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Die Wahrheit des Wortes

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Wenn Geld ganze Städte einstürzen lässt

8. April 2009

Vor über zwei Tagen bebte die Erde in der italienischen Region Abruzzen und ließ unzählige Häuser einstürzen. Mittlerweile wurden schon weit über 200 Leichen geborgen und man muss leider annehmen, dass diese Zahl noch weiter ansteigt, denn mit jeder Stunde die verstreicht sinkt die Hoffnung für die noch verschütteten Personen. Außerdem befinden sich gut 100 der circa 1.000 Verletzten noch immer in einem kritischen Zustand. In der Hauptsache ist die Stadt L´Aquila  und die umliegenden Dörfer betroffen, wo man außer den zerstörten Häusern, auch noch circa 15.000 beschädigten Gebäude zu beklagen hat. Man rechnet mit circa 17.000 Obdachlosen, die es in der Region gibt und wie viele dieser Menschen überhaupt noch in ihre Häuser zurückkehren können, ist im Moment noch nicht ein Mal im Ansatz abzusehen. Natürlich fragt man sich, wie es Mitten in Europa, wie es Mitten in der EU zu einer solchen Katastrophe kommen konnte und es scheint eine einfach Antwort zu geben, auch bei dieser Katastrophe spielte Geld und Gier wohl eine große Rolle.

Gier und Korruption

Natürlich hat ein Erdbeben selbst weder etwas mit Geld, noch mit Gier zu tun. Der Auslöser dieses Erdbebens liegt in den Spannung, die in der Region durch das Aufeinandertreffen der afrikanischen und der eurasischen Kontinentalplatten verursacht werden. Vereinfacht gesprochen rücken hier Europa und Afrika dichter zusammen. Diese tektonischen Spannungen führen in dieser hocherdbebengefährdeten Region immer wieder zu Erdbeben. Genau an dieser Stelle kommt nun das gute Geld und die Gier ins Spiel. Denn natürlich kann man solche erdbebengefährdeten Regionen, wie hier in Mittelitalien, nicht einfach umsiedeln, dann müsste man letztendlich auch Städte, wie Istanbul oder Tokio umsiedeln, man kann allerdings die heutigen technischen Möglichkeiten bestens nutzen um Leben zu schützen, dies bedingt dann allerdings den Einsatz von Kapital. Viele der hier eingestürzten oder beschädigten Gebäude entsprachen baulich ganz offensichtlich nicht den heutigen Möglichkeiten und dies gilt nicht nur für alte Gebäude. Man sieht hier ganz offensichtlich, wie massiv an Baumaterialen gespart wurde, was sich nun bitterlich rächte. Die Erklärung, wie so etwas in einem EU-Staat möglich ist, bleiben die Verantwortlichen bislang noch schuldig aber man darf wohl über eine Kombination aus Gier und Korruption spekulieren.

Man sollte an dieser Stelle allerdings mit allzu schnellen Vorverurteilungen gegen Italien sehr vorsichtig sein, denn man kann hier unter keinen Umständen von einem rein italienischen Problem sprechen. Dies erklärt sich zum Bespiel auch daran, dass es eine recht genaue Vorhersage des Bebens durch einen italienischen Geophysiker gegeben hat, dem allerdings keiner Glauben schenken wollte. Bis zur Stunde hat man das Gefühl, dass sogar einige seiner Kollegen vom Institut in Potsdam gegen ihn arbeiten, denn sie zweifeln seine Methode ganz offen an. Bei diesen Streitereien, um die beste Vorhersagemethode oder sollte man sagen, um die Ansprüche auf Forschungsgelder, mag man sich gar keine Gedanken darüber machen, wie viele Menschen ohne eine solche Streitigkeit noch Leben könnten. Die Aussage aus Potsdam, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch gewesen sei, die Stadt zu räumen ohne das es tatsächlich zu einem Erdbeben kommen würde, klingt, gerade wenn man sie auch nach der Katastrophe wiederholt, wie der reinste Zynismus. Denn man sollte sich vor Augen halten, dass es noch immer besser ist eine Stadt oder eine Region umsonst zu evakuieren, als nun die Leichen zählen zu müssen. Außer man rechnet die Menschenleben gegen die Kosten der Evakuierung auf und maßt sich an zu entscheiden ab wann so etwas noch tragbar ist oder nicht. Genau dies scheint aber bei solchen Aussagen eine Rolle zu spielen, genauso wie man scheinbar die eigenen Forschungserfolge schwinden zu sehen befürchtet.

