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Die Wahrheit des Wortes

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Wer braucht schon Kreativität?

30. August 2010

Der Staat macht es auf breiter Front vor und spart zum Beispiel den Kultursektor zu Grunde. Wen wundert es da, wenn ein gesamtgesellschaftliches Problem entsteht, welches später nur schwer zu reparieren sein wird. Wenn man in einem Staat lebt in dem Subventionen für Theater, Galerien, Museen und ähnliche Einrichtungen gestrichen werden, da man sparen muss. Auf der anderen Seite aber Banken, die durch Missmanagement teilweise über den Rand des Ruins gelangt sind, Milliarden an Euros bekommen, zeigt dies woher der Wind bläst. Dies wird dann natürlich in der Bevölkerung kopiert. Zum einen, weil ihnen der Zugang zur Kreativität, zur Kultur immer mehr erschwert wird oder gar verweigert wird und zum anderen, weil hier falsche Prioritäten suggeriert werden. Kreativität bedingt in den allermeisten Fällen vor allem einen enormen zeitlichen Aufwand und Zeit ist auch im Bereich der Kultur, dessen Triebfeder die Kreativität ist, Geld.

Qualität kostet
Und wenn sich die Protagonisten des Raubtierkapitalismus auf den Kopf stellen, bleibt es ein Fakt, dass immer billiger nur bei einem Mangel an Qualität umzusetzen ist. Natürlich kann man sich in einem großen schwedischen Möbelhaus für ganz kleines Geld Bilder kaufen die man sich an die Wand hängen kann, dies dient dann allerdings nur einem dekorativen Zweck und man sollte es niemals mit Kunst verwechseln. Kunst kostet eben Geld, da ein großer Anteil an Kreativität und technischem Geschick dahinter steckt. Es ist wie mit einem guten Essen, wenn man ein leckeres Rezept kreiert, braucht man die Ruhe und die passende Zutaten und kann dies auch nicht mit einem Tiefkühlessen vom Discounter vergleichen. Satt wird man von beidem, wie man auch im erstgenannten Fall so oder so etwas an der Wand hängen hat. Aber nur Deko, nur Fassade sollte nicht alles im Leben sein, auch wenn man es an vielen Ecken suggeriert bekommt.

Man merkt schon an diesen Zeilen, dass hinter alldem viel mehr steckt, denn ein Mangel an Kreativität und ausreichend geistige Verödung haben natürlich den Vorteil, dass man solche Menschen viel leichter lenken kann, als ein Land voller Dichter und Denker. Denken, gerade wenn man sich in der heutigen Zeit im politischen Berlin oder auch in Frankfurt bei den Großkapitalisten umschaut, ist nicht erwünscht. Bei den hier vorherrschenden Zuständen würde dies zwangsläufig zu Kritik führen und einem Wunsch nach Veränderung. Dieser Wunsch nach Veränderung würde aber das aufgebaute Macht-und Kapitalgefüge aus den Angeln heben und das möchte man in Berlin, wie auch in Frankfurt natürlich vermeiden. Viele Probleme der heutigen Welt würden sich mit ein wenig Kreativität ganz einfach lösen lassen, allerdings würden dann Menschen entweder Macht oder Kapital oder im, aus ihrer Sicht, schlimmsten Fall beides verlieren. So erklärt sich natürlich warum man den Menschen diese Dinge versucht zu nehmen.

Jeder muss umdenken
Nun schaut es aber nun einmal, wie hier schon häufiger erwähnt, so aus, dass jeder gegen diese Tendenzen arbeiten kann, denn wenn der Staat, wenn Großunternehmen nicht bereit sind solche, für eine freiheitliche Demokratie so existenziell wichtigen Aufgaben mitzufinanzieren, muss jeder Bürger selber aktiv werden und helfen, dass die Kultur auch weiterhin auf hohem Niveau existieren kann. Man muss dafür halt an anderen Punkten des Lebens sparen aber es wird sich lohnen. Man braucht nicht immer, in immer kürzer werdenden Abständen, den neusten und flachsten Fernseher, man kann das Geld auch für ein Theaterstück, ein Kunstwerk oder auch für eine höhere Qualität bei den Lebensmitteln verwenden. Es hilft dem Geist und natürlich auch dem Körper und der Seele. Dies ist natürlich nur eines von vielen Beispielen, wie man für eine Änderung des Systems kämpfen kann. Letztendlich reden wir hier von einem Weg den jeder gehen kann, geht man ihn nicht, unterstützt man zwangsläufig das System.

Wer nun, aus welchen Gründen auch immer, zum Beispiel durch einem Mangel an Veränderungswillen, dieses System mitträgt, kann sich natürlich am Ende des Tages, und in Bezug auf manches Stammtischgequatsche ist es sogar wörtlich zu nehmen, auch nicht beschweren. Denn so lange jeder meint er bräuchte nicht umzudenken, es würde reichen, wenn der Nachbar umdenkt, wird sich nichts verändern. So hart es klingen mag, sollte man sich bei diesem System auch ganz schnell von Hoffnungen auf irgendwelche Selbstheilungsprozesse verabschieden, denn wie skrupellos und menschenverachtend hier in der heutigen Zeit vorgegangen wird, kann man bis in die Gegenwart an den Folgen der Weltwirtschaftskrise beobachten. Wer nicht produzieren kann oder will, wird vom System gnadenlos ins Abseits befördert, frei nach dem Motto: `Friss oder stirb`. Es gilt immer auch zu sehen, wie weit dieser ganze Prozess schon vorangetrieben wurde und die meisten hofften es würde besser, dabei musste man immer mehr draufzahlen. So war es vor 20 Jahren nachdem Fall der Mauer, so ist es im Moment mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise und so wird es auch immer wieder kommen, wenn nicht jeder für sich etwas unternimmt.

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 3 Kommentare ↓

  • 1 Michael Weber // 30. Aug 2010 at 12:06

    Das ist mir ja SO aus dem Herzen gesprochen :)!
    Michael

  • 2 Martina Jäger // 30. Aug 2010 at 12:55

    viele menschen haben wenig bewusstsein für kulturelle errungenschaften.

    tatkraf und mut zur äußerung,
    kommunikation und interaktionen,
    vermögen zum kreativen denken und handeln,
    die verquickung von wissen, intuition, althergebrachtem und innovativem geist
    sind grundlagen und vorraussetzung für das kulturelle bestehen.
    kreativität ist der impuls.

    leider obliegen wertschätzungen oft trivialen gedankenmustern und deren umsetzung,
    leicht ersichtlichen bis hin zu manipulativen interventionen seitens
    lobbyisten, wirtschaft, machthabern und spekulanten.

    ich weiß diese beiträge hier zu schätzen
    von der bodenständigkeit meiner standhaftigkeit
    bis
    in die wilden träume meiner haarspitzen.

  • 3 David Buballa // 30. Aug 2010 at 13:35

    …. ja genau, eigentlich muss sich wirklich jeder selbst darum kümmern. Für sich und auch für Personen die einem wichtig sind. Ich frage mich nur schon etwas länger, ob diese Gesellschaft dazu überhaupt in der Lage ist alleine eine “kulturell auf hohem Niveau agierende” Masse Menschen zu werden. Ich würde auch mal vermuten, dass alleine schon wegen der Informationsüberflutung die meisten nicht in der Lage sein werden in Ruhe darüber nachzudenken.
    Grüße

    David Buballa

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