fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Von der Schiene direkt in den Himmel und Deutschland lacht

25. August 2011

Wenn man sich manche Wirtschaftsnachrichten anschaut, fragt man sich wirklich manchmal, ob man nicht versehentlich in einer Comedy-Sendung gelandet ist. Schlimmer noch ist allerdings die Tatsache, dass es bei solchen Nachrichten niemand verwundern darf, dass die deutsche Wirtschaft aktuell so da steht, wie man es an vielen Stellen kritisch anmerkt. Es geht um die Neubesetzung des Chefsessels bei Air Berlin, denn der Firmengründer und so genannte Luftfahrtpionier, wie man ihn interessanterweise auch nennt, Joachim Hunold, nimmt zum 1. September 2011 seinen Hut. Sein Nachfolger soll nun übergangsweise der umstrittene Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn werden und diese Nachricht wäre eigentlich nur noch dadurch zu toppen gewesen, dass der Ex-Gewerkschaftsgegner von Mehdorn, Manfred Schell, mit sofortiger Wirkung den Chefsessel der Pilotenvereinigung Cockpit übernimmt. Kurz nach der Bekanntgabe des Führungswechsels ging es in den Sozialen Netzwerken, wie zum Beispiel bei Facebook, auch gleich sehr lustig zu. Es ging um die zukünftig bei Air Berlin zu erwartenden massiven Verspätungen, darum wie es wohl ist, wenn im Ferienflieger die Klimaanlage ausfällt, plötzlich Türen abfallen oder ähnliches. Bei solchen Einträgen muss man aber auch berücksichtigen, dass sie nicht ganz ohne Grund entstehen.

Da waren die Experten wieder am Start
Man muss tatsächlich kein Analyst, kein Wirtschaftsexperte sein, um zu erkennen, dass man für 30 Euro keine Flüge kreuz und quer durch Europa anbieten kann, wenn man langfristig kaufmännisch sinnvoll planen will. Genau diese Nachhaltigkeit im wirtschaftlichen Denken hat man aber ganz offensichtlich schon vor Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten auch in der deutschen Wirtschaft aufgegeben. Man hört, wenn man die Wirtschaftsnachrichten regelmäßig verfolgt, immer wieder von monströsen Umsätzen oder auf die Flugbranche bezogen von Passagierzahlen, die stetig zunehmen, da die Gesellschaft immer mobiler wird. All diese Zahlen sagen allerdings noch rein gar nichts zum Thema Rentabilität oder Gewinn aus. Wenn man eine Kneipe eröffnet und die Flasche Bier für 10 Cent anbietet, wird man den Laden gerammelt voll haben und hohen Umsatz machen, allerdings auch bald bei der Bank die Erhöhung des Kreditrahmens beantragen müssen, wenn man einmal voraussetzt, dass eine Flasche Bier 50 Cent kostet. Der Banker wird einen bei diesem Geschäftsmodell übrigens wahrscheinlich auslachen und den Kreditrahmen nicht erhöhen. Bei den Big Playern, wo natürlich alles viel komplexer, als bei der Kneipe um die Ecke läuft, sieht es scheinbar schon wieder ganz anders aus. Vom Prinzip her ist genau dies das Problem von Air Berlin, allerdings sieht es hier mit der Kapitalbeschaffung etwas anders aus und Hunold gilt als Pionier und nicht als Lachnummer.

Joachim Hunold gilt vor allem auch deshalb als Luftfahrtpionier, da er es aus dem Nichts geschafft hat, die zweitgrößte Fluggesellschaft in Deutschland aufzubauen und damit dem Klassenprimus Lufthansa Konkurrenz gemacht hat. Nun hinterlässt er ein sanierungsbedürftiges Unternehmen, dem Experten und Analysten einen defizitären Verlauf seit der Unternehmensgründung attestieren und wird vom Bahnchefsanierer Hartmut Mehdorn beerbt. Genau dieser defizitäre Verlauf, lässt natürlich ebenfalls massive Zweifel daran aufkommen, hier von einem Pionier zu sprechen und es wirft zum unzähligsten Mal die Frage auf, wie eigentlich die riesigen Gehälter von Topmanagern gerechtfertigt werden. Es wirft aber vor allem auch die Frage auf, wenn all die Experten und Analysten all dies wussten, warum sie nicht in der Größenordnung, wie sie jetzt versuchen mit ihrem Fachwissen aufzutrumpfen, davor gewarnt haben, was sich hier in den letzten Jahren angebahnt hat. Anbahnung ist natürlich das optimale Stichwort, wenn es um diesen Führungswechsel geht, der doch einen gewissen Teil des Landes einfach nur zum Lachen bringt, auch wenn es oftmals so scheint, als sei dies ein sehr verkrampftes Lachen unter der Maßgabe, dass man ahnt, dass all dies eigentlich nicht gut gehen kann. Aber immerhin ist Air Berlin schon börsennotiert, also kann Mehdorn diese Aufgabe schon einmal nicht vor die Wand fahren.