Von L´Aquila bis Köln

Genau dieser Ansatz scheint aber nicht nur bei einer Erdbebenkatastrophe, wie der aktuellen in der Region der Abruzzen eine Rolle zu spielen. Ein Beispiel dieser Art scheint es auch in Köln, in der größten Stadt Nordrhein-Westfalens, gegeben zu haben. Hier stürzte Anfang letzten Monats das historische Stadtarchiv ein und auch hier kamen Menschen ums Leben. Vermutungen gehen bislang davon aus, dass es hier einen Zusammenhang mit einer U-Bahn-Baustelle der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) direkt vor dem eingestürzten Gebäudekomplex geben könnte. Verschiedenen Berichten aus den Medien zur Folge, gab es auch hier im Vorfeld Hinweise, die die Möglichkeit einer solchen Katastrophe zu mindestens erahnen ließen aber auch hier wurde im Vorfeld nichts ausreichendes unternommen, um die Katastrophe zu verhindern und ein vom Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) gefordertes Moratorium nach der Katastrophe, schien auch lange Zeit ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Auch hier kam das Gefühl auf, dass es um Kostenminimierung ging. Es wird sich wohl weder in Italien noch in Köln, der Beweis erbringen lassen, dass hier oder dort Menschenleben aus reiner Profitgier riskiert wurden aber der Verdacht schwebt natürlich, wie ein Damaklosschwert, über all diesen Geschehnissen. Um zurück zur Katastrophe in und um L´Aquila zu kommen, bleibt natürlich offen, wie es passieren konnte, dass in einem Staat der EU, die soviel reglementiert, Stahlträger fehlten bzw. aus minderwertigem Stahl gefertigten wurden. Es scheint unfassbar. Aber eine Änderung der Zustände scheint auch dies Mal nicht absehbar zu sein.

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi machte in diesem Zusammenhang am gestrigen Tag einige spannende Aussage. Er meint, dass Italien diese Katastrophe ohne fremde Hilfe bewältigen könnte und lehnte somit jegliche ausländische Hilfsangebote erst ein Mal ab. Zeitgleich sprach er aber davon, auf 100 Millionen Euro Soforthilfe der EU zu hoffen. Natürlich sind Menschen, Maschinen und Material oftmals bei solchen oder ähnlichen Katastrophen nicht so willkommen, wie bares Geld, man darf sich nun überlegen warum dem wohl so ist. Unabhängig von dieser Katastrophe, ist es auch immer wieder spannend zu merken, wie viele Hilfsgelder und Subventionen innerhalb, wie natürlich auch außerhalb der EU, in dunklen Kanälen versickern und natürlich fehlt jeder Cent dieser Gelder irgendwo. Die Folgen dieser Gier und Korruption merkt man dann zum Beispiel an mangelnden Bauwerken, die einem Erdeben, dem sie eigentlich trotzen sollten, nichts entgegenzusetzen haben. Dies ist übrigens ein Fakt, denn in der betroffenen Region in Italien, gibt es durchaus auch Häuser denen nichts passiert ist. Es gingen sogar Bilder um die Welt, die zeigten ein Trümmerfeld direkt neben einem völlig intakten Gebäude, was der klare Beweis dafür ist, dass die Bausubstanz hier eine sehr erhebliche Rolle spielte. Das schlimmste an dieser Katastrophe, wie an den meisten Katastrophen dieser Art, ist allerdings, dass es wieder ein Mal die Schichten der Gesellschaft getroffen hat, die für all diese hier aufgelisteten Sachverhalte am wenigsten können und damit gleich Opfer im doppelten Sinne sind.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Technik · Wirtschaft

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