Volksverdummung durch die Medien?
14. Januar 2010
Immer neue TV-Formate, immer neue Soaps, Telenovelas und Reality-Shows. Auf der anderen Seite immer neue Spielformate von Onlinespielen bis zu Konsolen für das Wohnzimmer, die Welt wird mit Banalitäten nur so überflutet. Es stellt sich nun die Frage, ob man der These folgen kann, dass die Medien so Mitschuld daran tragen, dass diese Gesellschaft offensichtlich immer mehr verdummt, denn anders ist es nicht zu erklären, dass sie all dies, was sich in dieser Zeit von 911 über die Weltwirtschaftskrise bis zum heutigen Tage so tut, fast kommentarlos über sich ergehen lässt. Wenn man dieser These folgt, stellt sich natürlich die alles entscheidende Frage, wer steckt hinter alldem? Wahrscheinlich ist die Frage etwa so komplex wie die, ob zu erst das Huhn oder das Ei da war. Trotzdem lohnt es sich den Entwicklungen auf diesem Sektor einmal auf den Grund zu gehen.
Nicht ablenken lassen
Natürlich ist auch hier in der Redaktion vor allem eines klar, all das würde nicht funktionieren, wenn nicht auch die passenden Märkte vorhanden wären. Dies bedeutet natürlich gibt es für all die unzähligen Sendungen und Shows, wie auch für den unüberschaubaren Markt der verschiedenen Spiele, ausreichend Konsumenten. Hier stellt sich die Frage, warum dem so ist? In einer Zeit, wo sich auf der ganzen Welt die Politik, wie auch die Wirtschaft grundlegend verändert, möchte man doch meinen, dass sich die Menschen eher mit den Fakten die ihr Leben direkt betreffen auseinandersetzen, als das sie sich in fremde, meist nicht reale Welten flüchten. Allerdings muss man bedenken, dass sich viele Menschen zum Teil in diese Welten flüchten, da sie mit ihrem Leben unzufrieden sind und dort Erfüllungen finden, die sie im realen Leben scheinbar nicht finden. Zum anderen wird der Alltag immer stressiger und Menschen nutzen diese Fluchtpunkte, um von der immer härter werdenden Realität zu mindestens für eine gewisse Zeit abzuschalten.
Die Ereignisse vom 11. September 2001 haben nicht nur zu einer Ausweitung von Terror, Krieg und Gewalt auf unserer Erde geführt, sondern auch zu einem immer größer werdenden Überwachungssystem und zur massiven Einschränkung der Persönlichkeitsrechte. Die Mächtigen, die diesen Weg auch noch weiterhin verfolgen, freuen sich natürlich über jeden Menschen der Soaps anstatt Nachrichten schaut oder ein Onlinespiel spielt anstatt sich mit einem Politmagazin auseinander zusetzen. So braucht man noch nicht einmal großartige Mittel der Zensur anzuwenden, denn die Inhalte kommen auch so bei den wenigsten an. Wenn die Menschen so schlau wären, sich nicht durch all diese Dinge immer ablenken zu lassen, wären sie am Ende des Tages über die ein oder andere Entwicklung nur halb so überrascht. Gerade in Deutschland hat man noch den Vorteil, dass sich die Zensur meist als Zensur durch Kapital zeigt, was nicht im Ansatz so schlimm ist, wie die Zensur zum Beispiel in China und dem Iran.
Mal eine Pause machen
Dieses hohe Gut einer verhältnismäßig großen Freiheit sollte man viel mehr nutzen, denn viele andere Menschen wären froh, wenn sie diese Art der Freiheit genießen könnten. Die Weltwirtschaftskrise ist, genau wie 911 ein weiterer Punkt den man wohl später in den Geschichtsbüchern als Wendepunkt wiederfinden wird und nach heutiger Sicht wahrscheinlich nicht als Wendepunkt hin zu einer besseren Welt. Natürlich ist die Realität oft hart und natürlich ist es da schönen sich in den Traumwelten irgendwelcher Soaps aufzuhalten, man verpasst halt nur das Leben, die Realität und könnte irgendwann übelst davon eingeholt oder schlimmsten Falls gar überholt werden. Nun bedeutet dies im Umkehrschluss auch nicht gleich, dass man jeder freie Minute mit Nachrichten verbringen muss. Wobei auch hier die Qualität in Deutschland scheinbar immer mehr nachlässt und das ist ein Vorwurf, der ganz klar an die Medien geht, denn auch die Menschen, die hier die Verantwortung tragen, sind Mitglieder dieser Gesellschaft und haben somit auch eine Verantwortung ihr gegenüber. Es ist wie bei vielem im Leben eine Frage der Dosis und natürlich auch der Qualität.
