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Die Wahrheit des Wortes

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Warum der Westen den arabischen Frühling wirklich braucht

31. Mai 2011

In der letzten Woche wurde beim G8-Gipfel im französischen Deauville, dem kleinen Seebad in der Normandie, der Beweis angetreten, was sich in Nordafrika bzw. in der gesamten arabischen Welt tatsächlich gerade abspielt. Denn es wurde klar und deutlich kommuniziert, dass sich nicht nur die politische Welt dort verändern soll, sondern eben vor allem auch die wirtschaftliche. Damit dauerte es nicht allzu lange bis klar wurde, um was es hier wirklich geht. Man erinnert sich noch sehr gut an all das Gerede von Freiheit und Demokratie und nun geht es doch wieder um Märkte, um neue Zielgebiete für die Ausbreitung des globalisierten Raubtierkapitalismus. Aus diesem Blickwinkel betrachtet bekommen natürlich Fakten, wie die Erschießung des Topterroristen Osama bin Laden aber vor allem auch der Krieg in Libyen eine andere Bedeutung. Ganz gezielt scheint hier, von langer Hand geplant, vorgegangen zu werden und wer sich den Plänen des Westens nicht beugt, wird bombardiert. Natürlich geht es in Libyen nur um den Schutz der Bevölkerung, erstaunlich nur, dass man seit geraumer Zeit kaum noch etwas davon hört, wie es auf diesem Gebiet aussieht. Was man allerdings sehr eindrucksvoll vermittelt bekommt, ist eine gezielte Jagd auf die politische Führung des Landes, die man dort nicht mehr sehen mag.

Herbst und Winter
Wenn man vom arabischen Frühling spricht, klingt dies außerordentlich gut, es klingt nach Aufbruch, blühenden Landschaften und ähnlichem und genau hier scheint auch eine Antwort auf die vielen offenen Fragen zu liegen, die sich hier in diesen Tagen ergeben. Denn, wenn man hier vom Frühling spricht, muss man in der westlichen Welt, und hier vor allem in den USA und der Europäischen Union (EU), vom grauen Herbst, vor einem langen kalten Winter sprechen, zu mindestens wenn man sich die ökonomische Lage betrachtet. Alles ist abgeerntet, die Felder sind leer. Hier im Westen scheint es kaum noch was zu holen zu geben. Was liegt da näher, als sich neue unverbrauchte Regionen anzueignen. Der US-Präsident Barack Obama ist wirtschaftlich gescheitert und konnte die meisten seiner Versprechen auch auf diesem Gebiet nicht einhalten. Mit viel Glück konnte er gerade noch vor einigen Wochen den eigenen Staatsbankrott abwenden, auch wenn dieser faktisch eigentlich schon da ist, man nur solche Details oftmals dezent verschweigt. Da sprach man doch so oft und gerne vom Ende der Weltwirtschaftskrise und fragt sich natürlich, was all diese Nachrichten dann zu bedeuten haben. Nachdem immer wieder zelebrierten großen Aufschwung nach der Krise sieht es nun wirklich nicht aus. All dies kommt auch nicht überraschend, hat man doch die Verantwortlichen hinter der Krise eigentlich nie wirklich zur Verantwortung gezogen, sondern ihnen viel mehr die Möglichkeit gegeben ihr Unwesen weiterzutreiben, was ein weitere Beleg für ein kollektives politisches Versagen darstellt.

Nun braucht man aber gar nicht in die Ferne schweifen und diskutieren, wie es auf der anderen Seite des großen Teichs aussieht, denn ein Blick auf Europa zeigt, dass es hier genauso aussieht. Immer mehr Staaten geraten in finanzielle Schieflage und dies ist noch freundlich formuliert. Manch Staat, wie zum Beispiel Griechenland, scheint mittlerweile gar nicht mehr zu retten sein, möchte man nicht weitere, völlige ökonomische Blindflüge unternehmen. Während Deutschland schon zum Zahlmeister der EU geworden ist, sollen jetzt, wenn man den Aussagen der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) folgt, weitere Summen nach Nordafrika gehen und man freut sich jetzt schon auf die nächsten Sparmaßnahmen im eigenen Land, die dann wieder mit überraschend leeren Kassen erklärt werden. Man fragt sich natürlich, wer hier eigentlich profitiert, denn der Durchschnittsbürger dürfte dies, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, nicht sein. Man darf aber davon ausgehen, dass sich deutsche Unternehmen in Zukunft aktiver in diesen Regionen zeigen werden und versuchen werden ihre Firmenwerte dort wachsen zu lassen, wovon dann wieder einmal die schon so oft kritisierte, kleine vermeintliche Elite profitierten wird und der Rest eben wieder leer ausgeht. Eine Lektion, die die Menschen in der arabischen Welt noch lernen müssen, auch wenn sie dieses Grundprinzip eigentlich schon kennen aber noch hoffen es würde sich nun ändern.

