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Die Wahrheit des Wortes

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Wenn Medien zu Propagandaorganen werden

18. März 2010

Zu Wochenbeginn lief auf SAT.1 der Zweiteiler `Die Grenze` mit Benno Fürmann und Katja Riemann. Man muss wohl von wirklich erschreckenden Tendenzen in den Medien sprechen, nach dem was man dort sehen konnte. Es war wieder einer dieser Filme bei denen es einem schon einmal schwer fallen kann Realität und Unterhaltung zu trennen. Dieser Effekt wird scheinbar auch ganz bewusst dadurch geschürt, dass zum Beispiel immer wieder Nachrichtensequenzen, des zur gleichen Mediengruppe gehörenden Nachrichtensender N24, eingespielt wurden und die zum Teil in Vollbildanzeige. Man fühlte sich teilweise an die Vorkommnisse im georgischen Fernsehens erinnert, die vor einigen Tagen eine russische Invasion im Fernsehen inszenierten und damit für Massenpanik und diplomatische Turbolenzen sorgten. In diesem Spielfilm, der im Sommer 2010 spielt, wird Deutschland von einer Bundeskanzlerin regiert, die uns hier in der Redaktion übrigens eher an Ursula von der Leyen (CDU) als an Angela Merkel (CDU) erinnerte aber es sollte eben alles nur Fiktion sein. Es ging in diesem Film um kurz bevorstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und hier wird es kurz vor den realen Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen natürlich sehr spannend.

Krieg in Rostock
Der erste Teil begann mit den eben angesprochenen N24-Einblendungen, in denen es um eine Anschlagsserie von Al Qaida gegen sieben der weltgrößten Ölförderanlagen ging. Hierdurch verschlimmerte sich die Wirtschaftslage in Deutschland noch massiver, als sie es schon war. Der Treibstoff wurde knapp und der DFB beschloss die Teilnahme der Nationalmannschaft an der WM 2010 in Südafrika abzusagen. Mit so etwas trifft man natürlich die Massen und sensibilisiert sie und genau da liegt das große Risiko solcher Produktion, um nicht zu sagen, dass man manchmal das Gefühl nicht los wird, dass genau dies das Ziel ist. Sollte dem so sein, reden wir hier von politischer Propaganda auf höchstem Niveau. Das man vor allem im ersten Teil das Gefühl bekam eine Dauerwerbesendung eines amerikanischen Unternehmens zu sehen, welches mit einem angeknabberten Apfel wirbt, ist man nun schon von verschiedensten Produktionen gewöhnt aber politische Propaganda ist da noch einmal etwas ganz anderes. Diese sehr realitätsnahe Darstellung der Wirtschaftslage in Deutschland, wie auch die kurz bevorstehende Landtagswahl, wenn auch in einem anderen Bundesland, lassen hier einen Verdacht aufkommen. Gerade der erste Teil dieses Spielfilms machte ganz deutlich, wie groß die Gefahr eines Rechtsruck in Deutschland ist. Hierzu bediente man sich dann scheinbar auch wieder aller bekannten Klischees, von Sequenzen die an den Spielfilm `Die Welle` erinnerten bis hin zu den bekannten Vorurteilen gegen Ostdeutsche.

Das so ein Spielfilm, mit einer solchen Thematik, kurz vor einer so entscheidenden Landtagswahl, wie die am 9. Mai in Nordrhein-Westfalen, gesendet wird, kann man schon als Spiel mit dem Feuer bezeichnen. Es ging um den von der fiktiven Regierungen gesteuerten Kampf zwischen einer rechtsradikalen Partei mit dem Namen DNS und einer Partei namens Neue Linke, was sehr nah an der Linken war. Zum Ende kam hier in der Redaktion an, dass es scheinbar darum ging, lieber noch einmal einen Erich Honecker, als einen Adolf Hitler zu haben aber auch darum, dass die großen Volksparteien schon alles unter Kontrolle haben. Schaut man sich die politische Lage in Deutschland in den letzten Jahren an, muss man sich hier wohl alleine schon durch den immer größer werdenden Machteinfluss der Linken mehr Gedanken über einen Linksruck machen, als über einen Rechtsruck. Das man auch die Linke nicht unterschätzen sollte, zeigt vor allem auch, dass sie noch immer über Mitglieder verfügen, die sich scheinbar im Geiste noch immer nicht vom Unrechtsregime der DDR verabschiedet haben. Wenn man nun der breiten Masse in einem so realitätsnahen Spielfilm zeigt, wie durch Rechte eine Stadt, wie in diesem Fall Rostock, in Chaos und Anarchie versinkt und man das Gefühl hat, dort würde Krieg herrschen, ist ein gefährliches Maß erreicht. Viele Menschen könnten einiges als Realität aufnehmen und somit wird mit einem solchen Spielfilm doch sehr aktiv in einen im Moment hart geführten Wahlkampf eingegriffen und dies alles unter dem Deckmantel der Unterhaltung. Dies  ist etwas, was man in den Medien eigentlich unterlassen sollte, denn es riecht, wie gesagt, doch sehr stark nach politischer Propaganda und mit der hat man in Deutschland schon so seine Erfahrungen sammeln dürfen.

