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Die Wahrheit des Wortes

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Viele Schuldige ergeben Unschuld

30. Juli 2010

Auch zum Wochenabschluss widmet man sich hier noch einmal der Katastrophe von Duisburg. Bislang kamen in Folge der Massenpanik, die sich dort entwickelte, 21 Personen ums Leben und eine bislang noch nicht endgültig bestimmte Anzahl an Menschen wurde verletzt. Wie sich die Woche über immer wieder zeigte, wirft dies nun natürlich die verschiedensten Frage auf und die wohl wichtigsten Fragen sind die nach der Schuld und der Verantwortung. Bei solchen Fragen kommt man natürlich auch ganz schnell in den Bereich der juristischen Tragweite solcher Tragödien, dies darf allerdings nicht dazu führen, dass man solche Fragen ganz allgemein ausklammert. Denn das ein solches Unglück, wie es am Wochenende im Ruhrgebiet stattfand, aus reinem Zufall passiert, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen.

Von Eschede über Köln bis Duisburg
Wir kenne sie alle, die Tragödien die Deutschland bewegten. Da ist die Katastrophe von Eschede mit ihren 101 Todesopfern ein genauso trauriges Beispiel, wie der Einsturz des historischen Stadtarchivs in Köln vor mehr als einem Jahr oder eben auch die Katastrophe vom letzten Wochenende während der Loveparade in Duisburg. Ohne Staatsanwälten, Richtern oder anderen Hütern des Rechts vorgreifen zu wollen, scheint es so, als gäbe es immer wieder Unglücke für die niemand ernsthaft zur Verantwortung gezogen würde und dies ist natürlich erstaunlich. Spricht man zum Beispiel von den Gehältern bei Topmanagern, wird der Begriff Verantwortung immer wieder gerne zur Rechtfertigung von sehr hohen Gehältern herangezogen aber wo liegt diese Verantwortung? Kommen Menschen zu Schaden muss geklärt werden wer hierfür die Verantwortung trägt, dies stellt sich allerdings als sehr kompliziert dar. Denn ein Bahnchef führt keine Züge und ein KVB-Chef schachtet auch nicht selber irgendwelche U-Bahn-Tunnel aus.

In unserer heutigen, vom allgemeinen Globalisierungswahn geprägten Welt, werden die Aufgaben auf unendlich viele Schultern verteilt und es scheint oftmals so, als würde es für jede noch so kleine Einheit in einem Konzern eine eigenständige Tochterfirma geben. Bei einem solchen Geflecht streut man natürlich auch im gleichen Maß die Verantwortung und diese teilt sich somit in kleinste Teile auf. Im Falle der Loveparade sind es nicht so sehr viele aber doch schon einige von der Stadtverwaltung über den Veranstalter bis hin zu privaten Sicherheitsfirmen und staatlichen Sicherheitskräften. Man sieht hier schon, dass es kaum möglich sein wird jetzt einer bestimmten Person oder einem Organ alleine eine Schuld nachzuweisen. Also könnte es darauf hinaus laufen, wie in solchen Fällen oftmals geschehen, dass es am Ende des Tages viele Schuldige gibt, dessen Anteil allerdings so gering ist, dass die Verfahren eingestellt werden bzw. die Strafen so gering sind, dass sie auch kaum etwas bewirken. Einen gesamtheitlichen Kontext stellt man auch so gut wie nie fest, denn sonst wäre es wohl als organisierte Kriminalität zu sehen.

Der Freund Zufall
In Fällen mit den hier geschilderten Auswirkungen hört man doch sehr häufig von der Verquickung unglücklicher Sachverhalte. Ob man es glaubt oder nicht aber auf diesen Gebieten gibt es den klassischen Zufall noch sehr häufig, während man ihn anderswo eher mit dem Kommentar, dass es soviel Zufall gar nicht geben könnte, ablehnen würde. Auch im Fall von Duisburg fällt es außerordentlich schwer an den Zufall zu glauben. Denn alleine nur nach den Besucherzahlen aus Essen vor zwei Jahren zu urteilen, kann keiner davon sprechen, dass es ein Zufall gewesen sei, dass weit mehr als 1 Millionen Besucher zur Loveparade nach Duisburg kamen. Das verschiedene Personen, verschiedenste Warnungen, die es im Vorfeld der Veranstaltung gab, nicht mitbekommen haben, kann man wohl realistisch betrachtet auch nicht als Zufall durchgehen lassen. Diese Liste könnte man nun unendlich weit fortsetzen aber auch dies würde nichts bringen. Fakt ist es, dass die breite Masse wohl kaum an ein Zusammenspiel von so vielen Zufällen glaubt.

Kommen wir aber noch einmal auf die Vergütung der Verantwortung vom Anfang zurück, denn hier könnte man zukünftig ansetzen. Wenn ein Veranstalter der Loveparade durch seine Gewinne seine Verantwortung vergütet bekommt, wenn ein Bürgermeister Steuergelder für seine Verantwortung erhält, sollten sich solche Menschen zukünftig nicht mehr hinter Zufällen oder eventueller Fehler ausführender Personen verstecken können, sondern die volle juristische Verantwortung übernehmen, sowohl was das Finanzielle angeht, wie aber auch gegebenenfalls Fakten aus dem strafrechtlichen Bereich. Hier ist auch Tony Hayward von BP ein gutes Beispiel, denn auch hier ist die Schuldfrage noch nicht geklärt und auch hier wurden schon diverse Subunternehmen genannt. Dies kann aber nicht sein, wenn Hayward für all dies vergütet wird. Wie in dieser Woche bereits mehrfach erwähnt, grenzt es dann an Zynismus, wenn diese Menschen, in welcher Form auch immer, ihr Versagen auch noch durch Abfindungen, Pensionen oder ähnliches vergoldet bekommen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Andrea Bondi // 30. Jul 2010 at 07:48

    “Volle juristische Verantwortung”! Das wäre die Lösung, den kriminellen Machenschaften der “herrschenden Eliten” endlich einen Riegel vorzuschieben.
    Da ist nämlich in den vergangenen Dekaden, der Begriff Verantwortung, unerträglich verwässert worden. Man spricht im Politikerdeutsch von “politische Verantwortung übernehmen”….und was heißt das im Klartext?
    Mist bauen, betrügen, veruntreuen und dann, wenn diesen “Volksvertretern” auf die Schliche gekommen wird, übernehmen die politische Verantwortung, indem sie zurück treten. Ihre Person aus dem Fokus der Massen entfernen, Gras über die Sache wachsen lassen und…………NICHTS und!
    Die können wirklich machen, was sie wollen ohne in irgendeiner Weise belangt zu werden! Es geschieht ihnen nichts!!!!!! Im Gegenteil, die kassieren weiter irgendwelche Pensionen, Abfindungen, etc. Und wer bezahlt das? Man ahnt es schon – der “Souverän”!

    Das Gleiche gilt auch für so Figuren wie einen Tony Hayward! Der bekommt für seine desaströse Performance auch noch € 14.000.000,- in den gierigen Schlund gestopft!

    Irgendwie sind doch alle gleich! Nur manche sind eben gleicher!

    Langsam macht sich eine chronische Übelkeit in mir breit! Dieser täglich fabrizierte Unrat wird immer unerträglicher!

  • 2 Art for Europe » RUHR.2010 – Die langen und dunklen Schatten // 25. Nov 2013 at 10:28

    [...] eine Ansammlung von Verdächtigen, die Raum für die Spekulation bietet, dass es durchaus keine Gerechtigkeit geben werden könnte. Dies bedeutet für Duisburg, dass 21 Menschen ihr Leben lassen [...]

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