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Die Wahrheit des Wortes

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Wenn unabhängige Journalisten plötzlich in der Politik sind

19. August 2010

Es ist in einer großen Demokratie, wie sie Deutschland auch gerne sein möchte, sehr wichtig, dass verschiedene Punkte klar getrennt und unabhängig sind. Dies sollte eigentlich vor allem auch für den Bereich des Journalismus gelten. Ganz speziell gilt dies natürlich auch für den Bereich der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, schließlich stellt es für so gut wie jeden Bürger eine Art Pay-TV dar, da der Großteil der Bürger GEZ-Gebühren zahlen muss. Genau diese Gebühr wird eben auch mit der Wichtigkeit der Unabhängigkeit der Information gerechtfertigt. Ein vom Grundsatz her sehr guter Ansatz, allerdings ist von ihm, wie von vielen anderen guten Grundsätzen in diesem Land, eigentlich so gut wie nichts mehr übrig geblieben. Es ist nur ein Problem, dass man sich inhaltstechnisch immer mehr an die Inhalte anpasst, die private Sender so jeden Tag senden und dies scheinbar nur mit dem Ziel die Massen mehr und mehr zu verdummen damit sie leichter zu manipulieren sind.

Nur keine wichtigen Informationen
Eine Information kann natürlich immer vielfältig sein und ihr Nutzen ebenso, nun geht es einfach um die Ausgeglichenheit zwischen Qualität und Quantität der ausgestrahlten Informationen und da hat man doch mehr und mehr gerade auch im Bereich des öffentlich-rechtlichen Fernsehens das Gefühl, dass die Qualität unproportional schnell zur Quantität abfällt, übrigens ganz im Gegensatz zu den Gebühren, die immer nur einen Weg kennen und zwar nach oben. An dieser Stelle darf man natürlich nicht vergessen, dass auch hier ein großer Verwaltungsapparat dahinter steckt, der unabhängig von der erbrachten Leistung finanziert werden muss. Man sieht das Missverhältnis ganz eindeutig, denn es kann nicht sein, dass es zwar immer mehr Informationen gibt, die aber zum Teil scheinbar von der Qualität her weit unter der des Testbildes, welches damals die Nächte füllte, liegt. Unter diesem Grundsatz müssten man dann eigentlich auch die GEZ-Gebühren absenken bzw. abschaffen, auch wenn dies den Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten würde.

Natürlich gibt es auch hier eine andere Möglichkeit, man könnte die Inhalte so verändern, dass sie zu dem Anforderungsprofil passen, welches die faire und wichtige Information vor die seichten, einfach nur unterhaltenden Inhalte setzt. Ebenso verhält es sich natürlich mit der Unabhängigkeit und Überparteilichkeit der Inhalte und auch hier wird es immer fragwürdiger und oft genug stellt sich die Frage, ob man bei öffentlich-rechtlichen Beiträgen noch von solchen Attributen sprechen kann oder ob sich hier nicht mehr und mehr ein reines Staatsfernsehen entwickelt, welches man in so vielen anderen Ländern im Kontext der Demokratie und Freiheit kritisiert. Es ist aber schon erstaunlich, welche Inhalte zum Teil in den öffentlich-rechtlichen Medien verbreitet werden und wem sie dann am Ende des Tages im Detail helfen. Wenn Suchmaschinen zum Beispiel Einbrechern und Ratingagenturen Tor und Tür zur Überwachung ihrer Klientel bieten, wird dies zwar oberflächlich kritisiert, dann aber doch die positiven Fakten rausgearbeitet. In so einem Fall scheinen Persönlichkeitsrechte oder ähnliche auch bei den Öffentlich-Rechtlichen nur eine untergeordnete Rolle zu spielen, denn sonst würde man massiver vorgehen.

Übertreibungen?
Jetzt kann man natürlich meinen eine solch drastische Einschätzung der Diskussion sei völlig übertrieben und an den Haaren herbeigezogen, wären da nicht so wundervolle Beispiele, wie der Wechsel des angesehenen ZDF-Moderator Steffen Seibert direkt zur Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Verkaufte er sich noch vor einigen Monaten als großer unabhängiger Moderator bei einem der Topkanäle der Öffentlich-Rechtlichen, ist er nun das Sprachrohr der Tigerentenkoalition aus CDU, CSU und FDP und vertritt damit eine Politik die viele Menschen im Land eher als negativ einstufen. Nun passieren in der Vita eines Menschen natürlich Umbrüche, die auf den ersten Blick nicht zu erklären sind, dies ist normal aber hier stellt es sich noch etwas anders dar, denn bei seiner Vorstellung räumte Seibert direkt ein, wie überzeugt er von Merkel (CDU) und ihrer Arbeit sei und outet sich somit als ein Fan der aktuellen Regierungspolitik. So etwas kann man natürlich diskutieren, sollte es aber erst einmal nicht direkt verurteilen. Bevor man es verurteilt, wären einige Fragen zu klären, die dann auch direkt zeigen, wie ernst er seinen neuen Job nimmt bzw. wie unabhängig er vorher wirklich war.

