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Die Wahrheit des Wortes

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Waffen töten nicht – Die Krise schon

21. August 2009

Zum Wochenabschluss setzen wir uns hier noch einmal mit einem sehr kritischen Thema auseinander. Nachdem es auch in dieser Woche in Deutschland wieder zu verschiedenen Gewaltakten mit mehreren Todesopfern kam, flammt auch wieder die Diskussion über Schusswaffen in Deutschland auf. Erstaunlich dabei ist immer wieder, wie viel Wert darauf gelegt wird, dass Waffen, Ballerspiele und Gewaltvideos verboten werden sollen. Natürlich soll am besten auch gleich noch das Internet zensiert werden. In die Tiefe zu gehen, scheint vielen allerdings zu kompliziert zu sein. Diesen Menschen sei gesagt, dass ihre Suche und ihr Veränderungswille an der Oberfläche kaum etwas verhindern bzw. verändern wird. Wer Gewalt ausüben will, tut dies auch ohne Schusswaffen. Das Problem sind nicht die Waffen, denn die können nicht töten, dass Problem sind die Menschen und mit denen sollte man sich auseinandersetzen, anstatt mit Paragraphen, Stahl und Holz.

Sprengfallen und Handgranaten gegen Schuldner

In diesem Artikel geht es nicht darum Gewalt zu unterstützen und auch nicht darum dem Verhalten von Gewaltverbrechern und darüber reden wir letztendlich in allen Fällen, eine Legitimation zu geben. Es geht hier viel mehr um die Frage, ob es nicht wesentlich sinnvollere, wenn auch nicht unbedingt einfachere Wege gibt, gegen solche Gewaltexzesse vorzugehen. Zu Wochenbeginn richtete ein 71 Jahre alter Mann in Schwalmtal am Niederrhein in Nordrhein-Westfalen ein Blutbad an und erschoss drei Menschen und verletzte eine weitere Person schwer. Das Haus seiner Tochter sollte versteigert werden und der Täter wollte ein Zeichen setzen, dass man so nicht mit seiner Familie umgeht. In Weinheim in Baden-Württemberg und im gut acht Kilometer entfernten Viernheim in Hessen explodierten zur Wochenmitte Sprengsätze und man versuchte so lange wie möglich hier keinen Zusammenhang herzustellen. Allerdings berichtete dann eine große deutsche Boulevardzeitung, dass es wohl doch einen Zusammenhang dieser beiden Taten, bei der es einen Leichtverletzten gegeben hatte, gab. All dies sollte sich nach der Aufgabe des Täters am gestrigen Tag dann auch bestätigen. Es handelt sich wohl um den 44 Jahre alten Handwerker Jürgen K. der im Begriff war seine Mietwohnung zu verlieren, da er diese nicht mehr bezahlen konnte. Dies kam wohl auch daher, dass er nicht von seinen Kunden bezahlt wurde und somit wollte er sich an diesen nun mit Sprengfallen und Handgranaten rächen.

In Deutschland gibt es zu fast allen Lebensbereichen Statistiken und Untersuchungen aber es scheint zu mindestens ein Gebiet zu geben, welches  man scheut, wie der Teufel das Weihwasser. Wir reden von den Kontexten solcher Straftaten und dem Zustand unserer Gesellschaft. Denn zu mindestens hat die Häufigkeit von Gewalttaten, gerade auch in Zeiten der Krise, gefühlt zu genommen. Es gibt Gewalttaten, wie den Selbstmord des deutschen Großunternehmers Adolf Merckle, der sich im Rahmen der Weltwirtschaftskrise auch massiv verzockt hatte und sich daraufhin zu Jahresbeginn mit 74 Jahren das Leben nahm, die man der Krise direkt zuordnen kann. Hiermit hat man ganz offensichtlich auch kein schwerwiegendes Problem, da sich die ausgeübte Gewalt einzig und alleine gegen den Täter selbst richtet. Sobald aber nun die Gesellschaft im Gesamten mit in solche Taten einbezogen wird, möchte man ganz offensichtlich auch keine Beziehung zur Krise herstellen. In den Medien philosophiert man nun wieder über das Waffenrecht und über den psychologischen Zustand der Täter. Aber zu hinterfragen, wie viele Menschen sich in der Krise auf Grund ihrer Aussichtslosigkeit schon das Leben genommen haben, scheint nicht so wichtig zu sein. Es gab den Fall in Süddeutschland, wo sich ein älteres Ehepaar samt dem eigenen Haus in die Luft jagte, auch hier stand wohl eine Räumung an. Natürlich muss es hier keinen direkten Kontext zur Krise gegeben haben aber es ist doch außerordentlich naheliegend.