Frühling und Sommer
Nordafrika, die arabische Welt verändert sich, dies ist ein Fakt und wie gesagt, es scheint hier auch ein massives wirtschaftliches Interesse zu geben, was übrigens schon lange vor dem Ausbruch der Revolutionen klar war. So hörte man zum Beispiel aus dem Umfeld von Desertec immer wieder, dass man für das ehrgeizige Ziel, weite Teile Europas mit Solarenergie aus der Sahara zu versorgen, mehr Stabilität in der Region bräuchte und man sieht im Moment wohl gerade den Versuch diesem Wunsch aus der Wirtschaft nachzukommen und dies, wie auch der Krieg in Libyen zeigt, sehr eindringlich. Man hat oftmals versucht, gerade auch wenn es um Kontexte aus den Bereichen des internationalen Terrorismus ging, Teile der arabischen Welt als etwas rückständig zu deklarieren. Gibt es besseren Grund und Boden, als solchen, wenn es um den Aufbau neuer Märkte geht? Wohl kaum! Wie gesagt, am Ende des Tages werden hier aber auch nicht die Massen die Sieger ihrer Revolution sein, sondern die, die es auch jetzt schon sind. Die Frage nach Gerechtigkeit mag man gar nicht stellen, denn bislang wurde der Lohn des Volkes immer von den Herrscherfamilien abgeschöpft aber die vertreibt man gerade, damit dann andere Familien das Geld machen können und zwar die hintern den westlichen Großkonzernen. Es sieht wirklich so aus, als würde hier ganz bewusst, unter dem Vorwand eines demokratischen Wandels, einfach nur ein, dem Westen sehr gut ins Konzept passendes, Wirtschaftssystem zur eigenen Gewinnmaximierung installiert.

Aber was passiert, wenn auch diese Teile der Welt abgeerntet sind? Natürlich scheint sich die westliche Welt, um bei der Analogie der Jahreszeiten zu bleiben, erst einmal auf den anstehende Frühling und den folgenden Sommer zu freuen. Nur wenn man das System nicht grundsätzlich verändert, werden auch hier nur völlig heruntergewirtschaftete Regionen bleiben, wie sie aktuell in den USA und Europa das große Problem darstellen. Anstatt sich um eine immer massivere Ausweitung des Gebietes des globalisierten Raubtierkapitalismus zu kümmern, sollte man dieses System einmal gänzlich überarbeiten. Was muss noch geschehen, dass die Verantwortlichen begreifen, dass es so nicht weitergeht. Dieses System ist gescheitert und die steigende Armut, auch in der westlichen Welt und die damit verbundene Spaltung der einzelnen Gesellschaften, sollte ein ausreichendes Warnsignal darstellen. Natürlich ist auch hier massiv die Politik gefordert aber gerade erst der G8-Gipfel in Frankreich scheint auch bewiesen zu haben, dass man in der Regel nur noch Marionetten der Wirtschaft sieht und eine, einem demokratischen System angemessene Trennung dieser beiden Bereiche, scheinbar einfach nicht mehr gegeben ist. Man darf also auch weiterhin mit Spannung auf Nordafrika und die gesamte arabische Welt blicken, denn hier wird sich noch sehr viel bewegen. Im Westen sieht es da ähnlich aus, wobei hier die Vorgaben noch klarer sind und einen großen, aufkommenden Negativtrend erwarten lassen, um den man sich aber scheinbar weniger kümmert, als um den Sieg im Kampf der Kulturen, der nichts anderes ist, als die Ausbreitung der Diktatur des Kapitals.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Der BALLacker » In einem fernen Land // 27. Mai 2012 at 14:54

    [...] Trainer, Berti Vogts, bekam, überraschte auch niemanden wirklich, sieht er seinen Job als Entwicklungshelfer in der Ferne doch langsam aber sicher als erledigt an und möchte scheinbar zurück nach [...]

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