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Die Wahrheit des Wortes

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Unsere Zukunft – Die Generation Porno

15. April 2009

Von Zeit zu Zeit schauen unsere Redaktionsmitglieder in Deutschland und damit auch ich, die Sendung `37 Grad` im ZDF. Hier werden immer Mal wieder recht spannende Reportagen und Dokumentationen gezeigt, so auch am gestrigen Abend, als es unter dem Titel `Generation Porno` um die Nutzung von Hardcore-Pornos durch Kinder und Jugendliche ging. Letztendlich war es ein interessanter Gedankenanstoß, um ein Mal mehr darüber zu schreiben, an welchem Punkt sich unsere Gesellschaft im Moment befindet, wie sie dort hingelangte und wo sie wohl, wenn die Wege beibehalten werden, später ein Mal ankommt. Spannend war es aber auch zu sehen, dass egal wie sich die Medien entwickeln, natürlich die Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen noch immer bei den Erziehungsberechtigten liegt und hier scheint es ganz offensichtlich zu gewissen Versäumnissen zu kommen, wie es allerdings auch schon immer war und scheinbar auch vom System gewollt ist.

Von Generation zu Generation

Zum besseren Verständnis sei erklärt das ich Jahrgang 1971 bin und spannende Parallelen bzw. Weiterentwicklungen dessen sehe, was sich in meiner Jugend, in meiner Schulzeit getan hat. Wenn man sich die Ergebnisse meiner Generation anschaut, sind diese wohl nicht ganz so schlimm, wie sie einige erwartet haben, allerdings kommt die wirkliche Bewährungsprobe meiner Generation wohl auch erst noch. Heute steckt die Bundesrepublik Deutschland, wie auch der Rest der Welt, in einer Wirtschaftskrise, wie sie auch dieses Land noch nicht erlebt hat. Diese ist allerdings nur zu einem geringen Anteil durch meine Generation verschuldet, denn die meisten großen Wirtschaftskapitäne, Politiker und Entscheider entspringen einer ganz anderen Generation. Allerdings rücken mehr und mehr Personen aus meiner Generation nun in der Verantwortung nach, wie zum Beispiel der Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der sogar noch einige Monate jünger ist als ich. Zu meiner Schulzeit kamen die Videos und damit in der Folge auch die Videotheken auf, das Privatfernsehen entwickelte sich und es gab die ersten Computerspiele. Alles Teufelswerkzeug, was die Entwicklung dieser Generation zwingend negativ beeinflussen würde, meinte man damals vielfach, ähnlich wie man das Internet heute betrachtet. Es kam aber auch der Begriff der so genannten Schlüsselkinder auf.

Schlüsselkinder waren junge Schulkinder, die einen eigenen Schlüssel hatten, da sie Mittags alleine waren als sie aus der Schule zurückkamen. Dies hatte den Grund, dass entweder beide Elternteile berufstätig waren oder, und das war damals noch eine große Ausnahme, die Eltern geschieden waren. Diese Entwicklung in unserer Gesellschaft hat sich seit damals natürlich rasant weiterentwickelt, da gerade auch die Zahl der Alleinerziehenden massiv angewachsen ist aber auch der wirtschaftliche Druck wesentlich höher geworden ist und es so häufiger vorkommt, dass beide Elternteile arbeiten gehen wollen oder müssen. Die Ansprüche in unserer heutigen Gesellschaft haben sich natürlich auch verändert, womit es nun auch für die Eltern gilt, Dinge zu erreichen über die man damals wahrscheinlich so gar nicht nachgedacht hätte. Der Trend geht gerade auch im Bereich der Arbeiter weg von der Mietswohnung und hin zum Eigenheim. Das was damals Arbeitersiedlungen waren, sind heute Wohnblocks in denen mehrheitlich Hartz IV-Empfänger leben, was diese Entwicklung auch noch ein Mal sehr deutlich macht. Man möchte mehr haben, die Statussymbole haben sich nach oben verschoben und damit muss, um dies zu erreichen, auch mehr geleistet werden. Unter dieser Entwicklung leidet aber vielfach die ganzen Familie, was in schlimmsten Fall zur Trennung führt und damit vielfach auch zum sozialen Absturz einiger, wenn nicht sogar aller Familienbeteiligter führt.

