindert bzw. die Folgen gemildert werden, scheinbar funktioniert aber auch dies nicht.

Somit sind wir an einem Punkt, wo die Vorstände sich der Verantwortung scheinbar völlig entzogen haben und die Aufsichtsräte sich diesem Verhalten wohl angeschlossen haben. Natürlich kommt so die Frage auf, wie so etwas überhaupt geschehen kann und die Antwort ist ganz einfach. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Schaut man sich große Unternehmen auch nur ein wenig detaillierte an, stellt man bald fest, dass gewisse Namen von Wirtschaftslenkern, Gewerkschaftlern aber auch politisch ambitionierten Personen immer wieder auf beiden Seiten auftauchen. Am Ende des Tages bedeutet dies, dass man einen recht geschlossenen Kreis von vermeintlichen Eliten und Experten hat, die hier entscheiden und auch kontrollieren. Diese Konstellation lässt natürlich den Verdacht aufkommen, dass hier im Bereich der Kontrollen sehr viel mehr Schein als Sein ist. Dies wäre dann natürlich auch der perfekte Nährboden für eine wirtschaftliche Katastrophe, wie wir sie gerade erleben. Verantwortungsbewusstsein scheint hier nicht erwünscht zu sein, was einen direkt zur nächsten Frage bringt.

Wer trägt die Verantwortung?
Haben sich die Vorstandsgehälter schon weit von den normalen Lohnzuwächsen abgekoppelt und dies mit der Begründung der wesentlich höheren Verantwortung, sieht es im Bereich der Aufsichtsratsbezüge noch viel besser aus, denn hier ist der prozentuale Zuwachs noch größer als im Bereich der Vorstände. Einer gewissen Logik folgend, könnte man nun natürlich auch sagen, dass die Kontrolle der Wirtschaftsgiganten natürlich auch noch einmal mehr Verantwortungsbewusstsein in sich trägt aber auch hier stellt sich dann die Frage nach der Verantwortung. Wenn unzählige Arbeitsplätze abgebaut werden, viele Menschen scheinbar bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag in der Kurzarbeit verharren sollen, fragt man sich, wie konnte es soweit kommen und wer trägt die Verantwortung? Wie gerade geschildert, ist dieses gesamte System so engmaschig vernetzt, dass A auch nicht behaupten könnte von dem was sich bei B oder C abspielte nichts mitbekommen zu haben. Somit muss man wohl vermuten, dass es sich hier um ein kollektives Versagen handelt. Genau an dieser Stelle sollte nun eigentlich der Staat, die Regierung einschreiten und dies ohne gleich in noch früher gescheiterte System, wie zum Beispiel den Sozialismus, zu verfallen. Offensichtlich geschieht aber auch dies nicht.

Hier gelangt man dann zu einer weiteren sehr engen Verknüpfung zwischen Politik und Wirtschaft. Dies führt dazu, dass auch von politischer Seite, zum Beispiel durch gesetzgebende Maßnahmen oder ähnliches, nicht im Ansatz ausreichend eingegriffen wird. Man erinnert sich noch gut daran, was die Regierungschefs auf all ihren großen Krisengipfeln diskutiert, versprochen und angedacht hatten. Diese Treffen liegen zum Teil schon mehr als zwölf Monate zurück, geschehen ist allerdings so gut wie nichts. Nein, es geht sogar mittlerweile soweit, dass scheinbar Ratingagenturen versuchen direkten, konkreten Einfluss auf Regierungsarbeit zu nehmen, denn anders kann man die Aufforderung der Ratingagentur Fitch an die griechische Regierung, die Hilfsmaßnahmen endlich anzunehmen, nicht interpretieren. Man sieht sehr deutlich wie weit all dies schon ausgeprägt ist. Man muss allerdings auch einfach festhalten, dass ein System in dem immer mehr Gelder für Verantwortung bezahlt werden, nach welcher man im Problemfall dann meistens vergeblich sucht, nicht funktionieren kann. Am Ende des Tages fördert genau dieses System nur eines, den Zorn derer, die für all das bezahlen müssen und somit vor allem die finanzielle Verantwortung tragen und das sind oft genug die Steuerzahler, die natürlich auch noch massiv unter den volkswirtschaftlichen Schäden leiden.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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