Vieles was heutzutage gesendet wird oder auch auf dem Spielemarkt geboten wird, ist an Qualität kaum noch zu unterbieten und zum Teil einfach nur unerträglich. Wenn die Menschen sich hier auf Dauer mehr auf Qualität besinnen würden und den Rest einfach nicht mehr schauen bzw. kaufen würden, würde sich die Qualität zu mindestens in kleinen Schritten verbessern, denn was nicht geschaut bzw. gekauft wird, stirbt früher oder später von alleine aus. Insofern kann man den Medien hier nur einen bedingten Vorwurf machen, frei nachdem Motto, der Versuch ist nicht strafbar und so lange es eben von der Gesellschaft angenommen und akzeptiert wird, verdummt sich diese quasi ein stückweit selber. Ein trauriger Akt der Selbstverstümmlung, der sich im Leben noch rächen könnte. Der Minderheit der vermeintlichen Eliten und Experten auf diesem Planeten kommt all dies nur entgegen, denn was sie brauchen sind fleißige gut abgelenkte Arbeitsbienchen mit einer hohen Konsumlust, denn das ist der beste Weg, wie sie ihre Macht und ihren Wohlstand immer weiter ausbauen können und hier muss sich jeder für sich überlegen, ob er diesen Teil im System übernehmen möchte.
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Bis jetzt 4 Kommentare ↓
1 Ideenhai // 14. Jan 2010 at 13:02
Wir dürfen nicht den Unterschied verlieren zwischen der Wahrheit des Wortes und der eigenen Wahrnehmung. Es ist nicht wissen, die aus deinen Worten spricht, sondern Arroganz. Es ist die Arroganz, dass dir das Programm nicht genügt, dass du besser weißt, wie gutes Programm aussehen muss und die Masse dies nicht entscheiden kann. Nein, dass Programm ist nicht wirklich schlechter geworden. Es ist sicherlich viel mehr geworden und waren Tutti Frutti und Derek wirklich besser? Konnte früher wirklich detailierter und richtiger über Nachrichten berichtet werden? Ist es einfach die Wahrheit zu ergründen? Nein, ist es eben nicht. Auch wenn wir die neuen Informationsmedien haben, ist es immer noch schwierig zwischen Altagsweisheiten und Wahrheit zu unterscheiden. Nachrichten stehen allgemein unter einem starken Zeitdruck und müssen versuchen die Situation zu analysieren und dann auch noch in einem prägnanten Artikel darzustellen, der dann auch noch den Ansprüchen der eigenen Zielgruppe entsprechen muss.
Interessanter Beitrag dazu: http://www.brandeins.de/archiv/magazin/warum-wir-stillstehen-die-tyrannei-der-vorurteile/artikel/immer-duemmer.html
2 Tweets die Volksverdummung durch die Medien? erwähnt -- Topsy.com // 14. Jan 2010 at 20:49
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von fairschreiben, fairschreiben erwähnt. fairschreiben sagte: Verdummen die Medien in unseren Tagen die Gesellschaft?: http://bit.ly/4I4ons [...]
3 Peter Weber // 21. Jan 2011 at 01:43
Die bei weitem unterhaltsamste Darstellung zu dieser Entwicklung ist in diesen Tagen in der Satire “Die Akte Sokrates” des Petreius Hyphantes erschienen (Buchtitel: Die Demagogen). Hier ein kleiner Auszug:
Euphemos:
Du bist führungsstark und vertrauenswürdig, also beides, äh, … ich meine, also sehr populär.
Burleskos:
Daran hatte ich nie gezweifelt. Wer ist denn noch beliebt in der Stadt?
Theseus:
Der Magistrat Thessalos. Die Athener verehren ihn in einem wahren Kult.
Antheus:
Keiner genießt solch einen Status.
Syntheus:
Kultstatus!
Hui (von draußen): Huiii!
Burleskos (ergrimmt):
Was erlaubt …?