Eine Gesellschaft frei von jeder Schuld

Es ist natürlich sehr einfach Täter, wie zum Beispiel auch den Amokschützen von Winnenden als völlig krank darzustellen, ohne nach der Ursache zu fragen. Man setzt sich damit auseinander, dass die Tat hätte verhindert werden können, hätte er keinen Zugriff auf die Schusswaffe seines Vaters gehabt aber genau hier wird wieder viel zu kurz gedacht. Übrigens ein sehr häufiges Problem in dieser immer schnelllebigeren Zeit. Hätte Tim K. die Schusswaffe nicht gehabt, hätte er sich vielleicht ein Messer genommen oder Molotow-Cocktails gebaut, wie es im versuchten Amoklauf von Sankt Augustin der Fall gewesen ist. Was will man dann tun, jede Art von scharfen Klingen und Tankstellen verbieten? Nun kommt der Ansatz, dass das Internet, dass die ganzen Ballerspiele diese Menschen krank gemacht haben und an diesem Punkt ist die Gesellschaft zufrieden, denn sie ist frei von jeder Schuld. Das dies nur die halbe Wahrheit ist, möchte eigentlich niemand hören, denn man müsste diesen Strang nun weiterverfolgen und sich fragen, warum Menschen überhaupt auf diese Darstellungsformen von Gewalt abfahren. Man muss davon ausgehen, dass man irgendwann auf eine große Unzufriedenheit mit dieser Gesellschaft trifft, was die Schuldfrage an die Gesellschaft, plötzlich in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt und zwar in keinem guten.

Der Leistungsdruck in Deutschland nimmt immer mehr zu und das ist von der Wirtschaft auch so gewollt und wird von der Politik auch nicht verhindert oder in grundlegend angemessenere Bahnen gelenkt. Man muss wohl eher sagen, dass der Druck durch Maßnahmen, wie Hartz IV oder 1-Euro-Jobs, auch noch erheblich forciert wird. Nun liegt es in der Natur des Menschen, dass jeder mit diesem Druck anders umgeht und schlimmstenfalls resultieren daraus Tragödien, wie die hier geschilderten. Denn natürlich führt diese gesellschaftliche Entwicklung, diese immer weitere Öffnung der Schere zwischen den Reichen und den Armen, außer zu einer allgemeinen Unzufriedenheit, auch zu Zeitverlust, der oftmals zu lasten der Familien geht. Natürlich führt all dies zu einer Entsolidarisierung in unserem Land, da darf man nicht überrascht sein. So zynisch dies nun klingen mag, muss man wohl die Opfer all dieser Gewaltexzesse, auch als so etwas, wie die Kollateralschäden der schönen neuen Welt in der wir alle Leben ansehen. Und somit ist sogar zu vermuten, dass die Anzahl der Opfer und die Härte der Straftaten in diesem Bereich, mit der Zunahme der Krise und ihrer negativen Folgen, weiter ansteigt. Waffengesetze zu verschärfen, wird in dieser Situation gar nichts bewirken, positiv auf das System einzuwirken, sehr wohl. Wie man auf das System einwirken kann? Ganz einfach, in dem man zum Beispiel politisch aktiv wird und wählen geht und dann sein Kreuz an der richtigen Stelle macht.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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