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Die Wahrheit des Wortes

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Vernichten deutsche Banken bewusst den Mittelstand?

6. Juli 2009

Es waren turbulente Nachrichten zum Ende der Woche, die sich auch noch über das Wochenende hinaus fortsetzen werden. Das böse Wort der Kreditklemme ist plötzlich wieder in aller Munde und das obwohl die Milliarden nur so sprudeln. Natürlich mischt sich da auch wieder gerne die Politik ein und in diesem Kontext gab es unter anderem auch sehr spannende Aussagen des Bundespräsidenten Horst Köhler. Auf der anderen Seite wurde an diesem Wochenende auch wieder klar, wie groß der Unmut in Teilen der Bevölkerung ist und mit was für einer Brutalität sich dieser äußern kann. Zum Ende des alljährlichen Festes im Hamburger Schanzenviertel kam es auch in diesem Jahr wieder zu Ausschreitungen, allerdings in einer nicht gekannten Form der Gewalt. In den Medien versucht man natürlich auch weiterhin diese beiden Sachverhalte strickt zu trennen, wobei die Kontexte eigentlich recht offensichtlich sind und immer deutlicher ans Tageslicht treten.

Ein sommerlicher Bundespräsident

Zum Ende der Woche drohten einige Politiker aus den beiden großen politischen Lagern, die nun seit 60 Jahren die Bundesrepublik Deutschland (mit)regieren, mit massiven Maßnahmen, sollte es zu einer generellen Kreditklemme kommen. Aber was bedeutet generell? Vielleicht meint man damit, wenn nicht ein Cent mehr an Krediten vergeben wird. Man muss berücksichtigen, dass es im Moment sehr wohl noch Kredite oder die Hilfe für solche gibt. Aktuellste Beispiele sind Opel und Quelle. Über die wirklichen Verlierer der momentanen Situation berichten die Medien aber eher nur am Rande. Denn obwohl den Banken gerade erst fast eine halbe Billionen Euro zu einem sehr günstigen Zinssatz von der Europäischen Zentralbank (EZB)  zur Verfügung gestellt wurde, kommt davon beim Mittelstand kaum etwas an. Dieses Thema war natürlich auch eines, welches im Sommerinterview im ZDF zwischen Peter Hahne und Bundespräsidenten Horst Köhler besprochen wurde. Das Interview fand im Kloster Chorin statt, wo auch schon Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) bewegende Worte fand. Unser 1943 in Polen geborene Bundespräsident, der doch ohne Krawatte außerordentlich sommerlich leger daher kam, machte außerordentlich interessante Aussagen, wie er die Kreditklemme im speziellen aber auch die wirtschaftliche Entwicklung und deren gesellschaftliche Auswirkungen im allgemeinen, bekämpfen will. Ganz im Sinne von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), sieht auch Köhler die Gesellschaft sehr stark in der Verantwortung. Völlig vergessen scheinen da die negativen Entwicklungen, die diese Agenda 2010 mit sich brachte. Es ist übrigens an dieser Stelle nicht sehr hilfreich, immer wieder zu versuchen das Scheitern dieser Agenda damit zu kaschieren, dass man immer wieder alleine die Weltwirtschaftskrise für die momentane Situation verantwortlich macht.

Im Interview, ganz in der Nähe von Berlin, stellte man einmal mehr fest, dass Köhler so etwas, wie ein bekennender Fan der Agenda 2010 ist aber der Mann hält auch die Arbeit der aktuellen Bundesregierung, vor allem auch im Kontext zur Weltwirtschaftskrise, für gelungen. Erschreckende Aussagen, wenn man sich betrachtet, wo die Bundesrepublik in der heutigen Zeit steht. Köhler, der Anwalt des Volkes, sagt zwar auch sehr klar, dass die Banker das Schiff vor die Wand gesetzt hätten aber wenn es um mehr Geld, gerade auch für den Mittelstand geht, klingt das was er sagt doch eher nach betteln, als nach einer klaren Forderung in Richtung deutscher Banken. Was nicht wirklich klar wurde ist, warum die Gesellschaft, warum das Volk für die Fehler, die sich bis zum heutigen Tage fortsetzen, ständig aufkommen soll. Dies gilt vor allem wenn man merkt, dass scheinbar selbst die Politik nicht in der Lage ist, gegen das massive Versagen vermeintlicher Eliten zu wirken. Wenn man sich die heutige Lage der Wirtschaft in Deutschland anschaut, bekommt man streckenweise das Gefühl, dass hier durch die verschiedenen Großkonzerne aber auch durch die Politik der Mittelstand systematisch vernichtet werden soll. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, hat man am Ende dieses Prozesses ein rein monopolitisch gesteuertes Wirtschaftssystem und dies ist wohl kaum ein System, welches eine freiheitsliebende Nation mittragen sollte. Wenn man all dies einmal in dem gerade beschriebenen Kontext sieht, stellt sich schon die Frage, ob Köhler eher der Anwalt des Volkes oder der Wirtschaft ist.

