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Die Wahrheit des Wortes

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Von `Wetten, dass…` bis `Domino Day`

10. November 2009

Am gestrigen Abend stand der großes Festakt zum 20. Jahrestages des Mauerfalls am Brandenburger Tor in Berlin auf dem Programm und der Himmel weinte. Man kann nun philosophieren, ob es Freudentränen über das Ereignis selbst waren oder ob es einfach nur Tränen der Trauer darüber waren, wo Deutschland 20 Jahre nach der friedlichen Revolution in der DDR steht. Wahrscheinlich war es aber wohl einfach nur Regen. Wobei man schon sagen muss, dass auch die Tränen der Trauer angebracht gewesen wären, denn das was einem am gestrigen Abend dort präsentiert wurde, war wieder eines dieser Zeichen, wo Deutschland immer mehr hinsteuert oder sollte man sagen abdriftet? Es war eine große Party und diese, kann man wohl sagen, wurde dem Anlass kaum gerecht, gerade auch nicht wenn man sich überlegt, dass hier auch den vielen Maueropfern gedacht werden sollte und es immerhin um so ein ernstes Thema wie Freiheit ging und das sollte man in Deutschland 20 Jahre nachdem Fall der Mauer nicht zu locker sehen.

Die Ignoranz von Präsident Obama
So nett und völkerverbündet die Idee mit den Dominosteinen, die natürlich sehr viel Symbolkraft hatten, auch war, so sehr erinnerte es doch an die RTL-Show `Domino Day`. Das einzige was man vielleicht an dieser Stelle als passend bezeichnen könnte ist, dass die Medien das Volk hervorragend unterhalten wollten oder sollte man nicht doch besser sagen ablenken? Selbiges gilt für die Show im gesamten, denn nicht nur dadurch das Thomas Gottschalk hier moderiert, wirkte es wie `Wetten, dass…` Welches Zeichen wollten uns die Veranstalter hier senden? Vielleicht das Bon Jovi für die Maueropfer rocken und so ihre neue CD promoten? Nein, einen angemessenen Rahmen für ein solch bedeutsames Ereignis stellt man sich anders vor. Man muss natürlich auch einräumen, dass es hervorragend in diese Spaßgesellschaft passt in der scheinbar Ablenkung alles ist was zählt, so kann man später immerhin wieder sagen, dass man von alldem, was in diesem Land geschieht, nichts mitbekommen hat. Aber nicht nur die Art wie hier der Freiheit und den Maueropfern gedacht wurde hat viele Fragen aufgeworfen.

Als einen Eklat muss man es wohl bezeichnen, dass der US-Präsident Barack Obama der Feier fernblieb und stattdessen nur seine Außenministerin Hillary Clinton schickte. Alles was im Kontext des Mauerfalls und den dadurch in der Welt eingetretenen Veränderungen Rang und Namen hatte war anwesend oder konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht erscheinen. Der Mensch, um den es so viele Debatten gab, weil er seinen Wahlkampf am Brandenburger Tor abhalten wollte, hatte nun die Gelegenheit vor diesem, als gewählter Präsident zu sprechen und schlug diese Möglichkeit aus. Hier scheint sich wieder abzuzeichnen, wie man die aktuelle amerikanische Politik, in der man oberflächlich mit jedem befreundet ist, zu deuten hat. Diese Ignoranz der USA ist es, die dafür sorgen, dass es viele Menschen auf der Welt gibt, die mit diesem Staat so viele Probleme haben. Ein Land, welches die Welt in die größte Krise seit sehr, sehr langer Zeit geschickt hat, ein Präsident, der sich bislang nicht wirklich fähig zeigte, etwas nachhaltiges gegen die Folgen zu tun und somit die Freiheit in vielen Teilen der Welt gefährdet, bleibt dem großen Fest der Freiheit fern? Ein Zeichen oder doch nur einfache Ignoranz?

Die Freiheit weggelacht
Armut macht unfrei. Diese einfache Formel kam am gestrigen Tag am Rande auch wieder auf, wurde aber scheinbar ganz bewusst immer wieder im Keim erstickt, schließlich war man zum feiern gekommen. Erschreckend ist es zu sehen, dass ein solcher Anlass, der natürlich ein sehr gute Plattform darstellt auch darüber zu reden, wie es mit der Freiheit in Zeiten wo der Raubtierkapitalismus auf der Erde wütet bestellt ist, nicht genutzt wurde. Bei aller Freude über die vor 20 Jahren durch den Mauerfall errungene Freiheit, muss man auch die Gegenwart im Auge behalten. Was bringt einem die Reisefreiheit, wenn es an Kapital mangelt, um diese zu nutzen. Kapitalmangel entsteht in der heutigen Gesellschaft nur allzu oft durch völlig verfehlte Arbeitsmarktpolitik, die entweder nicht ausreichend Arbeit schafft oder Arbeit schafft, sich aber so sehr von Lobbyisten einlullen lässt, dass von dem Lohn für diese Arbeit kaum jemand leben kann. Auch so schränkt man Freiheit ein und diese ist laut Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) immerhin Grundlage für jede Demokratie. Auch dies zeigt, dass man in Deutschland aber letztendlich in ganz Europa auf einem schlechten Weg ist.

Die Führung der DDR hat Gründe dafür, egal wie verständlich oder auch nicht sie auch immer waren, dass das Warenangebot im Land massiv eingeschränkt war, aktuell übernimmt diesen Job die Europäische Union (EU) und reglementiert Märkte über die Köpfe der Gesellschaft hinweg. Nehmen wir das Beispiel des Glühbirnenverbotes, anstatt hier ein Bewusstsein in der Bevölkerung zu schaffen und so ein vermeintliches Problem über den freien Markt zu regulieren, knebelt man das Volk mit Verboten und Gesetzen. Eine Politik die auf Dauer keinen Bestand haben wird, was auch ein immer stärkeres Desinteresse an der Politik zeigt. Selbiges gilt für die Ausprägung des Kapitalismus, der einen großen Teil der weltweiten Wirtschaft bestimmt und gegen den die Politik entweder nichts machen will oder nichts machen kann, man darf sich nun überlegen welche Variante beängstigender ist. Bei aller Freude die der gestrige Tag an vielen Stellen mit sich brachte, sollte man nicht vergessen, dass wir gerade einmal von 20 Jahren Geschichte reden, deren Verlauf am gestrigen Tag übrigens auch eher selten ein Thema war. Wir sind gerade auch in Europa nicht am Ende des Weges, sondern am Anfang und es ist einmal mehr an den Bürgern die Politik und die Wirtschaft zu kontrollieren, damit dieser Weg nicht wieder in eine Sackgasse führt. Wenn die Bevölkerung dieser Aufgabe nicht nachkommt, sondern sich von so etwas, wie man es am gestrigen Tage am Brandenburger Tor erleben konnte, ablenken lässt, darf sie sich am Ende des Tages auch nicht beschweren, wenn die Freiheit (ver) schwindet.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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