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Die Wahrheit des Wortes

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Warum wirklich jeder von Armut betroffen ist

16. Februar 2010

Viele Menschen mögen jetzt denken, was für ein Blödsinn, mich wird Armut niemals betreffen und eben diese Menschen sollten diesen Artikel ganz genau lesen. Man hat ein gutes Gehalt, ein schönes Auto, auch wenn es ein Dienstwagen ist oder er aber eigentlich bei genauerer Betrachtung noch, bis er kaum noch etwas Wert ist, der Bank gehört. Dann wäre da natürlich noch das schöne Haus, was aber irgendwie eigentlich auch der Bank gehört. Man sieht wie schnell man vieles besitzen kann, ohne viel Eigentum zu haben. Was den Rest angeht, von Elektrogeräten bis Möbel, verliert dies oftmals schon beim Kauf einen Großteil seines Wertes, da muss man nur einmal kurz bei Onlineauktionshäusern vorbeischauen, um auch hier der Realität ins Auge zu blicken. Es ist der große Schein, der so vielen Menschen die Sicherheit für ihr Sein gibt. Nun zerplatzt nicht jede Seifenblase und das muss auch so sein, denn sonst würde das gesamte System direkt kollabieren. Aber wer weiß schon, ob seine Seifenblase hält oder nicht und das Leben kann lange dauern, was sich natürlich auch jeder wünscht.

Das ist der Preis
Natürlich ist es schön, warm und weich in dieser Seifenblase, auch wenn man hier und da nicht das tun oder sagen kann, was man gerne würde, um all dies nicht zu gefährden aber dies ist halt der Preis den man zahlen muss. Aber wofür bezahlt man diesen Preis eigentlich wirklich? Wie viele Menschen in Deutschland, in Europa oder gar auf der ganzen Welt haben wohl die Gewissheit zu sagen, ich behalte meinen Job bis zur Rente und können dann auch noch sagen, ich bin für das Alter so abgesichert, dass ich auch später auf nichts verzichten muss. Gerade in Deutschland weiß man, dass der Rentekasse, bei den momentanen demografischen Erwartung, die dunkelsten Zeiten noch bevorstehen. Das der Staat nach belieben alles ändern kann, wie es ihm gerade passt, haben nicht zuletzt auch die Hartz-IV-Gesetze gezeigt. Man sieht, es könnte daneben gehen sich nur auf den Staat zu verlassen. Aber man hat ja immerhin noch eine private bzw. betriebliche Altersversorgung. Stellt sich an dieser Stelle nur die Frage, wo diese Gelder angelegt sind, immerhin dürfte Lehman Brothers den meisten noch etwas sagen.

All dies hat nichts mit Pessimismus zu tun, es geht viel mehr um die Realität von der man hier liest. Hätte man vor zwanzig Jahren, also im Jahr 1990, darüber geschrieben, dass man 2010 massive Eigenleistungen für die gesundheitliche Versorgung erbringen müsste, eine Praxisgebühr von 20 DM entrichten müsste und auch noch einen monatlichen Zusatzbeitrag, ohne Beteiligung des Arbeitgebers, von 16 DM zahlen müsste, hätte man den Verfasser wohl mindesten als Pessimisten bezeichnet, wenn nicht gar als Vollidiot. Aber er hätte recht gehabt, wie man nun weiß. Nur wenige hatten und haben ein Problem mit dem Solidaritätszuschlag, denn schließlich sollte er uns unter anderem auch blühende Landschaften bringen, auch diese sucht man in den heutigen Tagen oftmals vergebens und wenn es so weiter geht, gibt es bald schon den Soli 2.0, um die Folgen der Weltwirtschaftskrise in den Griff zu bekommen. Aber auch dafür werden uns die Politiker irgend etwas schönes für die Zukunft versprechen, soviel steht fest. Allein hier sieht man schon sehr deutlich womit man den vermeintlichen Wohlstand zum Teil bezahlt, mit der Freiheit.