Volle Öltanker vor Rotterdam

Während hier vielfach weiter über die Krise gesprochen wird, darüber wie schwer es ist an Kapital zu gelangen, gehen vor Rotterdam immer mehr Tanker vor Anker. Viele Analysten gehen scheinbar davon aus, dass der Ölpreis in kürzester Zeit wieder massiv ansteigen wird. In sofern tankt man nun die Schiffe in Rotterdam schon einmal voll und wartet danach vor der Küste auf steigende Ölpreise. Wenn diese dann kommen, wird hier wieder durch die Medien gehen, dass die Erhöhung der Energiepreise durch die allgemeine Preiserhöhung am Ölmarkt gekommen ist. Das unzählige Millionen Barrel Öl zu preiswerten Kursen in diesen Tagen eingekauft wurden, wird dann lange vergessen sein. Man mag auch gar nicht darüber nachdenken, wie viele Millionen Euro dort vor Anker liegen und auf der anderen Seite spricht man von einer Kreditklemme. Hier draußen auf hoher See wird mächtig gezockt und man fragt sich, ob es wirklich eine Krise gibt oder ob hier nicht viel mehr eine Marktbereinigung stattfinden soll, um sich lästiger kleiner Konkurrenten zu entledigen. Natürlich reden wir bei diesen Geschäften vor der Küste Rotterdams von angloamerikanischen Banken aber dies sollte man nicht dafür nutzen, um zu sagen man hätte damit nichts am Hut. Wir leben in einer völlig globalisierten Weltwirtschaft und da muss man auch auf so etwas einwirken können oder darüber nachdenken, ob die Globalisierung am Ende des Tages überhaupt einen Sinn macht. Denken hilft in Krisenzeiten so oder so. Auf RTL berichtete man an diesem Wochenende wieder von den tobenden Rabattschlachten im Einzelhandel, die in diesem Land als Folge der Weltwirtschaftskrise stattfinden würden. Merkwürdig nur, dass genau dies vor der Krise auch schon so war aber da denken nur die wenigsten dran und so kann man im Moment so gut wie alles in einem Kontext zur Krise verkaufen.

Positiv ist es aber auch festzustellen, dass immer mehr Menschen aufwachen und verstehen um was es hier wirklich geht. Denn es geht ganz offensichtlich nicht um eine Abkehr vom Raubtierkapitalismus, sondern um die entgültige Manifestierung dieser außerordentlich perfiden Form des Kapitalismus, als das einzig gültige Wirtschaftssystem. Hierzu passt dann auch wieder die Aussage des Bundespräsidenten. Man entlässt die vermeintlichen Experten und Eliten immer mehr aus der Verantwortung und diese darf dann die Gesellschaft übernehmen aber natürlich ohne von den Gewinne zu partizipieren. So etwas sorgt für Unmut und dieser zeigt sich auch in immer brutalerer Form auf Deutschlands Strassen, so zu letzt auch im Hamburger Schanzenviertel, in dem 1.800 Polizisten ein massives Problem mit der Gewalt hatten, die ihnen dort entgegen schlug. Man spricht davon, dass die Gewalt gerade auch gegen Polizisten immer mehr zunimmt, anstatt nun aber ausgiebig nach den Gründen zu forschen, wird direkt wieder der Schrei nach schärferen Gesetzen laut. Aber warum herrscht mittlerweile auch auf deutschen Strassen immer wieder Anarchie? Warum möchte man sich nicht mit dieser Frage beschäftigen, woher dieses große Potenzial, welches übrigens immer größer wird, in der Gesellschaft kommt? Wenn man nicht beginnt sich mit dieser Frage auseinander zusetzen und mit gleicher Härte gegen die vorgeht, die Anarchie in der Wirtschaft verbreiten, wird man irgendwann einen Polizeistaat brauchen, um all dies noch irgendwie kontrollieren zu können. Denn auch in Hamburg zeigte sich wieder, dass die Antwort der Gesellschaft auf Anarchie in der Wirtschaft, auch immer häufiger Anarchie auf den Strassen bedeutet. Dies darf unter keinen Umständen als Rechtfertigung von Gewalt verstanden werden. Man muss nur festhalten, dass es ganz offensichtlich einen steigenden Anteil an Menschen in der Bevölkerung gibt, die sich nach 60 Jahren, die dieses Land von den großen Volksparteien dahin gesteuert wurde, wo es jetzt ist, die demokratischen Wege, wie zum Beispiel Wahlen, nicht mehr als ihr Mittel ansehen. Eine gefährliche Situation die sich auch dieses Wochenende wieder weiterentwickelt hat.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Matt // 6. Jul 2009 at 20:49

    So schnell kann man den deutschen Mittelstand wohl nicht in die Knie Zwingen. Die stärke der deutschen Wirtschaft beruht ja zu einem großen Teil auf dem Mittelstand. Viel mehr als man das durch die täglichen Nachrichten denken würde. Ich denke sobald die Banken wieder das Gefühl haben alles in Griff zu haben werde die günstigen Kredite auch wieder weitergegeben. Solange muss man nun halt durchhalten und hoffen daß es nicht mehr allzu lange dauert.

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