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Die Wahrheit des Wortes

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Warten auf den nächsten Amoklauf

24. Januar 2011

Auch in diesem Jahr scheinen die Kirchen ein spannendes Thema zu bleiben und das liegt nicht nur am Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. der scheinbar auch weiterhin meint alles aussitzen zu können. Das Jahr hat gerade erst begonnen, da folgt auch schon wieder ein Skandal dem nächsten, also wieder Chancen genug für die Kirchen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, für die man schließlich auch eine ganze Menge Kirchensteuer einnimmt, nachzukommen aber vom Vatikan bis in viele Kirchen in Deutschland ist man scheinbar noch im Winterschlaf. Man kann all dies natürlich auch viel zynischer angehen und behaupten, dass man auf den nächsten Amoklauf wartet, der wieder genügend Schäflein in die Kirchen spülen wird. Fakt ist in jedem Fall, dass es im letzten Jahr zum Beispiel in Österreich einen Rekord an Kirchenaustritten gab, was belegt, dass man ein weit größeres Problem, als nur das des deutschen Missbrauchsskandals hat. Richtig ist natürlich auch, dass scheinbar nicht nur die Kirchen ein Problem mit ihrer allgemeinen gesellschaftlichen Verantwortung haben.

Auf den heißen Herbst folgt ein heißes Frühjahr
Auch wenn sich diese Überschrift hervorragend eignen würde, um noch einmal auf die vielen Ungereimtheiten in der Klimadiskussion einzugehen, soll es hier doch einmal mehr um die Gewerkschaften in Deutschland und deren schwindende Bedeutung gehen. Großmundig kündigten die Gewerkschaften im letzten Jahr einmal mehr einen heißen Herbst an, diesen suchte man dann allerdings wieder einmal vergeblich. Während in Deutschland der mit der Agenda 2010 von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) begonnene soziale Kahlschlag auch im letzten Jahr durch die Tigerentenkoalition fleißig fortgesetzt wurde, reichte dies den Gewerkschaften offensichtlich auch noch nicht für wirklich nachhaltige Aktionen aus und man fragt sich, was passieren muss, damit sich hier etwas regt. Allein der Fakt, dass der Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) mit seiner Gesundheitsreform das paritätische Prinzip in der Krankenversicherung zu Gunsten der Arbeitgeber ausgehebelt hat, sollte Grund genug sein, dass jeder Arbeitnehmer und Angestellte auf die Strasse geht. Genau so etwas auf die Beine zu stellen, muss man wohl als eine Hauptaufgabe der Gewerkschaften ansehen. Hier meint man aber scheinbar die reine Ankündigung eines heißen Herbstes würde ausreichen.

Durch ständige Ankündigungen, denen am Ende des Tages keine Taten folgen, macht man sich natürlich wahnsinnig unglaubwürdig. Amüsieren dürfte dies natürlich vor allem die Arbeitgeber, die ihren Gegenspieler so geschwächt sehen, was natürlich ihre Position zum Beispiel bei Gehaltsverhandlungen angeht, stärkt. Dies scheint aber die Großen in den Gewerkschaften nicht wirklich zu stören und anstatt ihre Macht zu behaupten, droht man, gleich nachdem nicht stattgefundnen heißen Herbst, mit einem heißen Frühjahr, was wohl viele mittlerweile einfach nur noch für leere Worthülsen halten. Mit einem solchen Verhalten beweist man natürlich zum einen, dass man scheinbar in den letzten Jahrzehnten doch massiv an Einfluss im Land verloren hat aber vor allem auch, wie eingebunden man mittlerweile in das Gesamtsystem des globalisierten Raubtierkapitalismus ist und das kann für die, die man eigentlich vertreten sollte, nichts Gutes bedeuten. Das sich natürlich auch hier Enttäuschung bei den Mitgliedern verbreitet und dies, wie auch bei den Kirchen, oftmals mit Austritten quittiert wird, dürfte keinen irritieren, sollte allerdings deutlich machen, wie falsch der Weg ist auf dem man sich befindet.

Die Destabilisierung der Gesellschaft
In einer Zeit in der die Spaltung der Gesellschaft immer schneller voranschreitet, sollte man erwarten, dass sich gewisse Kräfte für eine Stabilisierung der Gesellschaft einsetzen. Da die Politik und natürlich schon einmal gar nicht die Wirtschaft dies als ihre Aufgabe ansieht, was in einer so genannten Sozialen Marktwirtschaft allgemein schon sehr merkwürdig anmutet, sollten sich hier gerade Gewerkschaften und Kirchen positiv hervortun. Dies ist in diesen Tagen aber nicht zu erkennen und somit trifft die gerade genannten natürlich auch eine Mitschuld an der Spaltung der Gesellschaft. Welche Berechtigung haben Institutionen, wie eben die Gewerkschaften und die Kirchen noch, wenn sie ihre Anhänger und Mitglieder oder viel mehr deren Interessen nicht mehr ausreichend vertreten bzw. ihnen keinen Halt mehr geben? Welche Ansprüche auf finanzielle Unterstützung durch Beiträge oder Kirchensteuer haben sie noch? Auch dies sind sehr wichtige Fragen mit denen man sich in diesen Tagen verstärkt auseinandersetzen sollte. Ethik und Moral werden auch in Deutschland immer mehr ins Abseits gedrängt auch hier wäre es eine Aufgabe der Kirchen entgegenzuwirken, dies tut man natürlich mit Sicherheit nicht in dem man einen riesigen Missbrauchsskandal versucht auszusitzen.

Scheinbar haben sich die Politik und die Wirtschaft schon lange gegen die Bürger verschworen und sehen diese nur noch als eine produzierende und später konsumierende Masse an, die es stetig zu optimieren gilt. Hier wäre es ein große Aufgabe der Gewerkschaften entgegenzuwirken und für eine Trennung dieser großen Bereiche zu kämpfen. Es gilt den Sozialstaat Deutschland zu retten und nicht sich Freunde in der Politik und Wirtschaft zu machen. Man sieht sehr schön, wie auch im Jahr 2011 wichtige Stützpfeiler der Gesellschaft weiter verrotten und dies wird natürlich nicht folgenlos am gesellschaftlichen Leben vorbeigehen. Irgendwann wird es wieder einen Amoklauf geben und die Menschen werden sich wieder Fragen, wie es soweit kommen konnte und Schützenverein und Computerspiele als Keim des Bösen darzustellen, funktioniert auch immer schlechter. Auch in Deutschland wird die Leiharbeit und andere Arten der Umschichtung von Arbeit, bei immer größer werdenden Löchern in den Geldbörsen der Arbeitnehmer, auf dem Vormarsch bleiben, was natürlich zu immer mehr Frustration, Wut und Zorn führen wird und auch hier haben die Gewerkschaften ihre Mitschuld dran, wenn sie ihr Verhalten nicht nachhaltig verändern. Man sieht, wie groß die Aufgaben sind, die in diesem Jahr gerade auch bei den Kirchen und Gewerkschaften zu bewältigen sind, wollen sie nicht in der völligen Bedeutungslosigkeit verschwinden.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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