Die Freude über den Abgang
Als Hartmut Mehdorn die Deutsche Bahn AG verließ, war doch ein gewisses Aufatmen zu verspüren und man hoffte, dass bei der Bahn nun alles besser würde. Heute weiß man, dass es ganz anders kommen sollte. Jetzt kann man sich überlegen, warum die Bahn noch immer so schlecht da steht und zum Beispiel sowohl mit dem Winter Probleme hat, wie auch mit dem Sommer. Die eine Möglichkeit ist, dass der Schaden den Hartmut Mehdorn im Unternehmen angerichtet hat, so groß war, dass sein damals so hochgelobter Nachfolger es in zweieinhalb Jahren gar nicht schaffen konnte, dies alles zu richten. Dies würde den aktuellen Bahnchef Rüdiger Grube natürlich entlasten und keine Zweifel an seinen Fähigkeiten zu lassen, wäre allerdings fatal für die Vita des zukünftigen Chefs von Air Berlin. Die andere Möglichkeit wäre, dass all der Spott und der Hohn gegen Hartmut Mehdorn niemals gerechtfertigt gewesen wäre und damit alle aktuellen Probleme allein auf das Konto von Rüdiger Grube gingen, was natürlich wirklich  schlecht für seine Vita wäre aber den Ex-Bahnchef massiv entlasten würde und eine Erklärung dafür wäre, warum man ihn nun bei der zweitgrößten deutschen Fluglinie haben will. Es gilt hierbei auch festzuhalten, dass man neben all den technischen Schwierigkeiten, auf die in diesem kritischen Artikel angespielt wird, bei der Bahn auch noch ein massives Problem mit seinen Mitarbeitern hat, denn wie die Financial Times Deutschland (FTD) in der letzten Woche mitteilte, sind 70 Prozent der Mitarbeiter dort frustriert bzw. demotiviert.

Vielleicht übernimmt in einigen Jahren Rüdiger Grube tatsächlich die Verantwortung für all dies und tritt ab, als sein Nachfolger könnte man dann Joachim Hunold vorschlagen, denn in diesem Land scheint in der Wirtschaft alles möglich zu sein. Wenn man sich nur anschaut, was sich im Kontext von Air Berlin, der Deutschen Bahn und nicht zuletzt auch bei der Deutschen Bank und dem dort geplanten, wundersamen Führungswechsel abspielt, fragt man sich zwei Dinge mit Sicherheit nicht mehr, Af der einen Seite, wo man eigentlich Absurdistan findet und auf der anderen Seite, warum es um die deutsche Wirtschaft so schlecht aussieht. So lange man solche Zahlen vorliegen hat und solchen Geschäftsmodellen folgt und man darf annehmen, um noch einmal kurz zur Bahn zurückzukommen, dass auch hier im Zusammenhang mit Stuttgart 21 noch massive finanzielle Turbulenzen aufkommen werden, die dann natürlich von den in diesem Zusammenhang im Moment schweigenden Experten und Analysten aller Voraussicht nach, als absehbar deklariert werden, wird es mit Deutschland wirtschaftlich natürlich weiterhin abwärts gehen. Dies wird wahrscheinlich nicht für die Gehälter der Topmanager gelten, die eher auch zukünftig massive Zuwächse zu verzeichnen haben werden, schließlich tragen sie die Verantwortung für all dies. Genau dieser Satz kann eigentlich auch wieder nur aus einem Comedy-Programm stammen, zeigt aber leider die Realität der Wirtschaft auf und dies ist ganz und gar nicht mehr komisch.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Technik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu