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Die Wahrheit des Wortes

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Vor 20 Jahren kam die DM

1. Juli 2010

Im Moment kämpft man aus finanztechnischer Sicht immer wieder mit dem Euro und viele sehen ihn jetzt schon als ein Auslaufsmodell einer nicht im Ansatz funktionierenden Globalisierung an. Würde der Euro komplett scheitern stellt sich die Frage, ob die gute, alte DM zurückkommen würde oder wir direkt den US-Dollar einführen. Ernsthaft gesprochen sind Währungen ein großes Thema in diesen Tagen, da bietet es sich natürlich an über den heutigen Jahrestag zu schreiben, denn dieser steht im direkten Kontext zum Thema Währung. Heute vor genau 20 Jahren wurde in der damaligen DDR die Ostmark durch die DM ersetzt, was natürlich nicht nur ein rein finanztechnisches Signal war, sondern auch ein Indiz für die drei Monate später folgende Wiedervereinigung war. Das Ende der DDR war wieder ein Stück näher gerückt. So positiv man dieses Signal von vor 20 Jahren auch bewerten will, gilt leider auch hier, dass nicht alles Gold ist, was glänzt und dies kann man an dieser Stelle fast wörtlich nehmen.

Der Untergang der DDR-Wirtschaft
Man hatte damals beschlossen, dass die Ostmark nach gewissen Kriterien von 2.000 bis 6.000 Ostmark im Verhältnis 1:1 umzutauschen war, was die damaligen Bürger der DDR natürlich gerne und reichlich nutzten. Über diesem Betrag galt ein Wechselkurs von  1:2. So groß die Freude damals auch war, so schnell wurde auch deutlich, dass dies auch der Beginn des Zusammenbruchs der Wirtschaft in der DDR war, den wir bis in die Gegenwart, zum Beispiel in Form des Solidaritätszuschlages, spüren. Da auch die vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) versprochenen Blühenden Landschaft so nie Realität wurden, war dies natürlich auch ein gewaltiger Kraftakt für den Westen der Republik. Es ist in diesem Tagen wohl kaum möglich diese Zeiten detailliert, buchhalterisch aufzuarbeiten, um zu sehen, wie schwer auch diese Folgen eines Teils deutscher Geschichte in die heutige Krisensituation mit einwirken, es wäre nur vermessen zu behaupten, dass es hier keine Kontexte geben würde.

Auch 20 Jahre später haben sich die wirtschaftlichen Verhältnisse im Osten und im Westen Deutschlands noch immer nicht ganz angeglichen. Somit ist dies ein gutes und nicht allzu entferntes Beispiel einer misslungenen Finanzpolitik. Das man hier aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt hat, zeigt auch die aktuelle Eurokrise, denn letztendlich geht es immer wieder um ein und den selben Sachverhalt, es werden finanzpolitische Schritte unternommen, in der Hoffnung, dass alles irgendwie gut geht. Schulden basierend auf Hoffnungen, dies ist mit Sicherheit keine solide Finanzmarktpolitik, weder für Deutschland, noch für den Euroraum, noch für irgendein anderes, seriöses Währungssystem. Als Privatperson würde man ein solches Verhalten, wahrscheinlich noch nicht einmal einem Auszubildenden einer Bank verkauft bekommen. Man stelle sich vor, man geht zur Bank und will einen überdimensionierten Kredit im Verhältnis zu seinem Einkommen aufnehmen mit der Strategie irgendwann einmal reich zu sein und es dann zurückzahlen zu können. Der Banker der da mitspielt, muss wohl erst noch geboren werden.

Keine guten Aussichten
All das hier geschilderte ist natürlich erst einmal völlig losgelöst von der eigentlichen Wiedervereinigung zu sehen, es wirft nur die Frage auf, ob die damaligen Politiker in allen Punkten richtig gehandelt haben oder ob es nicht doch zu einigen, schwerwiegenden Fehlern gekommen ist. Dann wäre da natürlich noch die spannende Frage, ob diese Fehler wirklich aus einer Fehleinschätzung der damaligen Situation entstanden ist oder ob hier mit Vorsatz gehandelt wurde, um vielleicht ganz andere Ziele zu erreichen. Denn natürlich ist es schon auffällig, dass sich manche Fehler immer wieder wiederholen und die Verantwortlichen so tun, als wären sie von der Situation völlig überrascht. Man hätte aus den Fehlern der damaligen Zeit durchaus für den Euro lernen können. Man hätte die Einführung zu mindestens etwas nach hinten verschieben können, um Klarheit über die Folgen der Einführung der DM im Osten zu bekommen. All dies bleibt aus und nur 20 Jahre später steckt man in der nächsten, noch größeren Krise.

Die Szenarien von damals und die aktuelle Krise in der Europäischen Union (EU) bzw. im Euroraum sind doch an vielen Stellen durchaus miteinander vergleichbar und wenn man es im Moment richtig wertet, scheint sich auch diesmal niemand ausreichende Gedanken über den schlechtesten Fall gemacht zu haben. So hat sich über all die Jahrzehnte eine Spirale nach unten entwickelt und es ist langsam an der Zeit diesen Abwärtstrend zu stoppen. Wirtschaftssystem und vor allem Finanzsystem werden auch weiterhin auf Hoffnungen aufgebaut und zwar auf Hoffnungen von denen man aus der Vergangenheit weiß, dass sie in den meisten Fällen zerplatzen, wie Seifenblasen. Außer einigen, wenigen hilft dies niemanden. Dies wiederum hat zur Folge, dass die Unzufriedenheit und die Frustration bei den Massen mehr und mehr wächst. Dieser Trend mag im Moment kurzzeitig, gerade auch in Deutschland, ausgesetzt sein, da man das Sommermärchen der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika träumt aber auch dieser Traum wird irgendwann vorbei sein, dies steht fest.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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