Euphemos (beschwichtigend):
Er ist wirklich sehr populär wegen seiner unbestechlichen Untersuchung der Korruptionsfrevel, Chef. Daher ist er im Moment der absolute Liebling, niemand sonst ist auch nur annähernd so prominent!
Syntheus:
Lieblingspromi!
Burleskos (sich bezwingend):
Ja, das ist ein guter Mann, auch wenn er einige von unseren besten Freunden in den Kerker geworfen hat. Vielleicht können wir ihn ja auf unsere Seite ziehen? Darum sollten wir seine Ermittlungen in unseren Lampenbildern noch prominenter herausstellen, um seinen Nimbus für unsere Sache zu kultivieren.
Syntheus:
Promikult!
Euphemos (begeistert):
Mit Vergnügen! Du hast doch immer die besten Ideen, Chef. Deshalb kommst du auch gleich hinter ihm auf der Popularitätsskala. Das heißt, dich lieben die Athener eigentlich noch mehr.
Syntheus (unter ruckartigen Kopfbewegungen weiter mechanisch repetierend):
Kultstatus … Lieblingspromi … Promikult … Kultstatus … Lieblingspromi … Promikult …
Hui (von draußen): Hui! Hui! Hui!
Burleskos:
Hört ihr, wie sie mich rufen?
Burleskos lauscht entzückt den jauchzenden Rufen von Hui und geht ihnen nach, hinaus auf den Marktplatz.
Burleskos (in Ekstase):
Habt ihr gehört? Ich bin populär! Ich bin der Populärste von allen!
Mit meinen Talenten weiß ich immer zu gefallen.
Das müssen selbst meine schlimmsten Gegner erkennen,
um die Tatsachen einmal beim Namen zu nennen:
Ich bin der Größte, Reichste und Schönste von Athen!
Ein Phänomen wie mich hat die Welt noch nicht gesehn.
Wer sich da nicht mit mir freut, der kennt kein Erbarmen,
drum kommt, ihr Millionen, und lasst euch umarmen!
Hui steigt von ihrer Schaukel, stürzt sich in seine Arme und küsst ihn. Er kneift ihr in den Po.
Hui:
Hui!
Er deutet einen Tango an, grabscht ihr an den Busen und drückt sie zu Boden. Sie dreht sich unter ihm durch und kommt auf allen Vieren wieder hoch. Er steigt auf ihren Rücken und beginnt zu reiten, ein imaginäres Lasso schwingend.
Burleskos:
Yippie, yeah! Wenn mich jetzt meine Freunde auf dem Kapitol sehen könnten!
Hui:
Hui, hui, hui, (langsamer) hui, (erschöpft) puh …
Burleskos (mit einem Klaps):
Du bist meine Beste.
4 Simon Geisen // 15. Aug 2011 at 01:04
Ich habe mal irgendwo gelesen: Die Dummen werde immer duemmer und die Schlauen immer schlauer. Ich denke damit ist gemeint, dass die Dummen unserer Gesellschaft immer wieder diejenigen Sendungen Talkshows etc gucken, die sie halt geistig wenig fordern und wo niedere Reize bedient werden. Die Schlauen wollen sich im Regelfall weiterbilden. Halt auf die Art wie sie erst schlau geworden sind und konsumieren anspruchsvollere Medien. Ich persoenlich wuerde mir nur auesserst selten rtl2 und co anschauen (die Ausnahme ist Welt der Wunder) weil alles andere gespielt ist und mir wenig glaubwuerdig erscheint. Meine Lieblingssender sind das Zweite RTL und Pro Sieben. ARD und Arte erscheinen mir schon zu konservativ und altbacken. Arte wurde ja genau aus dem Grubd ibs Leben gerufen, weil viele Leute sich beschwerten, es wuerdezuviel oberflaechliches im TV gezeigt und trotzdem wird Arte heute weitestgehends verschmaeht. Ich denke unsere Gesellschaft sollte mehr aktiv sein als ihr Leben passiv vorm TV zu verbringen. Dannkann man sich auch leichter sein eigenes Bild von der Realitaet machen und nicht durch sie Sichtweise des Fernsehens quasi durch eine verzerrte Brille. Ich merke oft, dass, wenn ich zu lange vor der Glotze sitze, dass ich ubzufrieden werde, weil zu viel Scheisse auf der Welt passiert, weil halt nur ueber das Schlimme berichtet wird und selten ueber das Gute das meine ich mit der verzerrten Brille.
Schreib was dazu