Den Rest der Welt einfach vergessen?
Diesem Zweiteiler fehlte klar die Aussage, dass keines dieser beiden deutschen Unrechtsregime richtig war und sich jemals wiederholen darf. So wirkte es dann doch sehr einseitig. Der zweite Teil, der dann noch einmal 10 Minuten mehr Sendezeit in Anspruch nahm, was sich allerdings anfühlte als hätte man einfach nur mehr Werbung als am Vortag untergebracht, schien nahtlos in einen eher mäßigen Krimi gepaart mit einer Love-Story überzugehen. Die eben angesprochene Werbung für das US-Unternehmen, welches mit dem angeknabberten Apfel wirbt, ging massiv zurück, dafür hatte man zum Beispiel das Gefühl, dass die Ex-ARD-Talkerin Sabine Christiansen hier ein Comeback auf der großen Talkbühne vorbereitete. Wie gesagt, Realität und Unterhaltung lagen sehr nah beieinander. Was im zweiten Teil auch noch massiv auffiel, war das sich all das dargestellte wirklich nur auf Ostdeutschland mit einem klaren Schwerpunkt auf Mecklenburg-Vorpommern bzw. Rostock bezog. Was die sieben Attentate der Al Qaida, die all dies erst auslösten, in der Welt bewegten oder was die hier beschriebene Situation in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern im Rest der Bundesrepublik Deutschland auslöste, musste scheinbar dem erwähnten Krimi-bzw. Lovestoryinhalt weichen, was auf uns hier in der Redaktion nicht sonderlich professionell wirkte. Auch wenn der zweite Teil noch schlechter auf uns wirkte, macht es die inhaltliche Gefahr dadurch nicht besser.

In der Zeit in der wir nun einmal alle leben, ist es sehr gefährlich diesen Pfad zu gehen. Dumme, kriminelle, brutalst prügelnde Rechte stehen einem nicht ganz so schlimmen sozialistischem Lager entgegen, welches man problemlos aus Berlin durch die großen Volksparteien kontrollieren kann. Diese schöne, einfache Welt gibt es nicht und jeder der so etwas glaubt, könnte eines Tages böse erwachen. Wenn dann in einem Spielfilm auch noch ein im realen Leben existierender Nachrichtensender eine große Rolle spielt, mag dies werbetechnisch vielleicht noch in Ordnung gehen, allerdings wirkt es, zu mindestens auf unsere Redaktion, nicht sehr glaubwürdig. Wenn die Medien weiterhin die Linie zwischen der Realität und der Fiktion in diesem Maße aufweichen, schadet es letztendlich vor allem ihnen selbst, da es sie unglaubwürdig macht. Dies dürfte natürlich wieder den vermeintlichen Eliten und Experten gut in den Kram passen, denn Bürger die aus welchem Grund auch immer auf Nachrichten verzichten, sind natürlich auch viel besser zu steuern. Hier muss sich jeder Medienmitarbeiter überlegen, ob es das Ziel ist, welches er mit seiner Arbeit wirklich erreichen will. Ob die Kernbotschaft die hier ankam so richtig ist, darf übrigens massiv bezweifelt werden. Rechtsradikal ist das allerschlimmste, linksradikal ist noch tolerierbar aber den besten Überblick haben noch immer die beiden großen Parteien. Vor allem beim letzten Punkt hat die jüngste Vergangenheit gezeigt, dass dem scheinbar eben nicht so ist. Aber wie gesagt, es war alles auch nur Fiktion.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 uhuvogel // 22. Mrz 2010 at 09:21

    Der Film ist für einen mit etwas Grips im Kopf sofort “durchschaubar”. Es ist nur zum lachen für einen intelligenten Menschen. Er wirkt VOLL von Klischees, an den Haaren herbeigezogen – völllig unglaubwürdig und STINKT total nach Propaganda für alle die da nicht durchblicken.

    Außerdem auffällig war die starke Plakatwerbung für den Film. Das es sich um Propaganda handelt ist 100% klar. Die einfachen Leute sollen davon abgehalten werden die Linken zu wählen.

    Ähnlich war ein Film vor der Bundestagswahl “platziert”. Da hat man eine andere Schiene gewählt.
    Alles lächerlich machen, auf das das einfach Volk denkt: “ach, was soll schon meine kleine Stimme ausrichten, kann eh nichts machen.” Hat irgendwie funktioniert 1/3 ist nicht zur Wahl gegangen….

    Naja, wer Bescheid weiß, weiß, daß die BRD so wie wir sie kennen seit circa 10 Jahren schon nicht mehr exisitiert – manche merken es früher, manche merken es später.

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