Angst vor der Zukunft

Man will sich auf der einen Seite mehr gönnen und auf der anderen Seite ist auch eine große Unsicherheit im Kontext zur Zukunft zu sehen. Beides wird oft als Grund angegeben, warum junge paare auf Kinder verzichten, wie verbreitet diese Meinung ist, zeigen auch die immer weiter rückläufige Geburtenraten. Wie begründet diese Ängste sind, zeigt zum Beispiel die umwelttechnische Entwicklung auf unserer Erde aber auch ganz aktuell die Weltwirtschaftskrise, die noch mehr Mensch als bislang mit in den Abgrund reißen wird. Vieler derer, die sich allerdings trotz dieser Faktoren für Kinder entschieden haben, weisen oft zwei Faktoren auf. Zum einen eine Überforderung mit der Situation, die oftmals durch finanziellen Druck ausgelöst oder erschwert wird und zum anderen auch einen gewissen Egoismus in den verschiedensten Ausprägungen. Im schlimmsten Fall spielen beide Komponenten in einander. Dies war auch im zu Beginn genannten Beitrag sehr schön zu verfolgen. Man muss festhalten, dass hier, bis auf eine kleine Sequenz, nur Mütter der Generation Porno gezeigt wurden und der Beitrag leider nicht deutlich machte, ob dies Zufall war oder es sich jeweils um alleinerziehende Mütter handelte. Es wurde aber auch klar, dass vielen Kindern mehr Eigenverantwortung übertragen wird, was zum Teil soweit ging, dass Schulkinder, wenn auch wohl freiwillig, den ganzen Haushalt managen. Eine andere Mutter zeigte sich mit dem Medium Internet völlig überfordert und genauso sollte es natürlich nicht sein.

Im letzt genannten Fall suchte der 13-jährige Sohn einen Kurs zum Umgang mit dem Internet auf, ob die Mutter etwas unternahm um ihre Defizite auszugleichen, ließ der Beitrag offen. Eltern müssen handeln und wenn sie mit dem Medium Internet überfordert sind, müssen sie es im Notfall ganz verbieten. Dies ist zwar der schlechteste Weg aber letztendlich im Notfall besser als gar nichts zu tun und auch Kinder aus meiner Generation haben sich gut entwickelt, obwohl sie kein oder kaum Fernsehen zur Verfügung hatten. Pornos gab es damals, wie es sie auch in der heutigen Zeit gibt. Natürlich hat sich durch Handys und das Internet vieles verändert aber meiner Meinung nach, findet hier keine Entwicklung statt auf die Eltern nicht auch positiv einwirken könnten. Es ist viel mehr die Frage, ob sie dies wollen und das System es zu lässt. Genau hier scheint der Knackpunkt zu sein, denn ein erhöhter wirtschaftlicher Druck jedem Einzelnen gegenüber, erschwert dies ungemein. So macht sich eine scheinbar immer breitere Masse an sozial Schwachen breit, deren Chancen auf Bildung und Erfolg gering sind. Genau diese Massen lassen sich aber viel besser lenken und zu produktiven Zwecken einsetzen, als eine Gesellschaft mit gut ausgebildeten Individuen. In sofern ist eine so genannte Generation Porno, scheinbar auch von der Politik und der Wirtschaft gewollt und das macht mir viel mehr Angst, als die Generation selbst.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Katarina // 28. Aug 2012 at 10:42

    Der Beitrag hat mir sehr gut gefallen. Ich persönlich denke auch, dass ein Verbot des Internets nicht der richtige Weg sein kann, nur weil darin Pornos geschaut werden. Es ist in der heutigen Zeit einfach eines der besten Informationsquellen. Die Eltern sowie die Schule muss bei der Sexualaufklärung auf das Thema Pornographie eingehen, da in der heutigen Jugend zu große Wissenslücken vorhanden sind. Auf http://harri-wettstein.de/pornoforschung/ wird übrigens versucht, wie man dies am besten umsetzen kann.

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