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Die Wahrheit des Wortes

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Walter Reinarz von der KVB wird neuer Oberbürgermeister in Köln

1. April 2009

Am 1.April darf man solch eine Überschrift schon ein Mal als Aprilscherz wählen, um Menschen auf eine Ungeheuerlichkeit hinzuweisen. Natürlich gibt es nichts was darauf hinweist, dass der Technik-Vorstand der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) Walter Reinarz sich zur Wahl zum Oberbürgermeister, bei den in diesem Jahr in Köln anstehenden Kommunalwahlen, stellt. Allerdings weißt einiges daraufhin, dass die ganze Politik und Wirtschaft in dieser Stadt scheinbar ein einziger Karnevalsverein ist. Man darf dieses alles wieder zynisch nennen, sollte sich dann nur überlegen, wie man die Entscheidung des Aufsichtrates der KVB vom gestrigen Tag nennt, auch weiterhin am Vorstand Reinarz festzuhalten, wie die Kölnische Rundschau meldete. Im Skandal um den Einsturz des historischen Stadtarchivs räumte zuletzt der Oberbürgermeister (OB) Fritz Schramma (CDU) ein, bei den Kommunalwahlen nicht mehr anzutreten, natürlich tat auch er dies ohne ein Schuldeingeständnis aber er setzte so ein Zeichen. Mit dem Festhalten an Walter Reinarz setzte nun auch die KVB ein Zeichen und zwar ein weiteres Fragezeichen.

Drei Tote im Umfeld des eingestürzten Stadtarchivs

Gestern genau vor vier Wochen stürzte in der Severinstraße im Zentrum Kölns das historische Stadtarchiv ein. Auch vier Wochen nachdem Einsturz, bei dem Kulturgüter von unschätzbarem Wert der Stadt und der Region vernichtet wurden, steht offensichtlich juristisch gesehen noch nicht ein Mal ein konkreter Verdacht im Raum, wer diese Katastrophe zu verantworten hat. Fakt ist nur, dass unmittelbar vor dem Einsturzort, die KVB an der Trasse für ihre Nord-Süd-Verbindung bauen ließ. Fakt ist auch, dass in dem Trümmerfeld ein 17 Jahre alter Lehrling und ein sieben Jahre älterer Student nur noch tot geborgen werden konnten und sich eine 84 Jahre alte Anwohnerin eines im Rahmen dieser Katastrophe abgerissenen Hauses, das Leben nahm. Von all den unzähligen psychologisch und materiell geschädigten Opfern ganz zu schweigen. Offensichtlich möchte man diese Katastrophe aussitzen. Vielleicht stiftet man irgendwann von Seiten der KVB einen Park an der Stelle, an der bis Anfang März noch das historisch Stadtarchiv stand, natürlich mit dem Hinweis, dass man dies ohne Schuldanerkenntnis tut. Der Vorteil, so könnte man ganz real Gras über die Sache wachsen lassen.

Selbst OB Fritz Schramma (CDU) hat Konsequenzen aus der Katastrophe gezogen und Schuld hat er an der Katastrophe selbst wohl am wenigsten, auch wenn die Vorwürfe des schlechten Krisenmanagements weiterhin auf ihm lasten und seine Partei, die CDU, offensichtlich mittlerweile Wählerstimmen kosten. Bei der KVB, von der man im Krisenverlauf so oder so immer wieder den Anschein vermittelt bekam, als hätte sie, in jeder Hinsicht, das Sagen in der Stadt, kam allerdings auch dies Mal kein passendes Signal. Man fährt einen knallharten Kurs, der zum Teil an den Vorstandsvorsitzenden eines anderen Unternehmens, welches sich auch mit Mobilität auseinandersetzt, erinnerte. Dieser knallharte Kurs der Reinarzs und Mehdorns in dieser Republik, scheint eine Art neuer Wirtschaftstrend zu werden und mag er juristisch auch noch so korrekt sein, ist er wohl weit unterhalb des Bereiches, des moralisch vertretbaren anzusiedeln. Eine Firmenpolitik, die sich rein nachdem Gefühl des Betrachters, gegen die Gesellschaft stellt, kann man wohl kaum als moralisch einwandfrei bezeichnen. Allerdings scheint bei der KVB das gleiche zu gelten, wie bei der gerade angesprochenen Deutschen Bahn AG, so lange die Bilanzen, so lange der Erfolg stimmt, ist alles erlaubt.

Wenn die Wirtschaft vor der Politik rangiert

Ein aktueller Besuch an der Unglücksstelle machte klar, dass hier langsam Ruhe einkehrt. Man findet kaum noch Schaulistige und die Medienpräsenz geht langsam auch gegen Null. Man wird das Gefühl nicht los, das diese Katastrophe schon nach vier Wochen immer weiter verdrängt wird. Genau auf diese Tatsache scheinen doch einige Menschen, zum Beispiel bei der KVB, zu setzen. Denn einen OB Schramma (CDU) oder seine Partei kann man abstrafen, allerdings muss die KVB in Köln wohl kaum damit rechnen, dass ihre Fahrgastzahlen nachhaltig zurückgehen und dies scheint einer der wenigen legalen Wege zu sein, um Unmut gegenüber der KVB zu äußern, der auch etwas bewirken könnte. Wer in dieser Stadt seinen Hut nehmen wird und wer scheinbar bis auf weiteres im Amt bleiben darf, kann durchaus als Hinweis darauf verstanden werden, wer in der Stadt wirklich das Sagen hat. Wenn man dieser These folgen mag, könnte man allerdings auch dem Aprilscherz vom Beginn dieses Artikels folgen und Walter Reinarz direkt zum Oberbürgermeister machen. Und genau diese Art der Machtverteilung, in der die Wirtschaft vor der Politik rangiert, ist mit ein Auslöser der Weltwirtschaftskrise. Das dem natürlich nicht so sein darf, schilderte zuletzt noch der Bundespräsident Horst Köhler in seiner vierten Berliner Rede.

Das man in Köln scheinbar ein Ansinne des höchsten Mannes im Staate, so einfach ignoriert und den bemängelten Kurs weiterfährt, bringt wohl viele Menschen an den Rande der Fassungslosigkeit. Natürlich soll niemand vorverurteilt werden aber die Indizien sind so massiv, dass sie wohl nur mit viel juristischem Können und Eifer umschifft werden können und genau dies ist moralisch alleine schon, als mehr als fragwürdig einzustufen. Aber es geht letztendlich nicht nur um den Technik-Vorstand Walter Reinarz, sondern auch um die Menschen, die trotz dieser unfassbaren Katastrophe noch immer den Kurs der KVB unterstützen bzw. tolerieren. All diese Menschen aus dem Bereich der Wirtschaft ,aber auch aus der Politik sollten nur wissen, dass sollte sich herausstellen, dass die KVB auch nur der kleinste Funken an Schuld trifft, noch viel, viel mehr Menschen ihre Posten räumen sollten. Dann sollten sie auch nicht mit gespielter Überraschtheit beeindrucken wollen, denn überraschend wäre daran gar nichts. Denn auch am Ende dieses Tages gilt, dass es eine Großbaustelle direkt vor dem eingestürzten Stadtarchiv in Betrieb war und ganz offensichtlich einige bis hin zu vielen Indizien auf einen Kontext dieser zwei Komponenten hinweisen. Diese Ignoranz die einem hier im Bereich der Wirtschaft und der Kommunalpolitik entgegen kommt ist erschreckend und zeigt so gleich, wie tiefgehend der so oft geforderte Systemwechsel sein muss.

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Technik · Wirtschaft

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