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Die Wahrheit des Wortes

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Ungerechtigkeit und Egoismus regieren in Europa

27. Januar 2009

Dieser Tage kann man in den Medien wieder an vielen Stellen wahrnehmen, dass in Europa, wenn nicht sogar in der ganzen Welt, vor allem Ungerechtigkeit und Egoismus regiert. Dies bezieht sich in aller erster Linie auf wirtschaftspolitische, aber natürlich auch auf sozialpolitische Inhalte. Diese negative Entwicklung wirkt sich natürlich in der momentanen wirtschaftlichen Krise, die die Welt fest im Griff, für manche Menschen noch härter aus. Milliarden an Euros verschwinden im wirtschaftlichen Nirwana, Staaten drohen in die Pleite abzurutschen und retten sich mehr und mehr auf Kosten der Allgemeinheit und die tatsächlichen Verursacher kommen ohne Konsequenzen davon. Außerdem zeigt sich in der Krise auch wieder sehr schön, dass es das vereinigte Europa für dessen Bürger scheinbar noch immer nicht gibt und wahrscheinlich auch nie geben wird.

Staatsgelder für Unternehmen aber nicht für die Bevölkerung

Es wird sehr schwer nach Außen zu kommunizieren sein, dass ein Klaus Zumwinkel, der bis vor nicht allzu langer Zeit noch Chef des Global Players Deutsche Post war, mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon kommt und zusätzlich eine Geldbuße zahlen muss, die gerade ein Mal ein Drittel, also umgerechnet vier Monatsgehälter, seines Einkommens als Postchef ausmacht. Auf der anderen Seite wird heute gerichtlich entschieden, ob Kinder bzw. Jugendliche mit 207 bzw. 211 Euro staatlicher Beihilfe im Monat menschenwürdig leben können. Der Staat kürzt schon seit Jahren die sozialen Hilfen für seine Bürger, immer unter der Maßgabe sparen zu müssen. Aber warum muss der Staat sparen? Unter anderem weil Menschen wie Klaus Zumwinkel dem Staat versuchen durch Steuerhinterziehung Gelder vorzubehalten. An dieser Stelle sei angemerkt, dass es in den Medien hieß, dass das Strafmaß gegen Zumwinkel unter anderem so moderat ausfiel, weil er so gut kooperierte. Diese Auffassung muss man wohl kaum teilen, denn er räumte wohl sein Vergehen ein, dies war den Strafermittlungsbehörden allerdings schon längst bekannt, eine weitere wichtige Frage konnte im Prozess aber scheinbar nicht ausreichend geklärt werden und somit bleibt offen, wo die Motivation für seine Tat lag.

Die fränkische Scheffler-Gruppe hat sich ganz offensichtlich bei der Übernahme des wesentlich größeren Konkurrenten Continental verkalkuliert und will nun, dass der Staat, also letztendlich der Steuerzahler, diese Fehler des Managements ausgleicht. Eine Firmenstrategie die offensichtlich in diesem Land nun mehr und mehr zur Mode wird. Wie die verschiedenen Rettungsschirme der Regierung bislang schon bewiesen haben, muss der Staat übrigens an dieser Stelle ganz und gar nicht sparen. Mit Gerechtigkeit hat dies nicht im Ansatz etwas zu tun. An dieser Stelle kommt dann immer wieder die Arbeitsplatzsicherungskeule, mit der man versucht solche Kritik niederzuknüppeln, zum Vorschein. Dies ist interessant, denn jetzt schon leidet die Bevölkerung durch Lohnverlust bei Kurzarbeit. Dies bedeutet man wird an zwei Stellen zur Kasse gebeten und dies in Zeiten, in denen Siemens-Chef Peter Löscher, aber auch der Chef des Aufsichtsrates bei Siemens Dr. Gerhard Cromme sich eine ordentliche Vergütungserhöhung zukommen lassen wollen. Wie schon in verschiedenen Artikeln, gerade auch aus dem Bereich Gesellschaft erwähnt, führt genau dieses Verhalten, welches man zu mindestens als außerordentlich unsensibel einstufen muss, zu einer sich ausweitenden negativen Stimmung im Volk, die man nicht unterschätzen sollte.

Proteste von Island bis ins Baltikum

Egal ob man die Straßenschlachten im Baltikum nimmt oder aber den durch die schwersten Proteste der letzten 60 Jahre ausgelösten Sturz der isländischen Regierung, das Volk in Europa erhebt sich mehr und mehr. Man sollte diesen Fakt durchaus als Warnsignal verstehen und nicht einfach ignorieren, schließlich stehen wir gerade ein Mal am zarten Anfang der Weltwirtschaftskrise. Den Menschen fehlt es immer mehr an Verständnis und dies gilt nicht nur im Bereich der Wirtschaft, denn auch politisch läuft einiges nicht annähernd so, wie es immer verkauft wurde und wird. Nehmen wir die EU, die scheinbar keine Chance auslässt ihre Bürger mit fragwürdigen Verordnungen und Erlassen einzuschränken, geht es allerdings um Einigkeit in wichtigen Punkten, wie zum Beispiel beim Thema Verfassung oder eben ganz aktuell um die Bekämpfung der Weltwirtschaftskrise, zeigt sich ein riesiges Maß an einzelstaatlichem Egoismus. Deutschland führt eine Änderung der Kfz-Steuer ein und erlässt eine Verordnung zur Abwrackprämie, schon werden die Fragen laut, ob dies Deutschland etwas bringt. Man stelle sich vor, Deutsche kaufen nun französische oder italienische Kleinwagen, dann wäre der deutschen Wirtschaft nicht wirklich geholfen. Bei solchen Gedankenspielen ist ein europäischer Gedanke ganz einfach nicht vorhanden.

Einige ehemalige Ostblockstaaten, die heute Mitglieder der EU sind, denken seitdem Gasstopp der Gazprom darüber nach alte Kernkraftwerke wieder ans Netz zu nehmen bzw. neue zu bauen. Gerade das Abschalten der alten Reaktoren, war allerdings in einigen Fällen eine Auflage zum Beitritt in die EU. Nun muss man anmerken, dass dieses Verhalten der genannten Staaten nachvollziehbar ist, denn wenn ein Staat sich auf solche Bedingungen einlässt, möchte er dafür auch etwas haben und bestimmt nicht, dass sein Volk im Winter friert. Allerdings hat die EU im Gasstreit mit der Gazprom es wieder ein Mal geschafft sich vorführen zu lassen und Russland ein Mal mehr den Triumph überlassen. Diese Fakten sprechen nicht für eine starke Gemeinschaft, die Fakten stehen viel mehr für einen losen und wackeligen Staatenbund in dem vor allem der Egoismus der einzelnen Staaten überzeugt. Wenn sich an diesen Fakten nichts ändern sollte, hat die EU als ein starker, demokratischer Staatenbund, der sich auch als Verbund gegen andere politische und wirtschaftliche Vereinigungen aus dem amerikanischen und asiatischen Raum versteht, keine Überlebenschance. Ein scheitern der EU wäre allerdings wohl, dass schlimmste was Europa nach der Jahrtausendwende passieren könnte.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Mein persönlicher Blick zurück. - Taxedo.de // 8. Jan 2010 at 16:47

    [...] in dem sich Egoismus breit macht. [...]

  • 2 Nathalie // 11. Apr 2010 at 02:51

    “Das Wertvollste im Leben ist die Entfaltung der Persönlichkeit und ihrer schöpferischen Kräfte”. Ich behaupte, das trifft es hier hier ganz gut. Gesagt hat das nebenbei Albert Einstein.

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