Steffen Seibert war entweder bislang ein unabhängiger und überparteilicher Moderator der frei moderierte und dann ganz plötzlich und überraschend seine inhaltliche Nähe zur Politik der Kanzlerin entdeckte, was dann im Sinne der GEZ und ihrer Gebühren wäre aber die Frage aufwerfen würde, ob man ihn nach so kurzer Zeit mit dieser doch neuen Überzeugung gerade für einen solch wichtigen Posten auf Steuergelder einkaufen sollte. Eine andere Möglichkeit, die diesen Einkauf erklären würde, wäre das er die Ziele und Inhalte der Regierung schon länger vertritt und verkauft, was natürlich direkt für eine Einstellung mit besten Referenzen sprechen würde. Bei der letzten Variante bleibt dann natürlich die Frage offen, wie unabhängig die Moderationen der letzten Monate und Jahre waren. Genau dieser Verdacht wiegt natürlich schwer auf all der Unabhängigkeit und Überparteilichkeit mit denen man den Bürgern ihre Freiheit der Medien für teures Geld verkauft. Man sollte sich hier immer vor Augen halten, dass man scheinbar egal welche Variante man wählt über zu mindesten Heuchelei reden muss, entweder gegenüber der Politik in diesem Land oder aber gegenüber den GEZ-Gebührenzahler. Was die richtige Antwort ist, kann wohl nur Steffen Seibert selbst erklären.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik

Bis jetzt 4 Kommentare ↓

  • 1 Michael Weber // 19. Aug 2010 at 12:14

    Und ob nicht alles schon schlimm genug wäre, mutiert der smarte Herr Seibert auch gleich noch äusserlich.Ich jedenfalls wusste nicht ob ich nun Lachen oder Weinen sollte über das augenscheinlich gediätete Gesicht mit dem darüber thronenden,eingemeisselten Scheitel.

    Die Regierung scheint,wie schon die vorhergehende und die vorherhergehende, der festen Meinung zu sein, nicht die Politik wäre falsch, sie würde dem Wahlvolk nur falsch übermittelt und vermittelt.

  • 2 Willowby // 19. Aug 2010 at 13:23

    Wissen denn kluge Leute nicht schon lange dass:
    1. Das Kapital steuert die Medien und die Politik und insbesondere das Fernsehen
    2. Das Fernsehen hat einen Kontrollrat der mit Kirchen, Gewerkschaften und Politiker
    3. Auf der Ebene unterhalb des Kapitals bestimmt stellvertretend die Politik (z.B. Herr Koch) und nicht die Bürger
    4. Die Politik achtet darauf, dass neben der eigenen Karriere das System hinsichtlich 1 und 2 erhalten bleibt sonst droht Abschiebung durch Defamierung wiederum durch die Medien
    5. jede alternative Massenagitationsmöglichkeit wie Internet und Email wird durch Scheingesetze behindert

  • 3 Willowby // 19. Aug 2010 at 13:31

    Ergänzung: Herr Seibert, der mir immer sympathisch war und jetzt aber schon einbisschen unterwürfig vorkommt, hat es richtig gemacht. Der Normalbürger sucht den Schutz der Macht die ihn steuert und reglementiert. In diesem Sinne ist Herr Seibert jetzt der Macht näher als vorher. Er kann jetzt nicht mehr von Koch vernichtet werden. Dafür wird seine Karriere als Regierungssprecher bei der nächsten Wahl zu ende sein. Denn die nächste grosse Politik-ich-mache-Karriere-so-einfach-geht-das-hätte-ich-garnicht-gedacht Großkoalition kommt.

  • 4 Sabine Kuper // 28. Jan 2012 at 09:32

    Nachdem ich mich seit Jahren mit “investigativem” Journalismus aus privatem Interesse beschäftigt habe, musste ich leider feststellen, dass, je größer “investigativ” geschrieben steht, entweder entsprechende Journalisten kleine Werkzeuge einer verlogenen Politik sind und zu debil, dies zu bemerken oder das Wort “investigativ” dazu benutzen, durch “schicke” Bücher abzusahnen oder Karriere zu machen.
    Die Gesellschaft wird erst verdummt und dann verarscht. Journalisten werden entweder dazu benutzt oder profitieren davon, korrupte Arschlöcher durch reißerische und wenig objektive Artikel abzuetzen-um was zu tun?-somit freiwerdende Stellen durch noch korruptere Arschlöcher zu ersetzen, die politisch meist der Einstellung des Arbeitgebers entsprechen.
    Meine Meinung bezieht sich nicht auf diese Seite, sondern auf meine Erfahrung der letzten 6 Jahre.

    S.Kuper

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