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Die Wahrheit des Wortes

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Vom Glück der Pechstein

12. November 2010

Promis, Sport und vor allem auch das gesellschaftliche Leben im ganz allgemeinen haben sich in dieser Woche doch ein klein wenig als ein Schwerpunktthema hervorgehoben, wie auch der heutige Artikel wieder belegt. In dieser Woche stellte die Meisterin des Eisschnelllaufs, Claudia Pechstein, ihre Autobiografie vor, was natürlich auch einen klaren finanziellen Hintergrund hatte. Es ist wohl tatsächlich so, dass sie die Erlöse auch dringend braucht, da die letzten Monate sehr viel an Anwaltskosten, Sachgutachterkosten und ähnliches verursacht haben, denn es ging darum die Vorwürfe des Dopingverdachtes abzuschmettern und ihre Karriere ordentlich, angemessen und vor allem selbstbestimmt zu beenden. All dies gelang ihr allerdings trotzdem nicht und sie sitzt noch immer ihre zweijährige Dopingsperre ab. So ist ihr Buch wohl auch noch einmal so etwas wie ein persönlicher Rechtfertigungsversuch. Natürlich spielt bei allem auch ihr Nervenzusammenbruch noch eine große Rolle und genau diesen gilt es schon genauer zu betrachten, denn er bietet eine große Fläche für Spekulation.

Von Enke bis Kachelmann
In der ersten Wochenhälfte beschäftigte man sich auf dieser journalistischen Internetplattform schon einmal mit der Frage, wie weit die Medien und das der Bilder, die sie von Prominenten aufbauen, auf Strafverfahren aber auch auf das Bild in der Öffentlichkeit ganz allgemein, Einfluss nehmen dürfen. Denn nimmt man die gesamte Geschichte der Claudia Pechstein, könnte man auch noch auf ein ganz anderes Bild kommen. Als der Dopingskandal um sie losging, war auch immer die Rede davon, dass ein Schuldspruch auch arbeitsrechtliche Konsequenzen für sie haben würde und nicht nur rein sportliche. Wie viele andere Sportler auch, ist Pechstein bei der Bundespolizei und zwar als Polizeihauptmeisterin. Von Konsequenzen an dieser Stelle sieht und hört man allerdings in diesen Tagen eigentlich gar nichts mehr. Natürlich kann dies auch damit begründet sein, dass Pechstein nach ihrem Nervenzusammenbruch noch immer krankgeschrieben ist, wobei sie dazu schweigt, warum sie krank geschrieben ist. Auf der anderen Seite verwundert es dann schon einwenig, dass es ihr immerhin so gut zu gehen scheint, dass sie ein Buch schreiben kann und dieses auch gleich promoten kann. Man darf auch nicht vergessen, dass diese Sportlerin von Steuergeldern bezahlt wird, da ihr Arbeitgeber das Bundesinnenministerium ist.

Also, könnte es sein, dass wir hier schon einen großen Teil an Show erleben, wie es auch im Fall Kachelmann an vielen Stellen der Fall zu sein scheint. Aber man sollte auch ins Auge fassen, dass es sein kann, dass sie tatsächlich schwerwiegend erkrankt ist und seine Autobiografie zu schreiben, kann auch einen großen therapeutischen Wert haben und das sie dies aus ihrer Situation heraus dann eben noch für mehr nutzt, ist auch nicht das aller überraschendste und viele würden in einer solchen Situation wahrscheinlich ähnlich handeln. Wie krank die Sportwelt tatsächlich machen kann, musste wir diese Woche auch schon berichten, da sich in dieser Woche auch der Todestag des Keepers von Hannover 96 jährte, der sich vor einem Jahr durch schwere Depressionen getrieben vor einen Zug warf und sich so das Leben nahm. Das Thema Suizid tauchte auch in der aktuellen Buchpräsentation immer wieder auf und man sollte natürlich voraussetzen, dass diese Welt ethisch und moralisch noch nicht so verkommen ist, dass irgendwer solche Sachverhalten einfach nur einsetzen würde, um am Ende des Tages besser da zu stehen. Aber natürlich zweifelt man in diesen Tagen auch an Vielem, was man bislang als Gesetz angesehen hat, da scheinbar alles möglich ist und es so gut wie keine Tabus mehr gibt.

Der Spiegel
Natürlich fällt es einem sehr schwer solche Fälle wirklich zu beurteilen, da man die Personen nicht wirklich kennt, sondern meist nur das Bild vor Augen hat, welches Dritte, also die Medien, aufgebaut haben. Hier muss man natürlich sehr vorsichtig sein, da viele Faktoren eine Rolle spielen, die dargestellten Protagonisten haben ein Anliegen daran, in einem gewissen Licht in der Öffentlichkeit zu stehen, um möglichst interessant zu sein, um dieses Interesse dann vergolden zu können. Die Medien haben ein Interesse an Auflage, an Quote und schauen somit scheinbar auch oftmals mehr nach Verkaufsfaktoren, als nach der sachlichen Wahrheit. Aus all den so entstandenen, angeblich unabhängigen Informationen nun die Wahrheit herauszulesen, ist schwer bis hin zu unmöglich. Deshalb sollte man mit einem Urteil auch immer schwer aufpassen, denn es könnte sich irgendwann, als verhängnisvoll falsch herausstellen, wie man schmerzhaft durch den Suizid von Robert Enke erleben musste. Auch hier stand die Tat nicht im Einklang mit dem Bild, welches man durch die Medien von ihm hatte. Eine ähnliche Gefahr lauert nun natürlich auch im Fall Pechstein.

Eben wurde der Verlust von ethischen und moralischen Werten schon kurz angesprochen und auch hier sollte man vorsichtig sein. Viele Dinge die man bei den Promis, auch bei denen aus dem Sport, sieht und über die man sich dann maßlos aufregt, sind in weiten Teilen der Gesellschaft auch üblich, von daher scheinen die Promis uns oftmals einen Spiegel vorzuhalten oder eben genau anders herum. Nimmt man einmal an, die Krankmeldung von Claudia Pechstein würde einem anderen Ziel als ihrer Rekonvaleszenz dienen, was würde dies bedeuten? Hat nicht so gut wie jeder schon einmal Urlaub auf einen Gelben Schein gemacht? Das Streben nachdem totalen Erfolg ist über die Jahre in unsere Gesellschaft doch zu so etwas wie einem Leitmotiv geworden, welchem auch sehr viele Menschen nacheifern. Man sollte sich also bevor man an dieser Stelle damit beginnt Steine zu werfen, ganz genau umschauen, in welchem Glashaus man eigentlich selber sitzt, ansonsten könnte man schnell in einem riesigen Scherbenhaufen sitzen, wie es ein Claudia Pechstein oder auch ein Jörg Kachelmann im Moment auch schon tun.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Sport · Wirtschaft

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