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Die Wahrheit des Wortes

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Was für ein Winter

8. Februar 2010

Es wäre wohl ein großer Fehler das Ende des Winters auszurufen aber man könnte zu mindestens hier in Köln schon einmal in Versuchung geraten, schließlich hatte man hier in der letzten Woche schon fast wieder zweistellige Plusgrade. Da aber auch Schnee im März nichts außergewöhnliches ist und wir gerade einmal Anfang Februar haben, belassen wir es bei einer Zwischenbilanz. Der Winter 2009 / 2010 hatte in jedem Fall so seine Extreme, wobei man nicht sagen kann, dass er flächendeckend extrem war. Es waren vor allem die Massen an Schnee, die dann auch noch vielfach an Stellen fielen, wo man es eher nicht gewohnt ist, die vielen Menschen zu schaffen machte. Die Temperaturen waren zwar gerade auch im Januar ein wenig unter dem Durchschnitt aber auch nicht wirklich so extrem kalt. Das eigentlich witzige an diesem Winter war aber wohl, dass er die Wetterfrösche kalt erwischt hatte, denn nach sehr frühem Frost im letzten Jahr, machten viele von ihnen klar, dass es bei einem so frühen Kälteeinbruch, einen sehr milden Winter geben würde. Wie falsch die Wetterexperten an dieser Stelle lagen, weiß man in der Zwischenzeit ganz genau.

Der Winter und die Wirtschaft
Es scheint aber auch so, als würde dieser Winter zeigen, wie sehr sich vieles in Deutschland schon verschoben hat. Da ist man an mancher Stelle doch etwas überrascht, dass sich der Winter nun auch am Arbeitsmarkt negativ niederschlägt und dies sorgt natürlich für weitere Probleme in der Wirtschaft. Eigentlich sollten die vermeintlichen Experten aber nicht überrascht sein, denn Kälte und Schnee gehören letztendlich auch in Deutschland zum Winter. Man wird teilweise aber auch das Gefühl nicht los, dass man irgendwie nicht ganz unglücklich zu sein scheint, dass man so ein weiteres Alibi für die schlechte Situation der deutschen Wirtschaft hat. Man darf auch hier die Relationen nicht aus dem Auge verlieren, denn letztendlich verweist man wo es nur geht ständig darauf, dass Deutschland eine Exportnation ist und da muss man anmerken, dass das was hier gebaut bzw. durch die momentanen Witterungsverhältnisse nicht gebaut wird, mit dem Export doch nur sehr wenig zu tun hat.

Die großen Gewinner dieser Wetterlage sind natürlich die Salzproduzenten, denn schon seit Wochen hört man, dass es kein Streusalz mehr gibt. Ein echtes Highlight in diesem Kontext boten in diesem Winter einmal mehr die Medien, man hatte teilweise das Gefühl, dass mit jeder Schneeflocke weitere Mangelmeldungen in der Salzversorgung rausgebracht wurden, die dann fast täglich wiederholt wurden und dies obwohl es doch in den meisten Fällen noch passte. So kann man natürlich auch gut Unternehmenskurse nach oben treiben. Das paradoxe an dieser Situation war, dass es eigentlich nicht für ein Unternehmen spricht, wenn es nicht ausreichend auf die Nachfrage vorbereitet ist. Hier stand aber darüber die alte Regel von Angebot und Nachfrage und dies bedeutet natürlich, wenn sich Güter verknappen, treibt dies den Preis nach oben. Alles in allem wird sich wohl erst wenn der letzte Schnee geschmolzen ist, in einem halbwegs seriösen Rahmen sagen lassen, wie dieser Winter 2009 / 2010 wirklich auf die Wirtschaft wirkte.

Der Winter und der Staat
Wo steht Deutschland am Anfang dieses neuen Jahrzehntes, auch darauf gab der Winter doch einige Antworten. Wie überfordert die Politik doch mit scheinbar immer mehr Sachverhalten ist, zeigte sich zum Beispiel auch an dem desolaten Umgang mit der Schweinegrippe. Aber dies ist nur eine Facette von vielen, denn man hat das Gefühl, dass die Leistungen des Staates bei zunehmenden Belastungen der Gesellschaft, doch eher rückläufig sind. Ein sehr schönes Beispiel für die Probleme des Staates ist aber auch die seit längerem von der Außenwelt eigentlich abgeschnittene Ostseeinsel Hiddensee. Hier agiert man mittlerweile mit einer Luftbrücke, um die Insulaner zu versorgen. Das Gefeilsche darum, wer nun die Kosten für all dies übernehmen soll, zeigt, wie finanziell ausgeblutet dieses Land mittlerweile ist und man muss sich natürlich die Frage stellen, ob hier noch alles in einem angemessenen Maß gehandelt wird. Denn während man scheinbar 2,5 Millionen Euro für eine Daten-CD problemlos zur Verfügung hat, sieht dies an anderer Stelle im Staate schon ganz anders aus und hier sprechen wir von der Versorgung der Menschen.

Manchmal in diesem Winter konnte einem aber auch Angst und Bange werden. Denn, wenn in Deutschland plötzlich Dächer von relativ neuen Gebäuden einstürzen, fragt man sich, wie marode das Land wirklich ist. Es scheinen sich immer mehr die Wirkungen ständigen Sparzwangs zu zeigen. Eine erschreckende Entwicklung in allen Bereichen, die man im Auge behalten sollte. Die Bundesrepublik Deutschland ist so hoch verschuldet, wie noch nie in ihrer Geschichte. Die Wirtschaft liegt noch immer angezählt am Boden und das in einem Europa, dem es im allgemeinen gar nicht gut geht. Natürlich ist es ein böser Zufall, dass genau in einer solchen Situation auch noch der Winter so zuschlägt aber wie zu Beginn beschrieben, war es nun wirklich auch nicht so schlimm und wir werden wohl auch keinen Jahrhundertwinter bekommen. Es scheint also schon so, als seien sehr viele der Probleme, die wir in den letzten Wochen präsentiert bekommen haben, hausgemacht und man muss sich für die Zukunft überlegen, ob man es zulässt, dass sich diese Situation auch weiterhin in eine negative Richtung entwickelt oder ob nicht gerade auch die Politik gefordert ist, dass Land endlich wieder auf einen besseren Kurs zu bringen, damit man in der Zukunft auch wieder mit Schnee und Kälte im Winter klar kommt.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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