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Die Wahrheit des Wortes

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Was sind schon ein paar Milliarden?

1. April 2008

Auch heute ist wieder ein guter Tag für die deutsche Wirtschaft und ihre Konjunktur. Die Arbeitslosenzahlen fallen weiter, mittlerweile auf gut 3,5 Millionen (8,4%) gegenüber knapp 4,1 Millionen (9,9%) im Vorjahr. Die WestLB hat gut 5 Milliarden Euro Probleme weniger, denn laut dem Nachrichtensender n-tv ist das die Summe, die der Steuerzahler laut eines Kabinettbeschlusses zahlen muss, um die Fehler einiger Topmanager auszubügeln. Sonstige Fakten, wie zum Beispiel 19 Milliarden US-Dollar im Minus bei der UBS-Bank oder 3,1 % Inflationsrate in Deutschland, darf man nicht überbewerten. Genauso wenig wie die rückläufigen Umsatzzahlen im Einzelhandel, die man natürlich auch als Indikator für weniger Konsumlust sehen könnte. Aber wer wird denn gleich schwarzsehen.

Der Umgang mit Zahlen

Man muss sich tatsächlich all diese Milliardensummen, über die wir täglich reden, ein Mal auf der Zunge zergehen lassen. Unabhängig davon, ob wir von den Verlustgeschäften der UBS, der Deutschen Bank oder der WestLB sprechen. Nicht nur das diese Liste unendlich lang fortzuführen wäre, ist es auch der Umgang mit diesen Zahlen der so erschreckend ist. Die Verlustsummen werden immer höher. Sie steigen scheinbar ebenso schnell, wie die Einkünfte derer, die die Verantwortung für diese Fehlspekulationen, für diese Misswirtschaft tragen. Auf der anderen Seite stirbt in Deutschland die Mittelschicht und die Armut wächst unaufhaltsam. Da darf man nicht verwundert sein, wenn ein gewisses Gefühl der Ungerechtigkeit in weiten Teilen der Bevölkerung aufkommt.

Viele der zur Zeit geforderten Lohnerhöhungen klingen utopisch aber auch hier muss man die Situation differenziert betrachten. Denn bei einer aktuellen Inflationsrate von 3,1%, mit der wohl kaum das Ende der Fahnenstange erreicht sein dürfte, benötigt man schon einen erhöhten Kapitalzufluss um alleine schon den Inflationsverlust aufzufangen. Wenn man dann in den Medien noch permanent miterleben darf, dass die Energieversorger sowohl im Moment, wie auch schon wieder zum nächsten Monatsbeginn, die Preise erhöhen wollen, kann man grob kalkulieren wo der Weg hinführt. Natürlich ist es hinlänglich bekannt, dass wir in Deutschland so massiv hohe Energiekosten haben, weil wir ein so gutes Versorgungsnetz haben. So etwas hat eben seinen Preis. Merkwürdig scheinen da nur Hinweise, dass wenn es in diesem Jahr einem sehr heißen Sommer geben sollte, es schnell zu längerfristigen und großflächigen Stromausfällen kommen könnte, da die Netze so marode sind.

Fehler passieren

Der Mindestlohn ist die Tage auch gescheitert, so verlautete es zu mindestens aus Kreisen der CDU. Bei der SPD sieht man dies erwartungsgemäß völlig anders und betrachtet es einfach so, dass das Projekt mehr Zeit braucht bis es Erfolg hat. Eine Strategie, wie sie bisher eher aus Wirtschaftskreisen bekannt war, denn auch hier wird auf lange Sicht alles immer wieder gut. Natürlich stimmt dieser Grundgedanke auch, allerdings darf man dabei nicht übersehen wie viele Menschen währenddessen auf der Strecke bleiben und dies immer wieder nur wegen diversen Fehleinschätzungen verschiedener Verantwortungsträger aus Wirtschaft und Politik. Natürlich, Fehler passieren jedem, da kann sich einfach niemand von frei machen, es bleibt nur ein Mal mehr die Frage nach der Verantwortung. Wenn sich ein Kleinunternehmer oder auch ein mittelständischer Betrieb verkalkuliert, einen kaufmännischen Fehler macht, hat das meistens das Ende zur Folge. Nicht allzu selten folgen die Insolvenz und der soziale Abstieg auch im privaten Bereich.

Nehmen wir allerdings die Seite wo Milliarden versenkt werden oder politische Entscheidungen ganze Bevölkerungsschichten angreifen, kann man von solch tief greifenden Einschnitten eher selten sprechen. Man wechselt einfach das Unternehmen, natürlich nicht ohne seinen Abgang vergoldet bekommen zu haben und macht unbeirrt woanders weiter. Im Notfall wechselt man eben auch schon ein Mal komplett das Metier und geht zum Beispiel von der Politik in die Wirtschaft. Dies aber natürlich nicht ohne auch später immer wieder darauf hinzuweisen, dass man alles richtig gemacht hat, wie es zum Beispiel der Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit seiner Agenda 2010, in der viele einen Baustein der Vernichtung der Mittelschicht sehen, immer wieder gerne tut. In diesem Fall kann man nur sagen im Namen des Volkes ist er heute nicht mehr Kanzler, denn das Volk hat ihn abgewählt. Wirklich geschadet hat es ihm aber auch nicht, weder wirtschaftlich, noch sozial. Sozialdemokrat sollte man eben sein.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Timbo // 11. Apr 2008 at 21:44

    Puh Thorsten,
    so viel Stoff, dass man kaum noch weiß, wo man anfangen soll zu kommentieren…
    Ich will noch Eines zum Thema Energiepreise los werden.
    Es ist eine Farce, dass wir Deutschen hohe Strompreise zahlen, um ökologisch verträglichen Strom zu bekommen. Im Gegenzug verkaufen die Konzerne diese Emmissionen dann für Milliarden ins Ausland.
    Ok, habe ich das richtig verstanden? Wir zahlen MEHR, damit die Konzerne unsere Einsparungen dann für Milliarden in IHRER Tasche weiter verkaufen?
    Bin ich denn der Einzige, dem das komisch vorkommt?
    Viele Grüße!

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