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Die Wahrheit des Wortes

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Wenn die Elite versagt

28. März 2008

Wir sind Exportweltmeister. Wir stehen für Qualität. Made in Germany ist was zählt. Dies sind alles positive Fakten mit denen man die Wirtschaft in Deutschland gerne verknüpft. Man sollte nur bei einer realistischen Betrachtung auch immer die andere Seite berücksichtigen. Wir haben Werksschließungen von BenQ bis Nokia. Wir haben Schmiergeldskandale nicht nur bei Siemens. Es werden Massen an Arbeitsplätzen aus Gründen der Rentabilität geopfert. Jetzt auch noch das Aus des Transrapid, weil sich die deutsche Wirtschaftselite um weit mehr als eine Milliarde Euro verrechnet hat. Da kann schon ein Mal schnell die Frage aufkommen, wo steht die deutsche Wirtschaftselite wirklich? Vor allem stellt sich aber die Frage nach der Rechtfertigung ihrer Einkünfte.

Schlachtfest USA

Es scheint als könnten sich manche Menschen aus Wirtschaft, Medien und Politik gar nicht mehr in den Griff bekommen, wenn es um die US-Immobilienkrise geht. Da stürzt ein ganzer Wirtschaftszweig ab und man ist in Deutschland erst Mal froh so solide zu arbeiten. Aber es gibt offensichtlich noch einen weiteren Fakt der die Wirtschaft in den USA und der Bundesrepublik Deutschland ganz klar unterscheidet. Denn in den USA sind es klare Managementfehler gewesen, die zur Schieflage geführt haben. Ganz anders als im Land der Wirtschaftseliten, im Land der Deutschland AG. Hier versucht man jeden Tag aufs Neue zu erklären, dass keinen, außer natürlich die Bankmanager in den USA, die Schuld trifft. Ein Vorgang der für mich doch eher befremdlich wirkt. Denn entweder sind Banker in Deutschland massenhaft arglistig getäuscht worden, was man dann juristischen aufarbeiten könnte oder man hat auch hier schlichtweg versagt.

Nehmen wir als weiteres Beispiel EADS bzw. Airbus, wo man ständig weitere Arbeitsplätze abbauen muss und noch nicht ein Mal seine Werke verkauft bekommt. Natürlich können wir auch hier nicht von Missmanagement oder ähnlichem sprechen, sondern finden ganz einfach wieder Verantwortliche in den USA, denn schließlich gibt es dort die Bankenkrise, die zu einer massiven Stärkung des Euro führte, der letztendlich mitverantwortlich für deutsche Krisen ist. Auch hier sollte die Frage erlaubt sein, ob eine Wirtschaftselite nicht auch in der Lage sein müsste Währungsschwankungen bzw. Währungsrisiken mit einzukalkulieren. Nehmen wir die Mittelstandsbank IKB, auch hier gibt es keine Verantwortlichen, man bekommt den Anschein als seien die Risiken, die die Bank nun in die Knie zwingen, förmlich in das System geschmuggelt worden, vorbei an jedem der auch nur im Ansatz Verantwortung trägt.

Der bayrische GAU

Gestern dann das endgültige Aus für die gut 37 Kilometer lange Transrapidstrecke zwischen dem zweitgrößten deutschen Flughafen in München und dem zweitgrößten deutschen Hauptbahnhof in München, wie es der bayrische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein (CSU) in der gestrigen Pressekonferenz so schön formulierte. Dabei lief eigentlich alles wie so oft wenn es um Ausschreibungen geht. Es wurden Preise eingereicht und wie durch Zufall stellt sich an einem gewissen Punkt einer Projektphase, wo es meistens kein zurück mehr gibt, heraus, dass die Kosten drastisch nach oben abweichen. Im Fall des Transrapidprojektes, war dies fast eine Verdopplung der Kosten. Es hat den Anschein als wäre eine gewisse Wirtschaftselite davon ausgegangen, dass niemand Edmund Stoibers (CSU) Erbe anrühren würde. Hier kann man wohl auch von einer klaren Fehlkalkulation sprechen. Der Leiter des Konsortiums hüllt sich was wichtige Fragen, wie zum Beispiel wie hoch der Arbeitsplatzverlust durch den Niedergang dieses Projektes ist, in dezentes Schweigen. Selbiges gilt übrigens für eine dezidierte Klärung der Frage der Verantwortlichkeit.

