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Die Wahrheit des Wortes

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Videokameras gegen Zivilcourage

24. Juni 2008

Am gestrigen Tag begann vor dem Münchener Landgericht das Verfahren gegen den Griechen Spyridon L. (18) und den Türken Serkan A. (21). Diese beiden mutmaßlichen Täter hatten am 20.12.2007 in der Münchener U-Bahnstation Arabellapark solange auf den Rentner Bruno N. (76) eingeschlagen und eingetreten, bis dieser fast an den Folgen der Angriffe verstarb. Selbst als er wehr-und regungslos am Boden dieser U-Bahnstation lag, hörten sie nicht auf. Das Opfer erlitt schwerste Kopfverletzungen, sowie Gehirnblutungen und konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. All dies geschah nur auf Grund der Tatsache, dass Bruno N. die mutmaßlichen Täter zuvor gebeten hatte in der U-Bahn nicht zu rauchen. So darf es auch nicht verwundern, dass die Anklage gegen die beiden mutmaßlichen Täter, in dem nun begonnen Prozess, unter anderem auf versuchten Mord lautet.

Opferschutz muss ganz oben auf der Agenda stehen

Im Kontext zu dieser brutalen Straftat werden natürlich wieder viele Debatten geführt. So zum Beispiel über den Sinn oder Unsinn von Videoüberwachung, wie aber auch über das Thema Zivilcourage. Bei allem sollte allerdings eines immer ganz weit oben auf der Agenda stehen und das tut es leider häufig nicht, der Opferschutz. Vielfach wird nach einer Erklärung für diese unvorstellbar brutal Tat gesucht, dies ist auch erst ein Mal durchaus legitim. Allerdings sollte man nicht versuchen hierdurch die mutmaßlichen Täter zu entlasten. Denn natürlich entschuldigen sie sich bei dem Opfer, alles andere würde das zu erwartende Strafmaß auch weiterhin in die Höhe schnellen lassen, denn Reue ist bei der Bemessung des Strafmaßes sehr entscheidend. Nun kann man aber Reue, bzw. die Ernsthaftigkeit hinter dieser, nicht messen. Ein weiterer Fakt, den es auch im deutschen Rechtssystem gibt, ist die strafmildernde Wirkung von Alkoholeinfluss und Drogen im Kontext zur Zurechnungsfähigkeit. Auch ein Punkt auf den die Verteidigung der mutmaßlichen Täter nun baut. Denn angeblich waren die mutmaßlichen Täter zur Tatzeit stark alkoholisiert und hatten Kokain konsumiert.

Ein Fakt, der wohl vielen Menschen suspekt vorkommen muss, ist die positive Wirkung von Alkohol und Drogen auf das Strafmaß. Man könnte dies allzu schnell so verstehen, dass man für weitgehende Narrenfreiheit, einfach nur ausreichend Alkohol und oder Drogen konsumieren muss. Es kann nicht sein, dass ein Mensch mit Zivilcourage, der sich dafür eingesetzt hat, dass sich zwei junge Menschen an die Regeln der Gesellschaft halten, fast mit dem Leben dafür bezahlen muss. Wenn Menschen, und hierbei spielt das Alter und die Nationalität erst ein Mal keine Rolle, mit den Spielregeln auf die unsere Gesellschaft aufbaut nicht klar kommen, stellt sich die Frage, in wie weit sie zu dieser Gesellschaft gehören oder auch nicht. Wenn sie nicht dazu gehören, stellt sich hier die Frage nachdem Grund. Können sie auf Grund irgendwelcher Defizite nicht dazugehören, muss man mit Hochdruck daran arbeiten, dass diese Defizite ausgeglichen werden. Wollen sie es wiederum nicht, kann man ihnen in vielen Fällen bei einer Eingliederung nicht helfen und sollte sie dann auch von der Gesellschaft fernhalten, um genau diese zu schützen.

Mehr und bessere Bildung anstatt eines Überwachungsstaates

Es gibt aber, wie gesagt, weitere erschreckende Auswüchse die dieser Fall mit sich bringt. Nicht nur das der Fall gerade auch in der Boulevardpresse schamlos ausgeschlachtet wurde bzw. wird. Oder aus den weitestgehend bekannten Fakten ein ganzes Wahlkampfthema aufgebaut wurde. Als einer der wohl als traurigsten Tatsachen muss man festhalten, dass es zu einer Werbeveranstaltung für flächendeckende Videoüberwachung wird. Natürlich hat die Videoüberwachung in diesem Fall zu einer schnellen Überführung der mutmaßlichen Täter geführt. So konnten diese schon am 23.12.2007 festgenommen werden. Es hat sich aber auch gezeigt, dass eine Abschreckungswirkung dieser Technik nicht vorhanden ist. Es ist auch bekannt, dass sich andere Straftaten nachdem Einsatz von Videoüberwachung dann einfach in unüberwachte Regionen verlagern. Außerdem wird einem vermittelt, dass man sich selbst um nichts mehr kümmern braucht, keine Zivilcourage, wie sie Bruno N. zeigte, zeigen muss, denn das übernimmt alles `Big Brother` für uns. Jetzt zu versuchen Zivilcourage durch Videokameras zu ersetzen kann nur der falsche Weg sein.

Natürlich dürfte sich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) über diesen schnellen Fahndungserfolg, dank Videoüberwachung, sehr gefreut haben, schließlich gibt es seiner Politik nach immer mehr Überwachung, bis hinein in die tiefste Privatsphäre, oberflächlich Recht. Fakt ist aber auch, dass auch diese Überwachungskamera eine brutale Straftat nicht verhindern konnte. Es muss ein Umdenken geschehen. Weg vom Überwachungsstaat, hinzu zu mehr Integration und Bildung. So zeigt das Beispiel der Stadt Hannover, wo man sehr bemüht ist den türkischstämmigen Teil der Bevölkerung zu integrieren und im Bereich der Bildung sehr gut zu versorgen, dass auch die Zahlen im Bereich der Kriminalität in dieser Gruppe stark rückläufig sind. Es ist aber auch diese Bundesregierung, der scheinbar außer immer wieder neuen Worthülsen ohne Füllung, nicht viel zu diesem Bereich Bildung einfällt. Dies bewies ein Mal mehr auch der erst vor einigen Wochen veröffentlichte Bildungsbericht. Wenn man diesen als Indikator zur Lage der Nation zu Grunde legt, kommen wohl noch harte Jahre auf uns zu.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Marcel // 1. Jul 2008 at 15:06

    Ich gewinne den Eindruck der Verfasser hat etwas gegen die Überwachungskameras. Aber gerade dank den Überwachunsanlagen wurden die Täter ermittelt.
    Und Zivilcourage, von der hier so viel erzählt wird, wird nur dann gezeigt, wenn ein Ausländer das Opfer ist. Ist es, wie in diesem Fall und wie so oft, anders, bleibt diese Art der Hilfe schnell aus.
    Und meine Meinung zum Strafmaß: Zur schweren Körperverletzung bzw. versuchten Mord kommt hier auch noch Rassismuss hinzu. Die Täter riefen laut Zeitungsberichten mehrmals “scheiß Deutscher”.
    Dank neuem Gesetz dürfen wir jetzt Jugendliche nach ihrer regulären Haft auch in Sicherungsverwahrung stecken. Das sollte man mit den beiden “Kulturverbesserern” tun!

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