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Die Wahrheit des Wortes

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Und wieder ein Kirchenskandal

9. Februar 2011

Natürlich ist es schon erschrecken, dass in Deutschland schwarze Kassen in Höhe von gut 50 Millionen Euro kaum noch einen riesigen Skandal auslösen aber man muss auch berücksichtigen, dass natürlich viel Aufmerksamkeit im Moment auf Ägypten gelenkt wird, womit die Kirchen mit den dortigen Entwicklungen gleich doppeltes Glück haben. Im Kirchenkreis Herford sparte man wohl schon seit 1967 heimlich Geld an. Was man im Volksmund schwarze Kassen nennt, wird hier vielfach mit Sondervermögen oder auch heimlich angespartem Geld bezeichnet. Man merkt auch hier sehr schön, dass die Kirchen, die sich gerade auch im letzten Jahr vor Skandalen kaum retten konnten, in den Medien scheinbar noch immer so etwas, wie einen Sonderstatus in der Berichterstattung erhalten. Dies merkt man auch daran, dass man zum Beispiel über diesen Skandal nur wenig in den Medien erfährt. Auch ein Zustand, der sich hoffentlich bald ändert, denn ein solches Verhalten der Kirchen, unabhängig von einer juristischen Beurteilung des Sachverhalts, ist schlicht und ergreifend unhaltbar. Man muss aber auch anmerken, dass sich über diesen Skandal andere Vorgänge bei den Kirchen wieder sehr gut erklären lassen.

Die Kirchen haben kein Geld?
Auch wenn man bei diesem aktuellen Fall von der evangelischen Kirche spricht, ist bekannt, dass die Skandale meist auf die Kirchen zurückfallen, da sich doch immer mehr ein gesamtes Bild ergibt, welches von der Trunkenheitsfahrt einer Margot Käßmann, über die Skandale um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirchen bis eben hin zu diesem aktuellen Fall reicht. Dieses klare Gesamtbild von Ethik und Moral in den Kirchen ist natürlich nicht im Ansatz ein gutes Bild. Da hört man immer wieder, dass die Kirchen immer weniger Geld haben und sich sogar von Immobilien aber natürlich auch von Mitarbeitern trennen müssen, was man oft genug dem Mitgliederschwund anlastet, den man, wie die genannten Beispiele zeigen, natürlich oft genug selbst verschuldet hat. Auf der anderen Seite dann so ein Fall, wie der aus dem Kirchenkreis Herford, in dessen Bezug nun auch die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt, und man sich fragt, ob es ein Einzelfall ist oder ob, wie oft genug wenn sich Skandale bei den Kirchen auftun, eine Lawine ins rollen kommt.

Fakt ist, dass diese gut 50 Millionen Euro all die bestätigen, die behaupten, dass die Kirchen viel mehr Vermögen haben, als ihre Schäflein wissen sollen. Fakt ist auch, dass hier eine Begründung dafür liegen könnte, dass man sich mit Kritik am raubtierkapitalistischen System so zurückhält, denn scheinbar folgt man den hier üblichen Regeln selbst auch. Wenn dem so sein sollte, müsste man natürlich zwei Dinge klar einräumen, zum einen, dass das weit verbreitete Schweigen der Kirchen an dieser Stelle gerechtfertigt wäre aber auch, dass sie keinerlei Anspruch auf irgend eine Sonderstellung in dieser Gesellschaft hätten, da sie diese damit mehr als verwirkt hätten. Man kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn man Argumente hört, wie die, dass hier Geld für schlechte Zeiten angehäuft worden wäre, was übrigens am Ende des Tages auch nicht erklärt, warum man dies heimlich tut. Will die Kirche auch weiterhin einen besonderen Status genießen, sollte sie endlich damit aufhören sich so zu verhalten, wie es die Protagonisten aus Politik und Wirtschaft tun und sich endlich einmal für eine bessere Gesellschaft einsetzen und eine Vorbildfunktion einnehmen.

Kein Geld für Mitarbeiter?
Es wird nun auch geprüft, ob Entschädigungszahlungen zu leisten sind, denn mangelndes Kapital ist längst auch bei den Kirchen ein Thema, wenn es darum geht Menschen zu entlassen und der Skandal wäre natürlich gleich noch um ein Vielfaches größer, sollte sich hier herausstellen, dass man knapp 50 Millionen Euro hütete und trotzdem Menschen entlassen hat, weil man angeblich kein Geld hatte. Übrigens soll die genannte Summe jetzt offiziell werden und im Gesamten erhalten bleiben. In der Politik oder Wirtschaft würde man nun eine Spende verlangen aber an wen will die Kirche denn spenden, wenn man ihr scheinbar schon nicht selbst trauen kann. Das Geld soll dann ethisch unbedenklich angelegt werden. Auch hier kommen Fragen auf. Zum einen ist es natürlich erschreckend, dass man solche Grundvoraussetzungen mittlerweile scheinbar hervorheben muss und man fragt sich, ob Gelder bisher schon in ethisch bedenklichen Bereichen angelegt wurden. Es ist und bleibt unfassbar, was sich im Bereich der Kirchen abspielt und es scheint, als käme nach und nach immer mehr ans Tageslicht und man möchte eigentlich gar nicht wissen, was für Geheimnisse dort noch alle schlummern. Mitleid sollte man auf jeden Fall in diesen Tagen nicht erwarten, denn diesen Bonus hat man schon lange verspielt.

Die Kirchen müssen einfach begreifen, dass jeder dieser Skandale weitere Mitglieder kostet und auch wenn sich die westliche Einflussnahme in Bereichen, wie zum Beispiel in diesen Tagen in der arabischen Welt, letztendlich wahrscheinlich auch in Glaubensfragen auswirken wird, weil mit westlichen Ideologien natürlich auch immer ein Stückchen Christentum in die Welt getragen wird, wird dies die Verluste, die man sich an anderer Stelle einfährt, langfristig wohl kaum ausgleichen. Man kann nur hoffen, dass man bei den Kirchen nicht auch so kalkuliert, denn auch diese wäre dann wieder ein weiterer Skandal. Man sieht aber auch, dass es nicht gut ist, dass man die Kirchen so gesondert behandelt, denn wer sich so verhält, hat einfach keine Sonderbehandlung verdient, in sofern ist es umso wichtiger auch in diesem Bereich, auf den verschiedenen Ebenen besser zu kontrollieren und nicht immer wieder zu warten bis es zu spät ist. Ganz am Rande sei erwähnt, dass Religion und Staat eigentlich so oder so getrennt sein sollten, auch wenn schon manch Parteiname zeigt, dass dies auch in Deutschland nicht wirklich passiert. Dieser hier geschilderte Fall, zeigt in jedem Fall wieder sehr schön, dass man auch mit dem Thema Kirchen in einer sich völlig verändernden Gesellschaft ganz anders als bisher umgehen muss.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Wirtschaft

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