Es gibt immer einen anderen
Das mit der Freiheit glaubt man kaum aber warum gehen immer weniger Menschen demonstrieren, so schlecht die Situation auch sein mag. Ganz einfach, man möchte seinen Platz im System nicht riskieren. Selbst wenn man bereit ist diesen Preis zu bezahlen und sich dabei auch noch mit ruhigem Gewissen im Spiegel ansehen kann, ist die Gefahr noch lange nicht gebannt. Denn was macht man im Falle der Arbeitslosigkeit oder noch schlimmer, wenn man schwer erkrankt oder gar einen Unfall hat? Bei Krankheit oder Unfällen könnte man noch auf Gott und die Kirche hoffen aber auch das ist ein sinkender Stern, wie die schwindenden Mitgliederzahlen belegen. Und Arbeitslosigkeit mögen viele Menschen, zu mindestens auf längere Sicht, für sich ausschließen, schließlich ist man gut ausgebildet und flexibel. Sind wir auch hier realistisch, die Kinder sind immer durch Kindergarten oder Schule etwas unflexibel und die Familie möchte man wegen dem schnöden Mammon nun wirklich nicht riskieren und eine Immobilie heißt so, weil sie eben nicht mobil ist, was auch nicht gerade für große Flexibilität spricht.

Außerdem kann man in der heutigen Zeit fast immer davon ausgehen, und sollte dies auch tun, dass es irgendwo jemanden gibt, der den Job mindestens genauso gut macht aber vielleicht sogar etwas preiswerter und dies bedeutet entweder man erledigt dies noch preiswerter und rückt der Armut nur in kleinen Stücken näher oder man ist nicht bereit für ein ständig sinkendes Einkommen zu arbeiten, dann werden im schlimmsten Fall die Schritte in Richtung Armut schneller größer. Nun bleibt da noch der Rest, der wirklich einiges an Eigentum hat, welches niemand anderem gehört als einem selbst. Diese Menschen meinen sie hätte mit dem Thema Armut nun wirklich bis in die Ewigkeit nichts zu tun aber auch dies ist falsch. Da die Schere zwischen den Armen und den Reichen, dank raubtierkapitalistischer Auswüchse der Wirtschaft, immer größer wird, gibt es auch immer mehr arme Mitbürger und die werden wohl kaum für immer abgelenkt werden können. Wenn der Zorn dieser Menschen sich in breiter Front entladen sollte, brauchen die, die sich gerade noch so sicher fühlten, hohe und dicke Mauern, um dieses Gefühl auch weiterhin behalten zu können und dann haben auch sie keine Freiheit mehr, sondern leben in einem goldenen Käfig. Vielleicht sollten sich alle Beteiligten noch einmal überlegen, ob in unserer Zeit wirklich alles noch in den richtigen Bahnen verläuft.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 3 Kommentare ↓

  • 1 Andrea Bondi // 18. Feb 2010 at 12:06

    Besitz belastet und engt ein! Aber genau das ist ja von der Administration geplant. Je mehr die Menschen beschäftigt sind, das was sie besitzen auch zu bewahren, umso größer werden die Scheuklappen die sie tragen. Wie Hamster in Laufrädern hecheln sie Tag aus Tag ein vor sich hin – immer den Gott Konsum im Fokus. Sie merken gar nicht, wie sehr sie sich schon vom System abhängig gemacht haben. Sie gaukeln sich vor, es gehe ihnen so gut wie nie! Sie betäuben sich mit Shoppingtouren und vernachlässigen immer mehr die Pflege der wirklich existenziellen Bedürfnisse des Individuums! Sie werden von Politik und Wirtschaft ganz bewusst dumm gehalten! Individualismus ist nicht erwünscht,weil zum einen unbequem und zum anderen gefährlich für das System. Wenn die Menschen wüssten, wie befreiend es ist, Besitz los zu lassen, dann würde das System ganz schnell wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen.
    Aber es gibt auch Menschen, die die Bombe ticken hören! Und die wird in nicht all zu ferner Zukunft mit einem unüberhörbaren Knall explodieren und spätestens dann werden die Menschen sich der Werte besinnen, die das Menschsein wieder lebenswert macht!

  • 2 Claudia // 2. Mrz 2010 at 14:16

    Wieder mal sehr gut getroffen! Ein spannendes Thema, das einen nachdenken lässt

  • 3 Art for Europe // 4. Apr 2010 at 06:54

    [...] stetig ansteigende Armut unterstützen. Denn niemand sollte unterschätzen, dass das Thema Armut am Ende des Tages jeden von uns betrifft. Falls Ihr Anregungen und Ideen zu diesen Themen habt, [...]

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