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Die Wahrheit des Wortes

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Wenn der Postmann zweimal klingelt

28. April 2010

`Wenn der Postmann zweimal klingelt` ist ein Kriminalroman des amerikanischen Autors James M. Cain aus dem Jahre 1934. Diesen Titel als Überschrift für diesen Artikel zu wählen macht nicht nur Sinn, da der Roman in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise der 1930er spielt, also einer Zeit in der es wirtschaftlich so finster aussah, wie es auch in diesen Tagen der Fall ist. Auch damals war Wandel ein großes Thema, eine weitere Parallele zur heutigen Zeit. Wie massiv dieser Wandel in diesen Tagen ist, wird sich auch am Beispiel der Post zeigen, um die es in diesem Artikel gehen wird. Denn man muss wohl festhalten, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird, bis der Postmann nirgendwo mehr klingelt und dies hat man nun auch bei der Deutschen Post AG verstanden, was sich auch dadurch zeigte, dass der Postchef Frank Appel vor einigen Wochen bekannt gab, dass die gesamte Firmenstruktur auf den Prüfstand käme.

Die Wirtschaft ist alles was zählt
Nicht erst seit die Weltwirtschaftskrise im vollen Ausmaß auf dieser Erde tobt, zeigt sich, dass es die Belange der Wirtschaft sind, die die Welt der Politik und Unternehmer beschäftigt, das Individuum spielt da kaum noch eine Rolle. Natürlich wird die Krise nun auch dazu genutzt immer wieder Dinge umzusetzen, die man vorher nur hätte schwer verkaufen können. In den heutigen Tagen hat man aber scheinbar mit der Weltwirtschaftskrise so etwas wie eine Generalentschuldigung geschaffen. Die Post ist auch immer wieder in den Schlagzeilen, sei es dadurch, dass ihr Ex-Chef und Vorgänger von Frank Appel, Klaus Zumwinkel rechtskräftig wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde oder eben dadurch, dass nun wohl noch mehr Bewegung in das Postsystem kommt, als so oder so schon drin ist. Das große Problem der Post ist der Wandel weg vom klassischen Brief und der Postkarte hinzu E-Mails und anderen elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten. Natürlich erkannte man diesen Prozess frühzeitig und positionierte das Unternehmen daraufhin völlig neu. So entstand der heutige Logistikgigant, der die Post mittlerweile ist.

Ganz davon abgesehen, dass natürlich gerade auch die Logistikbranche ganz besonders von der weltweiten Krise getroffen ist, da einfach weniger Fracht vorhanden ist, hat man bei der Post natürlich auch noch immer mit dem veränderten Kommunikationsverhalten zu kämpfen. Eine Folge ist, dass Postämter und auch Briefkästen auf dem Rückmarsch sind und mittlerweile auch schon die Frage aufkommt, ob man wirklich noch ein flächendeckendes Briefauslieferungssystem braucht, was den Bürger jeden Tag mit Post versorgt. Im Klartext heißt das, dass man scheinbar darüber nachdenkt, ob wirklich an sechs Tagen in der Woche ein Briefträger in jede kleine Dorfstraße muss. So hart das für die Post klingen mag, muss man wohl sagen, dass dem so ist. Will man diesen Staat nicht ganz an die Wirtschaft verkaufen, muss man gerade auch beim Bund darüber nachdenken, dass auch der Staat eine Verpflichtungen seinen Bürgern gegenüber hat. Diese Pflicht bezieht sich eben zum Beispiel auch auf die Zustellung der Post aber zum Beispiel auch auf die Bahn und hier hat man schon länger gezeigt, wie man die Interessen der Bürger wahrnimmt und immer mehr der weniger lukrativen Strecken hat sterben lassen. Kaufmännisch betrachtet sind die Interessen der Post, der Bahn und einiger anderer durchaus verständlich, dürften aber eigentlich nicht über den Interessen der Bevölkerung stehen.

Bürgerfeindliche Gewinnorientierung
Wenn sich der Staat zu sehr zum Diener und Wegbereiter rein wirtschaftlicher Interessen macht und darüber die Bürger völlig vergisst, ist er über kurz oder lang dem Untergang geweiht. Es kann nicht sein, dass Unternehmen, wie zum Beispiel die Post oder die Bahn ihre Leistungen nur noch nach gewinnmaximierenden Maßstäben anbieten, denn dies würde zu einem Zusammenbruch der Infrastruktur in vielen Bereichen führen. Viele Bürger fragen sich jetzt schon, warum sie immer höhere Abgaben bezahlen müssen, marode Banken gerettet werden aber die infrastrukturelle Versorgung immer weiter absinkt. Auf die Post bezogen bedeutet dies, es kann nicht sein, dass zum Beispiel Menschen in ländlichen Regionen demnächst ihre Post nur noch an jedem zweiten Tag oder ähnliches ausgeliefert bekommen. Man kann letztendlich auch niemanden dazu nötigen komplett auf das Internet, also auf E-Mails umzusteigen, wobei sich hier letztendlich ein ähnliches Problem ergibt, denn auch Internet muss im ausreichendem Maß erst einmal vorhanden sein, womit wir beim nächsten Kandidaten neben der Post und der Bahn wären, nämlich bei der Telekom, die wie die anderen beiden Unternehmen eine ähnliche Strategie fährt.

Wenn sich der Staat durch seinen Privatisierungswahn von immer mehr Aufgaben trennt und das alles unter dem Deckmantels der Liberalisierung bzw. des Wettbewerbs, muss er auch dafür sorgen, dass der Bürger ausreichend entlastet wird. Wenn man in einem kleinen Dorf lebt und erst in die entfernte große Stadt fahren muss, um eine Post, eine Bank und einen Bahnhof zu finden und dafür am besten noch auf ein Taxi angewiesen ist, weil in dieser Gegend der ÖPNV nicht rentabel ist, muss sich diese Entwicklung auch im gleichen Maß in den zu leistenden Abgaben wiederfinden. Andernfalls läuft in diesem Staat etwas außerordentlich ungerecht. Dauerhafte Ungerechtigkeit und so wirken auch erst einmal die Überlegungen der Post, führen auf Dauer zu Unmut in der Gesellschaft und dieser kann nach einer gewissen Zeitdauer natürlich auch in Zorn umschlagen. Natürlich kann es nicht sein, dass die Leistungen des Staates immer weiter zurückgehen, das Lohnniveau immer weiter fällt aber die Abgaben von Steuern bis hin zu Gebühren immer fleißig ansteigen. Auch hier zeigt sich, dass das System schon lange in Schieflage geraten ist und nun wieder ausgeglichen werden muss, bevor die Lage völlig eskaliert. Denn auch im oben genannten Roman zeigt sich zum Ende, dass die Schuldigen ihre Strafe bekommen, so oder so.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Technik · Wirtschaft

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