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Die Wahrheit des Wortes

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Was ist eigentlich Negativwachstum?

28. August 2009

Es war eine außerordentlich interessante Woche und ein Highlight wird zum Abschluss noch am Sonntag folgen. An diesem Tag stehen Wahlen im Saarland, in Sachsen und in Thüringen an und man darf erwarten, dass die Ergebnisse wegweisend für die Bundestagswahlen werden. Bis zum letzten Tag arbeitet man auch daran aufzuzeigen, wie gut die Arbeit der großen Parteien ist, wie gut sie als Krisenbewältiger gearbeitet haben, da scheut man sich auch nicht vor wirklich skurrilen Begriffen, wie zum Beispiel Negativwachstum. Affären und Skandale werden einfach vom Tisch gewischt, die Zukunft ignoriert und schon sieht alles wundervoll aus. Dies alles hat mit der Realität nur nicht viel zu tun aber man muss sich natürlich auch immer die Frage stellen, wie viel Politik im allgemeinen mit der Realität in der heutigen Zeit noch zu tun hat.

Danke Herr Ackermann

Nach einem überraschend hohen Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex auf 90,5 Punkte, dürfte man nicht allzu erstaunt gewesen sein, dass nun am gestrigen Tag auch noch der GfK-Index zum fünften Mal in Folge auf den höchsten Stand seit Jahresbeginn kletterte. Die Stimmung im Land geht sogar soweit, dass im Hause von Josef Ackermann, also bei der Deutschen Bank, die Wachstumsprognose laut der Frankfurter Rundschau von minus 6 Prozent auf ein Minus von 5,2 Prozent angehoben wurde. Man muss hier allerdings anmerken, dass es ein so genanntes Negativwachstum gar nicht gibt. Wir sprechen schlicht und ergreifend von einer Schrumpfung, von einer Verringerung aber dies würde wohl wieder zu negativ klingen. Negatives ist gerade auch in Wahlkampfzeiten nicht erwünscht, denn man will zwanghaft die gute Arbeit der Bundesregierung hochhalten. Natürlich haben die Menschen ein positives Gefühl für die Zukunft, denn ihnen wird in den Medien oft genug vorgegaukelt, dass alles nicht so tragisch sei und außerdem ist der Markt natürlich massiv durch Staatsgeld gestützt, wie zum Beispiel durch die Abwrackprämie.

Vielfach wird dabei auch vergessen, dass in diesem Land die Binnenkonjunktur nur eine stiefmütterliche Rolle hat und wir auch weiterhin auf Export setzen und somit die Binnenwirtschaft auch nicht überbewertet werden darf. Ganz zu schweigen von den Entschleunigungsmaßnahmen am Arbeitsmarkt, wie das Kurzarbeitergeld. Der Knall wird noch kommen, überrascht sein dürfte da aber niemand. Nachdem die Dienstwagenaffäre um Ulla Schmidt (SPD), wie auch der Beratungsskandal um Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und das Geburtstagessen von Angela Merkel (CDU) für Deutsche Bank-Chef Ackermann vom Tisch sind, mag man meinen alles wäre nun geklärt. Dies muss man allerdings, gerade auch im letzten Fall nicht so sehen. Juristisch mag dies alles korrekt sein aber es bleibt auch weiterhin merkwürdig, wenn die Kanzlerin von ausreichender Distanz spricht und sich die betroffenen Person im Untersuchungsausschuss zur Hypo Real Estate (HRE) positiv zur Arbeit der Bundesregierung äußert oder eben sein Haus nun die Wachstumsprognose erhöht. Alles Dinge die Merkel (CDU) jetzt im Wahlkampf positiv entgegenkommen. In der Bevölkerung herrscht übrigens eine ganz andere Meinung vor, gerade auch wenn es um die Nähe von Josef Ackermann und Angela Merkel (CDU) geht.

C&A und Quelle

Natürlich gibt es auch in Krisenzeiten immer auch Positives aus der Wirtschaft zu berichten, allerdings geht es hier im Moment meistens nur darum mitzuteilen, dass es nicht ganz so schlimm würde, wie man es erwartet hatte. Dies ist allerdings noch meilenweit von einer guten Entwicklungen entfernt. Außerdem muss man anmerken, dass viele dieser positiven Fakten nur geliehen sind und zwar bei der Gesellschaft selbst. Denn der Preis ist eine Billionenschwere Staatsverschuldung mit deren Abbau noch unzählige Generationen zu kämpfen haben werden. Die Entwicklung ist aber auch arbeitsmarkttechnischen Tricks, wie der Verlängerung des Kurzarbeitergeldes, zu verdanken. Alles Fakten die nicht ewig anhalten werden und ganz plötzlich ins Negative umkippen werden. Hier gilt aber das die Politik ihr höchste Ziel offensichtlich erreicht hat und der wirkliche Hammer erst nach den Bundestagswahlen kommen wird. Denn auch das Kurzarbeitergeld endet irgendwann einmal und dann wird es wohl eine neue Welle an Arbeitslosigkeit geben, die sich dann natürlich auch wieder außerordentlich negativ auf den Konsum auswirken wird. Ein Teil dieser Welle ist im übrigen durch Pleiten, wie zum Beispiel die von Woolworth und Hertie schon unterwegs und dies ist wohl nur der zarte Anfang, denn die Arbeitslosigkeit steckt scheinbar auch schon bei Teilen von Opel und den Arcandor-Unternehmen, wie zum Beispiel Quelle und Karstadt in den Startlöchern. All diese Nachrichten überdeckt man aber in den Medien nur allzu gerne mit einem Ifo-Geschäftsklimaindex oder eben dem GfK-Index.

Das dieser Raubtierkapitalismus, der scheinbar auch noch weiterhin von der Bundesregierung unterstützt wird, in weiten Teilen der Welt, in Europa und damit letztendlich auch in Deutschland immer massivere Auswüchse mit sich bringt, mag man in den Medien vielfach nur ungern kommentieren. Es wirkt doch in den heutigen Tagen schon fast normal, dass es fraglich ist, ob die Ex-Hertiemitarbeiter überhaupt jemals Geld aus dem Sozialplan bekommen werden oder das im Fall von Quelle in Nürnberg noch nicht einmal geklärt ist, ob es eine Transfergesellschaft geben wird. Im letzteren Fall reden wir übrigens auch wieder von fast 2.000 potenziellen Arbeitslosen. Wenn dann auch noch Marktgiganten, wie zum Beispiel die Modehauskette C&A scheinbar mit Billigdiscountern scheitern, denn laut Medienberichten gab man hier nun bekannt, sich kurz nachdem Start wieder vom Projekt Avanti zu trennen, sagt das auch wieder einiges zur tatsächlichen Marktlage aus. All dies sind Indizien dafür, dass entweder etwas mit den in diesem Artikel genannten Indikatoren nicht stimmen kann oder aber, wenn dem nicht so sein sollte, Politiker und Manager in diesem Land auf breiter Front versagen. Anders kann es nicht sein, dass soviel Negatives am Wirtschaftshimmel in Deutschland geschieht bzw. am Horizont aufzieht. Langsam sollte man, so hart es sein mag, zum Realismus zurückkehren, denn ansonsten wird der Absturz spätestens nach den Bundestagswahlen ziemlich brutal und könnte diese Demokratie auf eine harte Probe stellen.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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