Man könnte nun endlos weiter schreiben, wie gut die Wirtschaftselite dieses Landes wirklich ist. Aber warum sollte man dies tun, denn man darf davon ausgehen, dass noch vieles folgen wird und sie ihr Können immer wieder unter Beweis stellen werden. Die Bankenkrise ist bei weitem noch nicht im vollen Maße in Deutschland angekommen und auch hier darf man mit Spannung darauf warten, welche Vorstände und Aufsichtsräte noch völlig überrascht davon sind, was in ihren Unternehmen so passiert. Auch dies ist ein interessanter Effekt. Die Wirtschaftseliten unseres Landes rechtfertigen ihre extrem hohen Vergütungen immer wieder mit ihrer so großen Verantwortung gegenüber dem Unternehmen, den Mitarbeitern und letztendlich auch dem Staat. Dieser These kann man natürlich durchaus folgen, wenn Verantwortung übernommen wird und genau dies ist in den meisten Fällen nicht der Fall, da es wie es scheint immer die anderen Schuld sind, wenn Dinge schief laufen. Dies trifft auch bei der Kostenkalkulation für den Transrapid zu, die von namhaften Vorständen schriftlich besiegelt wurde, allerdings gibt es keinerlei Erklärung dafür, wieso die deutsche Wirtschaftselite ein Mal mehr völlig versagte.

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Kategorie: Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 nachrichtenmagazin.info // 30. Apr 2008 at 22:53

    SPD beschließt Konzept zur Begrenzung von Managergehältern.
    Verdienen deutsche Topmanager zu viel?

    Die SPD möchte gern die Managergehälter begrenzen und die Haftung der verantwortlichen Unternehmensgremien ausweiten. Ist dies sinnvoll? Was spricht dafür und was dagegen?
    Dafür spricht, dass eine einzelne Person nur schwerlich zweistellige Millionenbeträge Jahr für Jahr ausgeben kann, geschweige denn zum Leben wirklich benötigt – auch wenn dies natürlich nicht unmöglich ist. Auch ist es sinnvoll, dass ein Unternehmenschef die Verantwortung für seine Fehler übernimmt. Darüber hinaus bedient die SPD damit die Befindlichkeiten und Gefühle Ihrer Wähler – ein nicht zu unterschätzendes Argument, da Parteienpolitik regelmäßig durch Mehrheits- und Machtbestreben geprägt ist.
    Was spricht gegen das Konzept der SPD? An erster Stelle ist dies ein Eingriff in die unternehmerische sowie in die Vertragsfreiheit. Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit sind angebracht. Und wenn wir die Gehälter unserer Topmanager begrenzen, wollen wir dann beispielsweise auch die Einkommen der Spitzenfußballer deckeln? Oder sollen Einnahmen in den Bereichen Kunst und Kultur ebenfalls staatlich reglementiert werden? Das kann niemand wollen, aber genau dies würde es bedeuten, wenn wir alle gleich behandeln wollen. Dass wir uns damit den Zugang zu internationaler Spitzenklassen in allen Bereichen beschränken, ist nachvollziehbar. Topmanager und Weltklassekünstler würden einen Bogen um Deutschland machen – ganz abgesehen von wichtigem Know How, welches ausbliebe.
    Die SPD fordert angemessene Managergehälter. Doch was ist angemessen? Diese Frage ist objektiv nicht zu beantworten. Schon Einstein lehrte uns: „Alles ist relativ.“ Wenn überhaupt, können nur die Kräfte des Marktes bestimmen, was angemessen ist. Im Falle von Aktiengesellschaften bleibt es jedem Aktionär freigestellt, sich von seinem Engagement zu trennen, wenn er mit der Entlohnung des Vorstandes bzw. der Leistung, die dieser gegenüber steht, nicht zufrieden ist. Es kann jeder für sich entscheiden, ob er mit der Höhe des Gahaltes „seines“ Vorstandes zufrieden ist.
    Unabhängig von wirtschaftlichen Belangen muss die moralische Verantwortung eines jeden Topmanagers diskutiert werden. Die Gratwanderung zwischen wirtschaftlicher Weiterentwicklung eines Unternehmens und sozialpolitischer Verantwortung ist sicher nicht immer leicht, aber dennoch möglich. Man muss sich aber bewusst sein, dass jeder für soziale Zwecke ausgegebene Euro vorher verdient werden muss. Fehlen hier aber ausreichende Gewinnanreize, wird niemand bereit sein, seine Arbeitskraft bereitzustellen – eine nur zu menschliche Einstellung, die eher die Regel darstellt als eine Ausnahme. Die Masse der Wirtschaftssubjekte ist nicht altruistisch, sondern gewinnorientiert.
    Wer also glaubt, mit begrenzten Managergehältern die sozialen und wirtschaftlichen Probleme in diesem Land zu lösen, unterliegt einem schwerwiegendem Irrtum. Letztlich ist dies doch nur eine Neiddebatte, auch wenn dies von der SPD vehement bestritten wird. Denn eines ist sicher, überdurchschnittliche Leistung bekommt man nicht zu einem unterdurchschnittlichen Preis. Probleme der Haftung für Missmanagement müssen anders gelöst werden, nicht jedoch mit populistischem Aktionismus. ·nm·i· http://www.nachrichtenmagazin.info

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